Entschädigungsfonds für DDR-Heimkinder : Erste Betroffene bekommen Entschädigung

In der Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige DDR-Heimkinder in Schwerin soll Betroffenen geholfen werden. dpa
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In der Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige DDR-Heimkinder in Schwerin soll Betroffenen geholfen werden. dpa

Seit einem halben Jahr gibt es den Entschädigungsfonds von Bund und neuen Ländern für DDR-Heimkinder. In MV haben die ersten Betroffenen Geld bekommen. Bislang sind insgesamt 163 000 Euro an sie ausgereicht worden.

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06. Januar 2013, 10:00 Uhr

Schwerin | Die ersten DDR-Heimkinder in Mecklenburg- Vorpommern haben Leistungen aus dem Entschädigungsfonds "Heimerziehung in der DDR" bekommen. Bislang seien an 45 Betroffene insgesamt 163 000 Euro ausgereicht worden, sagte die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marita Pagels-Heineking. Die Summen pro Person lägen zwischen 300 und 10 000 Euro.

Der größte Teil davon sei Rentenersatz für Frauen und Männer, die als Heiminsassen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren gearbeitet haben, für die damals aber nichts in die Rentenkasse eingezahlt wurde. Oft hätten die Betroffenen im Heim selbst, aber auch in der Landwirtschaft gearbeitet, berichtete Pagels-Heineking. Sie erhalten eine einmalige Zahlung von 300 Euro je Monat Arbeit. Zudem werden aus dem Fonds Sachleistungen gewährt. Das könne ein neuer Ofen oder eine Waschmaschine sein, wenn das benötigt werde, oder auch ein hochwertiges mobiles Sauerstoffgerät.

Die Beratungsstelle in Schwerin ist seit ihrer Eröffnung am 1. Juli 2012 ungebrochen stark nachgefragt. Bislang hätten sich mehr als 1200 ehemalige Insassen gemeldet, berichtete Pagels-Heineking. Täglich kämen 10 bis 15 hinzu. "Wir kommen bestimmt auf 2000 Antragsteller", schätzte sie. In vielen Kinderheimen der DDR, vor allem in Spezial- und Durchgangsheimen sowie Jugendwerkhöfen, gab es nach Erkenntnissen der Historiker Drangsalierungen, Demütigungen und Gewalt. Nicht wenige Betroffene sind noch heute traumatisiert.

Nach einem ersten Gespräch werde geprüft, ob die Antragsteller von dem Entschädigungsfonds profitieren können, erläuterte Pagels-Heineking. Zwei Mitarbeiter ihrer Behörde sind für die ehemaligen Heimkinder abgestellt, ein dritter soll im ersten Quartal 2013 dazukommen. Bei der Bearbeitung der Fälle werden Alte und Schwerkranke bevorzugt. Andere Antragsteller müssten sich auf ein bis eineinhalb Jahre Wartezeit einstellen.

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