Wirtschaft in MV : Ernährungsbranche hilft sich selbst

Die größte Dichte von Unternehmen der Branche findet sich in Westmecklenburg, doch landesweit gibt es große Firmen.  Grafik: WFgSWM
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Die größte Dichte von Unternehmen der Branche findet sich in Westmecklenburg, doch landesweit gibt es große Firmen.

Sechs westmecklenburgische Unternehmen gründen Food Academy und bilden passgenauen Facharbeiternachwuchs heran

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05. November 2014, 11:55 Uhr

Die Ernährungswirtschaft prägt Mecklenburg-Vorpommern traditionell. Zu ihr zählt die gesamte Wertschöpfungskette von der Primärproduktion in der Landwirtschaft und Fischerei über die Verarbeitung bis zur Vermarktung. In den rund 90 Betrieben der Kernbranche arbeiten mehr als 14 000 Menschen. Doch der Branche gehen die qualifizierten Fachkräfte aus.

Kaum einer der Betriebe bekommt aus dem bestehenden Berufsbildungssystem die genau aufs jeweilige Unternehmensprofil passenden Menschen. Sechs „Pioniere“ der Branchen aus Westmecklenburg wollen das jetzt ändern, indem sie sich selbst helfen: Sie gründeten im Juni 2014 die „Food Academy“, um sich ihren Facharbeiter-Nachschub künftig passgenau heranzubilden.

Einer der Pioniere ist Oliver Schindler, Vorstandsvorsitzender des Süßwarenherstellers SweetTec in Boizenburg, der gerade sein Werk deutlich vergrößert (wir berichteten). „Unsere Unternehmen genießen mit der logistischen Situation, den ausgefeilten Wertschöpfungsketten und weiteren Standortvorteilen sehr gute Rahmenbedingungen“, räumt Schindler ein. „Aber wir haben eine gemeinsame Herausforderung zu meistern, die grundlegend für zukünftige Erfolge ist: Nachwuchs- und Arbeitskräftesicherung.“ Die Rekrutierung werde schwieriger, weil bei Jugendlichen die Vielfalt der Berufe in der Ernährungswirtschaft kaum bekannt ist. „Zudem ist das Image der gesamten Branche noch nicht positiv genug besetzt“, so Schindler. Außerdem brauchen Auszubildende wegen des hohen Technisierungsgrades praxisrelevante Zusatz-Lehrinhalte – eine Situation, die nur in Kooperation mit Bildungseinrichtungen und mit Unterstützung der Politik zu lenken sei, meint Schindler. „Und schließlich muss auch gesagt werden, dass wir langjährig bewährten Mitarbeitern oft nur unter enormem Aufwand passende Weiterbildungen anbieten können, für die sie teilweise quer durch Deutschland reisen müssen.“

Das soll sich nun ändern: Ausbildung im Land und genau passend zur jeweiligen Firma. Die Academy will zum landesweiten Netzwerk werden, das sich neben dem Nachwuchs auch um Imagearbeit kümmert. Den Stein ins Rollen bringen die Firmen Dr. Oetker und SternMaid (Wittenburg), Nestlé (Schwerin), riha WeserGold (Dodow) und SweetTec/ToffeeTec aus Boizenburg – koordiniert durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestmecklenburg in Ludwigslust, wo der Verein „Food Academy – Kompetenzen für die Ernährungswirtschaft“, seinen Sitz hat. „Wir freuen uns auf weitere Mitglieder und Kooperationen“, appelliert Schindler an die Branchenkollegen. Am kommenden Montag ist dazu Gelegenheit: Da laden die Initiatoren Unternehmer, Berufsausbilder und Politik zum Gesprächsforum nach Boizenburg ein. Mit dabei Regierungschef Erwin Sellering (SPD), der das Thema zur Chefsache erklärt hatte. „Wir müssen unsere Produkte den Ernährungsgewohnheiten der immer älter werdenden Menschen anpassen“, betont Schindler. „Dazu braucht es begleitende Forschung sowie die Kompetenz, Ergebnisse in die Praxis zu überführen.“

Vielleicht der richtige Zeitpunkt. Gestern kam aus Neubrandenburg die Nachricht, dass sich die Vier-Tore-Stadt nach 18 Jahren aus der Co-Finanzierung des Zentrums für Lebensmitteltechnologie (ZLT) zurückzieht. Nach Auffassung der Abgeordneten ist es nicht Aufgabe einer Stadt, Forschung und Entwicklung der Lebensmittelbranche zu finanzieren. Die Einrichtung war seinerzeit mit rund fünf Millionen Euro öffentlich gefördert worden. ZLT-Betreiber ist eine gemeinnützige GmbH, an der die Hochschule Neubrandenburg mit 25, die Stadt mit 75 Prozent beteiligt ist.

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