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Öko-Verarbeiter starten Probebetrieb : Erste Bio-Milch aus gläserner Molkerei

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Statt reinweißer Sterilität eine warme hölzerne Fassade: Norddeutschlands erste reine Bio-Molkerei im nordwestmecklenburgischen Dechow passt auch äußerlich zum naturnahen Umfeld im Biosphärenreservat Schaalsee.

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erstellt am 27.Jan.2012 | 09:49 Uhr

Grevesmühlen | Statt reinweißer Sterilität eine warme hölzerne Fassade: Norddeutschlands erste reine Bio-Molkerei im nordwestmecklenburgischen Dechow passt auch äußerlich zum naturnahen Umfeld im Biosphärenreservat Schaalsee. Der Name sei Programm bei der "Gläsernen Meierei", sagte Geschäftsführerin Kirsten Böhmann gestern. Großzügig zieht sich eine verglaste Galerie quer durch die Molkerei, von der aus Besucher rund um die Uhr die klinisch saubere Milch- und Butterherstellung beobachten könnten. Nach Abschluss des Probebetriebs starte in wenigen Wochen die Produktion. In Dechow sollen künftig 40 Mitarbeiter bis zu 70 Millionen Kilogramm Biomilch jährlich zu frischer Trinkmilch, Joghurt, Butter und Sahne verarbeiten.

Das Unternehmen, das bisher in Upahl in Lohnproduktion Bio-Milch abfüllen ließ und seit zwei Jahren im brandenburgischen Münchehofe unter anderem Biokäse erzeugt, wird von rund 100 Landwirten aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen beliefert. Weitere Biobauern würden dringend gesucht, denn Rohware gerade im Ökosektor sei schwer zu bekommen, so Böhmann. In der Region sollten mehr konventionelle Landwirte auf Bio umsteigen, sagt sie. "Wir sind an weiteren Umstellern interessiert." Lockmittel könnten die höheren Preise für Bio sein. Wenngleich der Abstand zur konventionell erzeugten Milch seit Jahren schrumpfe, würden derzeit für Biomilch mit gut 43 Cent noch rund zehn Cent mehr je Liter gezahlt als für konventionelle Rohmilch, bestätigt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft.

Nach wie vor hinke die heimische Bio -Produktion dem Bedarf deutlich hinterher, sagt Böhmann. Allein die Nachfrage nach Biomilch stieg laut Statistik in Deutschland im ersten Halbjahr 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent. Der Import biologischer Nahrungsmittel nehme zu, weil deutsche Landwirte die Nachfrage nur zur Hälfte deckten, so das Schweriner Agrarministerium. Biomilch etwa werde massenhaft aus Österreich und Dänemark eingeführt, weiß Kirsten Böhmann.

In Norddeutschland produzierten 2009 rund 100 Biobauern 78 Millionen Kilogramm Rohmilch, davon 16,5 Millionen Kilogramm in Mecklenburg-Vorpommern. Bundesweit stieg die Biomilchproduktion gegenüber 2008 um 14 Prozent auf 527,1 Millionen Kilogramm (2009) und machte damit nur rund 1,8 Prozent des gesamten Milchaufkommens in Deutschland aus.

Regionale Biomilch für die Region, so das Credo der "Gläsernen Meierei". Ausschließlich in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen würden die frischen Molkereiprodukte mit der Marke "Biosphärenreservat Schaalsee - Für Leib und Seele" in Naturkostläden und Bio-Supermärkten vertrieben, kündigt die Geschäftsführerin an. Auch Handelsmarken für den norddeutschen Raum sollen abgefüllt und Biomilchpulver für Babynahrung von Lohnfertigern produziert werden.

Gut 16 Millionen Euro, davon 3,8 Millionen Euro Fördergeld von Bund, Land und EU, flossen in die Dechower Bio-Molkerei. Agrarminister Till Backhaus (SPD) sieht eigenen Worten zufolge weiteren Bedarf an verarbeitenden Betrieben. Während der Bioanbau in MV bereits neun Prozent der Ackerflächen gegenüber knapp sechs Prozent im Bundesschnitt ausmache, gebe es Reserven in der Veredlungswirtschaft. Derzeit seien 250 Verarbeitungs- und Gastronomiebetriebe öko-zertifiziert.

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