Neonazi-Terror : Ermittler ignorieren Spur im Rostocker Mordfall

Demonstranten erinnerten im vergangenen November in Rostock an die Opfer der Mordserie.  Foto: Archiv
Demonstranten erinnerten im vergangenen November in Rostock an die Opfer der Mordserie. Foto: Archiv

In der Neonazi-Mordserie haben die Ermittler offenbar einen Hinweis auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) übersehen - und zwar in Rostock. Dort ermordete das Trio einen Imbisshändler.

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08. Mai 2012, 09:05 Uhr

Schwerin | In der Neonazi-Mordserie haben die Ermittler offenbar frühzeitig einen Hinweis auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) übersehen - und zwar in Rostock. Dort ermordete das Trio am 25. Februar 2004 einen Imbisshändler. Auf der Imbissstand-Tür fand sich nach Informationen unserer Redaktion ein schwarzes N. Die Ermittler seien Bedeutung und Herkunft des Zeichens nicht nachgegangen, heißt es aus Kreisen des NSU-Bundestagsuntersuchungsausschusses. Die Behörden hätten bei einer Befragung im Ausschuss auch nicht erklären können, warum die Spur nicht verfolgt wurde. Das schwarze N soll sich ebenso auf rotem Grund in einem Dokument der Terrorzelle zu dem Mord in Dortmund am 4. April 2006 finden. Zumindest dann hätte ein Abgleich die wohl identische Form ans Tageslicht bringen können. Unklar ist bislang allerdings, ob das N auf der Imbisstür tatsächlich vom NSU stammt.

Der Mord in Rostock war der fünfte innerhalb der Serie von zehn - möglicherweise hätten zielgenauere Recherchen die Ermittler schon damals auf die Spur von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt führen können. "Es könnte ein sehr früher Hinweis der Terrorgruppe auf sich selbst gewesen sein. Oder überhaupt der erste", heißt es aus dem Untersuchungsausschuss.

Schon 1999 hatte offenbar der Verfassungsschutz in MV die Chance vertan, die Terrorzelle frühzeitig aufzuspüren: Wie berichtet, hat der Geheimdienst seinerzeit in Goldenbow bei Schwerin den damaligen NPD-Bundes-Vize Hans Günter Eisenecker observiert, der dort seine Anwaltskanzlei hatte. Eisenecker übernahm zu der Zeit die juristische Vertretung von Beate Zschäpe, die mit den beiden anderen abgetaucht war.

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