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Brodkorb: "historisches Datum" : Erste Lehrer jetzt Beamte

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Viele Jahre hat sich Mecklenburg-Vorpommern gesperrt. Doch sieht sich das Land nun gezwungen, seine Lehrer auch zu verbeamten. Sonst, so die Sorge, machen noch mehr junge Lehrer einen Bogen um den Nordosten.

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erstellt am 01.Aug.2013 | 05:57 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern hat mit der Verbeamtung von Lehrern begonnen und hofft so im Wettbewerb um den pädagogischen Nachwuchs mithalten zu können. "Die Verbeamtung spielt bei jungen Menschen eine große Rolle und macht die Ausbildung an unseren Schulen attraktiver", betonte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) am Donnerstag in Güstrow bei der Übergabe der ersten Ernennungsurkunden.

Der Minister sprach von einem "historischen Datum für das Land".

53 Referendare werden zu Schulbeginn am Montag als Beamte auf Widerruf in den Schuldienst des Landes treten. Sie seien die ersten, die im Nordosten die zweite Phase ihrer Lehrerausbildung als Beamte absolvieren, und strebten allesamt eine sogenannte Doppelqualifikation an. Das heißt, sie erwerben neben dem Zweiten Staatsexamen für das Lehramt an Regionalen Schulen oder Gymnasien auch die Unterrichtserlaubnis für Grundschulen.

"Die Verbeamtung demonstriert in erster Linie, welche immense Bedeutung der Staat dem Bildungswesen, der Bildung und Erziehung beimisst", betonte Brodkorb. Diese Wertschätzung schließe Lehrerinnen und Lehrern ein, "die seit Jahrzehnten verantwortungsvoll, besonnen und kompetent die Geschicke des Schulwesens gelenkt haben und dies weiterhin auch tun werden", versicherte der Minister.

Gewerkschaften und Opposition beklagen allerdings, dass für ältere Lehrer, die zum Teil jahrelang Gehaltseinbußen hinnehmen mussten, zu wenig getan werde. Die reguläre Verbeamtung von Lehrern soll 2014 beginnen. Davon profitieren aber nur Pädagogen, die nicht älter als 40 Jahre sind. Landesweit trifft das laut Lehrergewerkschaft GEW nur auf 550 der gut 10 000 Lehrer zu.

Nach Überzeugung Brodkorbs ist die angekündigte Verbeamtung aber ein wesentlicher Grund dafür, dass sich inzwischen deutlich mehr Pädagogen für den Schuldienst in Mecklenburg-Vorpommern interessieren. So nehmen zum Schuljahresstart am Montag 320 neue Lehrer an den Schulen des Landes ihre Tätigkeit auf. Damit stelle das Land fast doppelt so viele Pädagogen neu ein wie zu Schuljahresbeginn im Vorjahr. Die Zahl der Stellen, die zunächst unbesetzt blieben, weil geeignete Bewerber fehlten, seien geringer als zuvor. "85 Prozent der ausgeschriebenen Stellen sind besetzt. Das ist die mit Abstand beste Quote", hatte der Minister betont.

Die mitregierende CDU reklamierte diese positive Entwicklung zu großen Teilen für sich. "Nach jahrelangem Druck der CDU starten wir nun mit der Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern. Damit endet ein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Bundesländern", erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete Torsten Renz.

Die oppositionelle Linke warnte indes vor einem "Drei-Klassen- System in den Lehrerzimmern". Neben den Beamten gebe es weiter viele Lehrer im Angestelltenverhältnis. "Und die niedriger bezahlten Lehrkräfte an den Grundschulen schauen weiter mit dem Ofenrohr ins Gebirge, denn es soll weiterhin gelten: kleineres Geld für den Unterricht kleinerer Kinder", kritisierte die Linke-Schulexpertin Simone Oldenburg. Die Landesregierung sei mutlos und knausrig.

Die Landesregierung hatte zu Jahresbeginn ein 50-Millionen- Euro-Paket für die Bildung beschlossen, mit dessen Hilfe auch der Lehrerberuf attraktiver gemacht werden soll. In den kommenden Jahren gehen viele Lehrer in den Ruhestand, so dass der Ersatzbedarf hoch ist. Auch andere Bundesländern werben massiv um qualifizierte Lehrer.

Während in den westlichen Bundesländern die Verbeamtung eher die Regel ist, gibt es in den neuen Bundesländern große Differenzen.

Bundesweit sind etwa vier von fünf Lehrern Beamte.

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