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Fußballrandale in Rostock : Ermittlungen wegen versuchten Totschlags

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Hansa Ruf in Fußball-Deutschland ist sehr schlecht, eine Folge von gewaltbereiten Fans oder Hooligans. Nun wird einem Mann aus dem Hansa-Umfeld versuchter Totschlag vorgeworfen - deutschlandweit ein seltener Vorwurf.

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2015 | 18:14 Uhr

Nach einem Steinwurf gegen einen Polizisten nach dem Spiel des FC Hansa Rostock gegen Dynamo Dresden ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ein 32-jährigen Mann. Ihm werde neben gefährlicher Körperverletzung auch versuchter Totschlag vorgeworfen, dies sei deutschlandweit ein seltener Vorwurf im Zusammenhang mit Fußballkrawallen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Holger Schütt, am Freitag in Rostock. Der als nautischer Offizier tätige Mann sei einschlägig vorbestraft.

Der Mann habe sich auf dem Stadiongelände vermummt aus einer Masse von Gewalttätern heraus Polizisten genähert und einen würfelartigen Stein mit einer Kantenlänge von etwa zehn Zentimetern geworfen. Ein Polizist wurde erheblich verletzt. „Wer aus einer Entfernung von wenigen Metern einen solchen Stein auf einen Menschen wirft, nimmt dessen Tod in Kauf“, sagte Schütt. Der Mann sei nach Auswertung umfangreichen Videomaterials ermittelt worden und sitze seit Dezember in Untersuchungshaft. Er habe die Tat nicht gestanden.

Wie der Chef der Polizeiinspektion Rostock, Michael Ebert, berichtete, wurden 2014 im Zusammenhang mit Straftaten rund um Fußball 383 Strafverfahren eingeleitet, davon im Stadionbereich von Hansa Rostock 189. „Das sind Menschen aus der Gesellschaft, die den Ruf des Vereins, der Stadt und des Landes schädigen.“

Constanze Steinke vom Hansa-Vorstand betonte, dass der Verein jede Art von Gewalt, Fremdenhass oder Pyrotechnik ablehne. Sie bezeichnete die Zusammenarbeit mit der Polizei als sehr eng. Auch Ebert lobte die Kooperation, gleichzeitig gebe es in vielen Themen unterschiedliche Ansätze und Sichtweisen. „Das Problem ist vielschichtig.“ Von großer Bedeutung bei der Verfolgung der Straftäter sei die Videotechnik. „Wir können sie damit aus der Anonymität holen.“ Mit mehreren Kameras werden die mutmaßlichen Täter permanent beobachtet, um sie im Falle von Straftaten trotz Vermummung verfolgen zu können, sagte Ebert. So konnten beim Heimspiel gegen den Halleschen FC 150 Tatverdächtige ermittelt und teilweise vor Gericht gestellt werden. „Von dieser Personenkenntnis leben wir heute noch.“ Nach Worten von Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) machen Staatsanwaltschaft und Polizei deutlich, dass konsequent gehandelt wird. Statistisch gesehen werde von der Staatsanwaltschaft Rostock täglich ein Verfahren im Zusammenhang mit Fußballspielen erledigt.

Die Hälfte aller Verfahren ende mit Sanktionen. Wichtig sei, dass auch Hansa Rostock seiner Verantwortung nachkommt. „Ich begrüße die Kooperation des Vereins mit der Jugendanstalt Neustrelitz.“ Hier treffe der Verein auf gewaltbereite Jugendliche und könne so über den Sport pädagogisch resozialisierend wirken.

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