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EHEC: Erbgut entschlüsselt - neue Kombination : Erreger bleibt rätselhaft

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Keine Entspannung bei EHEC: Die schweren Darm-Infektionen bringen Ärzte und Pflegekräfte in den Krankenhäusern auch in Mecklenburg-Vorpommern an ihre Belastungsgrenze.

Rostock/Hamburg | Keine Entspannung bei EHEC: Die schweren Darm-Infektionen bringen Ärzte und Pflegekräfte in den Krankenhäusern auch in Mecklenburg-Vorpommern an ihre Belastungsgrenze. Allein im Universitätsklinikum Rostock wurden am Donnerstag 24 Patienten mit EHEC behandelt, wie ein Sprecher mitteilte. Davon waren 13 schwer erkrankt. Sie erhalten den Angaben zufolge neues Blutplasma von Spendern oder bekommen Dialyse. Betroffen sind auch vier Kinder. Weil beim Plasmaaustausch je behandeltem Erwachsenen drei Liter pro Tag benötigt würden, gingen die Vorräte langsam zur Neige, hieß es. Der Blutspendedienst der Uni-Klinik Rostock bat deshalb um Blutspenden. Benötigt würden vor allem Blutspenden von Menschen, deren letzte Spende vier bis sechs Monate zurückliegt. "Plasma muss nach der Spende mindestens vier Monate in Quarantäne gelagert werden. Es darf erst freigegeben werden, wenn der Blutspender erneut gespendet hat", erklärte der Direktor der Klinik für Transfusionsmedizin, Volker Kiefel.

Am Mittwoch waren in Mecklenburg-Vorpommern 92 Menschen mit dem Darmkeim infiziert, 31 davon litten an der schweren Komplikation HUS (Hämolytisch-Urämisches Syndrom). Deutschlandweit liegt die Zahl der gemeldeten EHEC-Infektionen und Verdachtsfälle rund drei Wochen nach Auftreten der ersten Fälle bei etwa 2000. Mittlerweile 17 Todesfälle werden mit dem Darmkeim in Verbindung gebracht.

Auf dem Weg zu einer Therapie gegen EHEC haben Ärzte einen wichtigen Schritt gemacht. Sie kennen das Erbgut ihres Gegners und fahnden nach einem Angriffspunkt. Experten am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) haben mit Hilfe chinesischer Kollegen das Genom des grassierenden Erregers gelesen. Kurzfristig werde das Patienten aber nicht helfen. Bakteriologe Holger Rohde sagte gestern: "Es handelt sich um eine so noch nie gesehene Kombination von Genen." Allem Anschein nach haben dafür zwei Bakterien Teile ihrer Erbsubstanz miteinander ausgetauscht. In der Summe sei ein Escherichia coli (E. coli)-Bakterium entstanden, das das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) auslösen kann. Etwa 80 Prozent stammten vom E. coli-Stamm O104, die übrigen 20 Prozent von einem anderen Bakterium. In diesem Teil des Genoms sind Erbanlagen zur Produktion des gefährlichen Shigella-Toxins.

Unterdessen hat Spanien seine Forderung nach Schadenersatz für die Millionenverluste bekräftigt, die seinen Landwirten infolge der EHEC-Krise entstanden.

>> HINTERGRUND: Protest, Einfuhrverbot und Haustiere

Spanische Bauern haben aus Protest gegen das deutsche Krisenmanagement im Kampf gegen den EHEC-Erreger 300 Kilogramm Obst und Gemüse vor dem Konsulat der Bundesrepublik in Valencia ausgeschüttet. Wie der Bauernverband La Unió de Llauradors mitteilte, hatte das Obst und Gemüse in Deutschland keine Abnehmer gefunden.

Russland hat wegen der Gefahr durch den Darmkeim EHEC das Importverbot für Gemüse auf die gesamte Europäische Union ausgeweitet – und überprüft Reisende aus der EU und vor allem aus Deutschland auf mögliche Symptome. Bisher galt das Einfuhrverbot nur für frisches Gemüse aus Deutschland und Spanien.

Haustieren droht keine Infizierung mit dem EHEC-Erreger – auch nicht, wenn sie rohes Gemüse fressen. „Es ist prinzipiell zwar möglich, aber sehr unwahrscheinlich, dass sich diese Tiere infizieren können“, sagt Prof. Lothar Wieler vom Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen an der FU Berlin.

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erstellt am 02.Jun.2011 | 07:07 Uhr

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