Ausbildung in MV : Erneut viele Lehrstellen unbesetzt

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Jeder neunte Ausbildungsplatz ist in diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern unbesetzt geblieben

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03. November 2017, 05:00 Uhr

Wie die Regionalchefin der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, am Donnerstag in Schwerin sagte, waren Ende September mehr als 1300 von insgesamt gut 11 400 gemeldeten Lehrstellen noch offen. Die größten Lücken klafften erneut im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Handel. Damit setzte sich der Trend der zurückliegenden Jahre fort. Trotz des Überangebots an Ausbildungsplätzen waren aber auch rund 500 Bewerber noch unversorgt. Haupt-Koopmann appellierte daher an Unternehmer wie an Schulabgänger, mehr Kompromissbereitschaft zu zeigen.

So verdienten auch Jugendliche mit „Ecken und Kanten“ eine Chance.„Die Unternehmen und ihre Verbände haben die Fachkräftesicherung längst als größtes Problem erkannt. Und trotzdem tun sich Firmen schwer, auch solche Bewerber zu nehmen“, beklagte die Agenturchefin.

Das Angebot öffentlich geförderter Langzeitpraktika, in denen Jugendliche und Firmen testen könnten, ob sie zueinander passen, hätten in Mecklenburg-Vorpommern rund 400 Betriebe genutzt. Im benachbarten Schleswig-Holstein seien es dreimal so viele.

Wegen der drastisch gesunkenen Geburtenzahlen im Land wird es für Firmen immer schwieriger, ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern. 1997 hatte es in Mecklenburg-Vorpommern noch 30 000, im Jahr 2007 immerhin noch rund 20 000 Schulabgänger gegeben. Inzwischen hat sich die Zahl bei jährlich etwa 12 500 eingependelt.

Jugendliche ohne Lehrstelle ermunterte Haupt-Koopmann, offen zu sein für Neues und auch Berufe in Erwägung zu ziehen, die nicht ihrer ersten Wahl entsprächen. Berufliche Flexibilität und regionale Mobilität würden die Vermittlungschancen merklich erhöhen. „Die Chancen auf einen gute Ausbildung sind besser denn je“, sagte sie. Die Vermittlung laufe weiter.

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) warb ebenfalls bei den Unternehmern dafür, auch Schülern mit schwächeren schulischen Leistungen eine Chance zu geben. Viele könnten mitunter handwerkliche Fähigkeiten in die Waagschale werfen. „Wir dürfen keinen auf dem Weg in die Ausbildung verlieren“, mahnte sie und kündigte weitere Anstrengungen in der beruflichen Frühorientierung an. Damit solle die Berufswahl qualifiziert und die Zahl der Ausbildungsabbrecher gesenkt werden. Die Landesregierung werde sich zusammen mit den Unternehmensverbänden weiter dafür einsetzen, den Ruf der beruflichen Bildung zu stärken: „Akademische Berufe sind attraktiv. Aber auch Industrie und Handwerk bieten gute Perspektiven und Verdienste.“

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hob den Wert der dualen Berufsausbildung hervor, mahnte aber eine höhere Qualität in der Lehre und in Teilen auch eine bessere Vergütung an. „Es hat Gründe, dass an der Spitze der unbesetzten Ausbildungsplätze immer wieder die Berufe mit seit Jahren kritisierten schlechten Ausbildungsbedingungen sind: Einzelhandelsberufe und Jobs wie Koch, Kellnerin, Hotelfachfrau oder Bäcker. Die Arbeitgeber müssen darauf endlich reagieren und branchenbezogene Qualitätsoffensiven und bessere Bezahlungen bieten.

Sonst wird ihre Fachkräftelücke immer größer“, warnte Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord.

Ende September wurden im Nordosten noch 131 Köche, 121 Hotelfachleute und 119 Kellner gesucht. Nach Angaben von Haupt-Koopmann schrecken neben geringen Verdienstmöglichkeiten vor allem die Arbeitszeiten junge Leute vor Berufen im Gastgewerbe ab. Viele Unternehmen der Branche hätten aber reagiert, böten bessere Bezahlung und flexiblere Arbeitszeitmodelle. „Die Situation ist vielfach besser als das Image“, sagte Haupt-Koopmann.

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