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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 22:32 Uhr

Erst gab es Gans und dann Schläge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gerichtsverhandlung um einen handfesten Streit zwischen Vater und Sohn während des Weihnachtsfestes 2014

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 15:58 Uhr

Wenn ein Weihnachtsessen mit der Familie in einer Gerichtsverhandlung mündet, mag sich mancher an einen Schwank aus dem Hamburger Ohnsorg-Theater erinnert fühlen – Happy End inbegriffen. Davon konnte gestern am Amtsgericht Schwerin keine Rede sein. Ein Vater und sein Sohn waren zu Weihnachten 2014 äußerst energisch aneinandergeraten. Nun fand sich der Sohn wegen des Vorwurfs der Körperverletzung und Beleidigung auf der Anklagebank wieder. Die Kontrahenten stellten die Ereignisse allerdings recht unterschiedlich dar. So konnte Amtsrichter Jens Brenne zum Schluss zwar kein glückliches Ende verkünden – aber den Weg zur Versöhnung offenhalten.

Der Angeklagte war mit seiner Freundin am zweiten Feiertag zum abendlichen Essen aufs Dorf gefahren, wo sein Vater mit seiner Lebensgefährtin lebt. Das Gänse-Essen sei eigentlich „sehr schön“ gewesen, berichtete die Freundin als Zeugin vor Gericht, „Weihnachten halt“. Unbestritten gab es nach der Gans einige Kräuterliköre, dann Wein und für die Männer Rum. „Das war schon nicht mehr normales Trinken, das war Sauferei“, stellte Richter Brenne fest.

Dennoch blieb es friedlich, so die Erinnerung des Sohnes, bis er sich zusammen mit seinem Vater auf der Couch niederließ. Da habe der Vater angefangen „zu kappeln“, wie es Väter nun einmal mit ihren Söhnen ab und an tun. Auch deutete der Vater wohl Boxhiebe an. „Er wollte wieder mal zeigen, das er der Stärkere ist“, so der sportliche Mittzwanziger. Sein Vater brachte dafür etwas mehr Masse mit in die Auseinandersetzung. Aber als einer der Schläge den Sohn traf, „hat es ,klick’ gemacht“. In ihm seien alle schlechten familiären Erfahrungen aus seiner Kindheit hochgekommen. Schon prügelten die Männer aufeinander ein, wälzten sich am Boden, wurden von den Frauen mühsam getrennt. Nachdem er von seiner Stiefmutter nach draußen komplimentiert wurde, sei sein Vater mit einem Schraubenzieher hinterher gekommen und habe ihn „abstechen“ wollen, behauptete der Sohn. Er brach eine Latte aus dem Gartenzaun und verpasste dem Vater einen Schlag.

Der als Zeuge geladene Vater wollte nicht gegen seinen Sohn aussagen. Seine Lebensgefährtin hingegen stellte die Details des Abends deutlich anders dar. Bereits bei Tisch habe der Junge fabuliert, er könne „alle umbringen lassen“. Warum der Sohn dies gesagt haben soll, wusste sie nicht. Bereits am Tisch habe er dem Vater ein blaues Auge verpasst – ohne dass dieser sich gewehrt habe. Dazu sei es erst auf der Couch gekommen. Von einem Angriff mit einem Schraubenzieher könne keine Rede sein.

Die Aussage der Frau erschien Richter Brenne wohl allzu überzogen. Auf der anderen Seite unterstützten die Freundin wie auch ein weiterer Verwandter allzu wortgleich die Darstellung des Angeklagten. „Wenn allzu viel Alkohol im Spiel ist, wird es schwierig, das Geschehen zu rekonstruieren“, so der Richter. Wenn sich Familien derart überwerfen, wolle er nicht unnötig Öl ins Feuer gießen, sondern ihnen ermöglichen, Frieden zu schließen. Brenne stellte das Verfahren ein. Der Sohn muss 100 Euro an einen Sozialverband zahlen.

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