Bahnverkehr : Erst Streik, dann Brandstifter

Bahn-Techniker bei der Reparatur  eines beschädigten  Kabelschachts  in Bremen
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Bahn-Techniker bei der Reparatur eines beschädigten Kabelschachts in Bremen

Feuer in Kabelschächten entlang der Gleise gelegt. Normaler Bahnbetrieb erst ab heute erwartet

svz.de von
09. November 2014, 15:23 Uhr

Die Hoffnung der Zugreisenden auf eine schnelle Normalisierung des Bahnverkehrs nach dem Ende des Lokführer-Streiks ist durch Brandanschläge an mehreren Strecken im Norden gedämpft worden. Die Dauer der Reparaturen konnten zunächst nicht abgesehen werden, weswegen der Ersatzfahrplan für Hamburg und Schleswig-Holstein vorsorglich am Sonntag fortgesetzt wurde, sagte eine Bahnsprecherin in Berlin. Im Regionalverkehr waren deshalb nur rund 30 Prozent der Züge unterwegs. In Bremen und Niedersachsen war etwa jeder zweite Zug betroffen. Am Montag soll sich der Verkehr im Norden wieder normalisieren.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte ihren Streik am Samstagabend um 18 Uhr beendet – nach 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr. Die Lokführer kehrten früher als geplant zurück an die Arbeit, ursprünglich wollte die GDL bis Montagfrüh streiken. Es war der sechste Ausstand in der laufenden Tarifrunde.

Doch statt freier Fahrt kam in Norddeutschland das nächste Problem auf die Bahnreisenden zu: Unbekannte hatten in Bremen, Bad Bevensen und Karstädt (Brandenburg) in Kabelschächten entlang der Gleise Feuer gelegt. Im Internet bekannten sich „Autonome Gruppen“ zu der Tat. Sie wollten mit der Sabotage nach eigenen Angaben an den Tod eines Franzosen bei einem Castor-Transport aus dem französischen La Hague ins Atommüll-Zwischenlager Gorleben vor zehn Jahren erinnern.

Lokführer verständigten sich über Handy

Wegen der Feuer fielen die Stellwerke in Hamburg, Kiel und Lübeck, die Signalanlagen sowie der Funkverkehr zu den Zügen für mehrere Stunden aus. Die Lokführer mussten langsamer fahren und sich über Handy verständigen. Am  Samstagabend hatten Techniker die Schäden laut einer Bahnsprecherin weitgehend repariert. Allerdings konnte der zuvor eingeführte Notfahrplan nicht so schnell wieder rückgängig gemacht werden.

Der Schaden im brandenburgischen Karstädt bei Wittenberge war am Sonntag jedoch noch nicht behoben. „Einzelne Ersatzteile müssen noch beschafft werden“, sagte die Bahnsprecherin. Auf der Strecke Berlin-Hamburg kam es demnach zu Verspätungen von bis zu 15 Minuten, weil die Züge nur langsam am Brandort vorbeifahren konnten. Die Schäden in Karstädt sollen heute im Laufe des Tages behoben werden. Nach der Veröffentlichung des Bekennerschreibens hatten Staatsschutzabteilungen der Landespolizei in den jeweiligen Ländern die Ermittlungen von der Bundespolizei übernommen. Auch die Staatsanwaltschaft Lüneburg nahm Ermittlungen auf. In Brandenburg hat das Landeskriminalamt eine eigene Ermittlungsgruppe zusammengestellt.

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