Ausstellung in Greifswald : Erotische Elemente

Spiel am Strand Foto: Klaus Ender
1 von 3
Spiel am Strand Foto: Klaus Ender

Am Sonntag wird im Pommerschen Landesmuseum Greifswald die Klaus-Ender-Ausstellung "Akt und Landschaft" eröffnet. Die Besucher erwarten verführerische Schwarz-Weiß-Fotografien.

von
04. Mai 2013, 11:40 Uhr

Greifswald | Vielleicht empfindet der Fotograf Klaus Ender auch ein wenig Genugtuung bei dieser großen Ausstellung, die mit 150 Fotografien einen Einblick in fünf Jahrzehnte seines fotografischen Schaffens gibt. Genugtuung, weil er in zwei Bildbänden mit den angeblich besten Aktfotos aus DDR-Zeiten, 2010 und 2011 erschienen, einfach nicht vorkam. Dabei war es doch gerade Klaus Ender, der gemeinsam mit Gerd Rattei 1975 die erfolgreichste Fotoausstellung der DDR unter dem Titel "Akt & Landschaft" ins Leben rief und damit der künstlerischen Aktfotografie zum Durchbruch verhalf. 100 000 Menschen sahen die Schau damals in sechs Städten.

So viel wird das Pommersche Landesmuseum Greifswald wohl bis zum 11. August 2013 nicht verbuchen können, auch wenn die aktuelle Klaus-Ender- Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird, den gleichen Titel trägt - "Akt & Landschaft". Aber dass sie ein Magnet für Einheimische und Urlauber sein dürfte, daran zweifelt niemand.

Das Konzept ist auch zu verführerisch. Ein Könner seines Fachs, zumal aus der Region. Und schöne junge Frauen am Meer, an den Stränden Rügens, wie Aphrodite im Schaum badend, anmutig mit Sand und Wellen spielend, heiter, lässig und im besten Sinne natürlich. Und immer so fotografiert, dass sie zwar nackt, aber nie vorgeführt werden, dem voyeristischen Blick ausgesetzt.

Zudem wird gerade in den Schwarz-Weiß-Fotografien die große Kunst des Klaus Ender offenbar. Ohne Farbe kann man "einfach besser mit Licht und Schatten spielen", sagte Ender einmal. Farbfotografie ist ihm zu naturalistisch, konzentriere sich zu wenig auf den Kern eines Motivs. Die Würde der von ihm fotografierten Frauen war ihm immer wichtiger als vordergründige Effekte. Sonst hätte er auch kaum so viele junge Frauen überreden können, sich von ihm fotografieren zu lassen.

Zuerst während des heißen Sommers 1964, als es dem damaligen Amateurfotografen gelang, zahlreiche junge weibliche Modelle von seiner fotografischen Arbeit zu überzeugen und sich am FKK-Strand Bakenberg-Nonnevitz in Dranske ablichten zu lassen. Diese Fotos erschienen dann im "Magazin" und im "Eulenspiegel", im Jugendmagazin "Neues Leben" und im "Fotomagazin" und sorgten schließlich dafür, dass Klaus Ender im Mai 1966 die Zulassung für freischaffende journalistische Tätigkeiten erhielt. Nachdem er bereits 1965 in Saßnitz den Fotoclub begründet hatte, lebte und arbeitete der 1939 in Berlin Geborene dann freiberuflich in Binz, Potsdam und ab 1981 nach seiner Ausreise aus der DDR in Österreich. 1996 kehrte er mit seiner Frau auf die Insel Rügen, nach Bergen zurück.

Von seiner Liebe zu dieser Insel künden auch die Titel seiner Arbeiten: "Kreideküste" (1965), "Am Wissower Klinken" (1969) oder "Stubbenkammer" (1973). Die Steilküste, der Strand, Wellen und Wasser sind immer wiederkehrende Bildmotive, die ebenso wie Fischerhäuser, Boote und Netze in seine Bildwelt einbezogen werden. Die Darstellung der ungetrübten Einbindung des Menschen in die Natur entwickelte sich über die Jahre zu einem persönlichen Markenzeichen des engagierten Fotografen.

In den vergangenen Jahren rückte Ender die Aktfotografie mehr und mehr in den Hintergrund zugunsten von poetischen Landschaftsaufnahmen und seiner Liebe zu Aphorismen und Gedichten, die er im eigenen Verlag he rausgibt. In seinem Gedicht "Der Akt" aber treffen Lyrik und Fotografie zusammen: "Der Akt ist eine Symphonie / der Schönheit und der Sinne, / er stimuliert die Fantasie, /man hält mit Andacht inne."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen