Ernte unter erschwerten Bedingungen

Sechs Mähdrescher, zwei pro Feld, hat Reinhard Drews von der Agrargenossenschaft Köchelstorf losgeschickt, sobald die Regenschauer nachgelassen haben.
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Sechs Mähdrescher, zwei pro Feld, hat Reinhard Drews von der Agrargenossenschaft Köchelstorf losgeschickt, sobald die Regenschauer nachgelassen haben.

svz.de von
19. Juli 2012, 09:32 Uhr

Köchelstorf | Als der Himmel am frühen Dienstagabend endlich aufklart, muss es schnell gehen: Sechs Mähdrescher, und damit alle verfügbaren Kapazitäten, schickt Reinhard Drews, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Köchelstorf, auf die Felder mit der Wintergerste. Hinzu kommen zehn Abfahrer, die das gedroschene Getreide mit Traktoren mit jeweils zwei Hängern aufnehmen und zur Getreide-Anlage der Agrargenossenschaft fahren. "Wenn es gut läuft, dann kommen die Abfahrer fast im Minutentakt an", sagt Drews.

Allerdings: Es ist nicht immer gut gelaufen in den vergangenen Wochen. Die häufigen Regenschauer, die Feuchtigkeit aus der Luft und aus dem Boden, machen Reinhard Drews und seinen Mitarbeitern zu schaffen. Denn die Wintergerste ist reif, zugleich kann nur gedroschen werden, solange es trocken ist. "Seitdem die Gerste erntereif ist, hat es jeden Tag Schauer gegeben", berichtet Drews. Schauer, die zu empfindlichen Verlusten bei der Ernte führen können: "Durch Wind und Regen besteht die Gefahr, dass die Ähre abbricht oder die Gerste wegknickt", so Drews. Deshalb muss das Getreide jetzt vom Feld - auch wenn das für Drews und seine Mitarbeiter bedeutet, permanent auf Abruf bereit stehen zu müssen: "Es gab Tage, an denen sind wir raus gefahren und haben gerade einmal 20 bis 30 Hektar gedroschen, bis es anfing zu regnen", ärgert sich der Landwirt. An optimalen Tagen hingegen schafften sie 180 bis 200 Hektar. "Aber solche Tage hat es in den vergangenen eineinhalb Wochen seit Beginn der Ernte kaum gegeben."

Deshalb sind die Mitarbeiter der Agrargenossenschaft auf den Feldern, sobald das Wetter es zulässt. "In dieser Zeit wird dann auch nicht geguckt, ob acht Arbeitsstunden rum sind, sondern so lange gemacht, wie es geht." 80 Prozent ihrer auf insgesamt 601 Hektar angebauten Wintergerste hat die Agrargenossenschaft mittlerweile vom Feld geholt. "Alles, was wir bisher gedroschen haben, mussten wir auch trocknen. Dadurch, dass das Getreide immer wieder feucht wird, kommt es auch wenn es mal nicht regnet, nicht auf Normalfeuchte runter." In der genossenschaftseigenen Trocknungsanlage wird seit vergangener Woche deshalb rund um die Uhr getrocknet, in zwei Schichten von jeweils zwölf Stunden. Alleine 750 Tonnen Gerste konnten am Dienstag vom Hof transportiert werden. Trotz der widrigen Bedingungen: Mit der Menge der geernteten Wintergerste ist Reinhard Drews bisher zufrieden.

Die Auswirkungen des Wetters auf die Wintergerste seien sehr unterschiedlich, erklärt Jörg Haase, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Nordwestmecklenburg. "An schwachen Standorten ist das Korn sehr schlecht ausgeprägt und hat nur eine Notreife erlangt. Bei schweren Böden ist es hingegen zur Kornreife gelangt." Haase selbst hat in seinem Betrieb bisher 50 Prozent der Wintergerste ernten können. Optimale Dreschbedingungen, betont er, habe es in dieser Woche nur an einem Tag gegeben, insbesondere für Landwirte, die nicht über eine eigene Trocknungsanlage verfügen. "Denn mit Trocknungsanlage kann auch noch Gerste mit einer höheren Feuchtigkeit gedroschen werden. Das ist ohne Trocknung nicht möglich."

Es sei ein schwieriges Jahr, so Haase. "Das Wetter ist einfach nicht beständig genug." Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Erntearbeit: "Bei Feuchtigkeit ist es schwieriger, die Granne vom Korn zu lösen, was die Reinheit des Korns beeinflussen kann. Zudem steigt natürlich die Pilzgefahr." Gerade für den Winterweizen, der in rund drei Wochen reif sein wird, sei dieses Wetter schwierig.

"Ich hoffe auf Petrus und den Wetterbericht, dass wir ein paar gute Tage bekommen, damit Weizen und Raps abreifen können. Gerade beim Raps sieht man, dass er jetzt teilweise schon zusammenfällt. Es ist einfach schade, wenn man ihn wegen des Wetters nicht vom Feld kriegt."


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