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Aus dem Gerichtssaal : Erpresserischer Menschenraub

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach umstrittenem Facebook-Foto eines Richters: Antragsflut der Verteidiger im dritten Prozessanlauf

svz.de von
erstellt am 21.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Mit einer Flut von Anträgen der Verteidigung hat gestern vor dem Landgericht Stralsund der dritte Anlauf im Prozess gegen zwei Männer wegen erpresserischen Menschenraubs begonnen. Die beiden 35 und 27 Jahre alten Angeklagten sollen im Jahr 2012 den Besitzer einer Clubgaststätte in Tarnow (Landkreis Rostock) entführt, verprügelt und von ihm 15 000 Euro gefordert haben. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sollen sie einen weiteren Mann entführt haben. Die Verteidiger stellten am ersten Prozesstag 43 Anträge zur Ladung von Zeugen, Auswertung von Telefonüberwachungsprotokollen und zu weiteren Gutachten.

Der Prozess ist bereits der dritte Anlauf zur Verurteilung der Männer. Zwei Urteile des Landgerichts Rostock waren vom BGH aufgehoben worden, das letzte im Januar 2016 wegen eines umstrittenen Facebook-Eintrages des Vorsitzenden Richters am Landgericht Rostock. Dieser hatte auf seinem Facebook-Account ein Bild gepostet, auf dem er in einem T-Shirt mit dem Spruch „Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause. JVA“ zu sehen war. Nach Ansicht des BGH dokumentiere dieser Facebook-Eintrag eine innere Haltung des Richters, die annehmen lasse, dass dieser Spaß an der Verhängung hoher Strafen habe und sich über die Angeklagten lustig gemacht habe. Die Angeklagten waren zu acht Jahren beziehungsweise fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden.

Die Angeklagten, von denen der Hauptangeklagte seit 2012 in Untersuchungshaft sitzt, schwiegen weitgehend zum Prozessauftakt. Der 35-jährige Angeklagte erklärte lediglich in einem Satz, dass die Vorwürfe nicht zuträfen. Sein Anwalt beantragte, die Verhandlungsdauer auf vier Stunden pro Tag zu begrenzen. Grund seien Konzentrations- und Wahrnehmungsstörungen infolge der langen Untersuchungshaft in der JVA Bützow. Das Gericht will zunächst ein medizinisches Gutachten beauftragen.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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