Premiere nach neun Jahren : Erst Jumbo, dann Kreuzliner

Mit Wasserfontänen wird am Flughafen Rostock-Laage der erste zivile Jumbo-Jet begrüßt.
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Mit Wasserfontänen wird am Flughafen Rostock-Laage der erste zivile Jumbo-Jet begrüßt.

Boeing 747 bringt Urlauber nach Rostock-Laage – ein Zeichen des Aufwärtstrends

svz.de von
19. Juni 2016, 20:55 Uhr

Fast genau neun Jahre nach der Landung des letzten Jumbo-Jets, der „Air Force One“ des damaligen US-Präsidenten George W. Bush, ist am Sonnabend wieder eine Boeing 747 auf dem Flughafen Rostock-Laage gelandet. Wurde Bush damals zum G8-Gipfel nach Heiligendamm gebracht, warteten nun viele Busse auf die rund 500 Passagiere, um sie zum Kreuzfahrtschiff „Monarch“ der Reederei Pullmantur Cruises zu bringen, das im Seehafen angelegt hatte.

Die Verknüpfung zum Kreuzfahrtgeschäft brachte Rostock-Laage aus der Abwärtsspirale heraus, unter der viele Regionalflughäfen leiden. Wenn es heute um das Dauerproblem dieser Airports geht, werden Lübeck, Kassel oder Hahn genannt, Rostock-Laage ist dagegen außen vor. Im Gegenteil: Die Entwicklung der letzten zwei Jahre ist erstaunlich. Am Samstag wurden bei zehn Flugabfertigungen insgesamt rund 3600 Passagiere gezählt – ein Tagesrekord.

Die Idee zur Verknüpfung von Luft- und Schifffahrt gab es schon lange, doch es dauerte bis 2015, bis die Reederei Costa Crociere das Angebot des „seamless travel“ (etwa: nahtloses Reisen) annahm. „Vom Abflug zu Hause über die Kreuzfahrt selbst bis zum Heimatflughafen müssen sich die Passagiere weder um ihr Gepäck noch um den Transfer zum Schiff kümmern“, sagt Flughafen-Chef Rainer Schwarz. Das kann nach seinen Worten nur ein kleiner Flughafen anbieten. Das Angebot an die Reedereien lautete: „Rent your own Airport.“

2015 wurden in Laage 18 000 Kreuzfahrtpassagiere abgefertigt, 2016 werden es rund 70  000 sein. Neben Costa haben auch die Reedereien MSC Cruises und Pullmantur Cruises das Angebot angenommen. Für den gerade an einen chinesischen Investor verkauften Flughafen Hahn oder für Kassel-Calden sind Kreuzfahrer indes wahrscheinlich keine Alternative.

Keine drei Jahre ist es her, da stand Rostock-Laage kurz vor der Insolvenz. Jahrelang krebste der Flughafen am Existenzminimum herum, musste mit Millionensummen unterstützt werden und es gab angesichts des ständigen politischen Hickhacks kaum Aussicht, dass sich an der Situation substanziell etwas ändern kann – doch es kam anders.

Für Schwarz hat die Entwicklung eine Ursache: „Mit der Zusage vom Land und der Gesellschafter im Jahr 2014, die Zuschüsse auf eine Million Euro zu verdoppeln und dies bis Ende 2017 beizubehalten, gab es einen Planungshorizont.“ Gesellschafter sind die Hansestadt und der Kreis Rostock sowie die Stadt Laage. So sei es gelungen, Airlines für den Standort zu interessieren. Alle weiteren Entwicklungen basierten darauf, sagt Schwarz, der vor seiner Zeit Chef der Berliner Flughäfen war – allerdings nicht für die Technik verantwortlich.

„Es war ein echter Zufall, dass Schwarz frei auf dem Markt war“, sagt Landes-Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) zu dessen Engagement. Er habe den internationalen Markt in all seinen Facetten durchdrungen und verfüge über umfangreiche Netzwerke, die nun zum Tragen kämen.

Pegel betont, nur der Flughafen Rostock-Laage habe neben seiner Regionalbedeutung auch eine Funktion für das ganze Land.

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