zur Navigation springen

Flugzeugabsturz vor 25 Jahren : Erinnerung an eine Klassenfahrt in den Tod

vom

Sie waren 20 Schüler der Schweriner Nils-Holgersson-Schule und starben bei einem der schwersten Flugzeugunglücke in der deutschen Geschichte: Am 12. Dezember 1986 stürzte ihre Maschine kurz vor der Landung ab.

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2011 | 07:02 Uhr

Schwerin | Im Foyer der Nils-Holgersson-Schule in Schwerin wird für die Weihnachtsaufführung geprobt. Grundschüler hopsen als Esel, Hund, Katze über die Bühne, die "Bremer Stadtmusikanten" werden gezeigt. Eine der Lehrerinnen - eine blonde Frau um die 50 Jahre - gibt Regieanweisungen. Doch ihre Gedanken schweifen in diesen Dezembertagen immer wieder zu 20 anderen Kindern, die sie einst unterrichtet hat. Sie starben bei einem der schwersten Flugzeugunglücke in der deutschen Geschichte: Vor 25 Jahren, am 12. Dezember 1986, stürzte ihre Maschine, eine sowjetische TU 134, kurz vor der Landung in Berlin-Schönefeld in ein Waldstück und fing Feuer.

Die Klasse 10a der Ernst-Schneller-Oberschule - so hieß die Schule zur DDR-Zeit - war auf dem Rückweg von einer Klassenfahrt ins heute weißrussische, damals sowjetische Minsk. "Ich kenne noch jedes Gesicht, jeden Namen der Jugendlichen", sagt die Lehrerin, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen möchte. Jedes Jahr im Dezember kommen die Erinnerungen an die Katastrophe wieder. "Die Trauer ist immer noch da", sagt ihre Kollegin. Die beiden sind die letzten Lehrerinnen an der Schule, die schon 1986 unterrichteten. "Man vergisst das nicht, es bleibt immer da", sagen sie.

Auch an die Geheimniskrämerei um die Unfallursache und den zum Teil unwürdigen Umgang staatlicher Stellen mit den Eltern erinnern sich die beiden, als wäre es gestern. So durften zur zentralen Trauerfeier nur handverlesene Gäste erscheinen, die Eltern der überlebenden Jugendlichen erst nach Beschwerden. Auch der Wunsch vieler Mütter und Väter nach einem gemeinsamen Begräbnisplatz für die jungen Toten wurde abgelehnt, erzählen sie. "Solche Sachen waren für die Eltern besonders schlimm."

Die sieben überlebenden Schüler, die bis zum Schulabschluss weiter zusammen unterrichtet wurden, hätten übereinstimmend eine andere Geschichte vom Unglückshergang erzählt als die Behörden, berichten die beiden Frauen. Etwa, dass die Maschine wegen des Nebels nach Prag umgeleitet wurde und die Klasse von dort eigentlich mit dem Zug nach Hause fahren wollte. Dafür bekam die Lehrerin der Klasse aber keine Genehmigung. Die Maschine startete bald darauf in Richtung Berlin und stürzte wenig später ab. "Das Unglück hätte vermieden werden können", sind sich die beiden Frauen sicher. Als Absturzursache gilt ein Pilotenfehler, aber nach wie vor halten sich auch Gerüchte, die Maschine habe technische Mängel gehabt.

Eine Gedenktafel erinnert seit einem Jahr an der Absturzstelle in Berlin-Bohnsdorf an die insgesamt 72 Opfer des Absturzes. Nur zehn Menschen überlebten damals das Unglück. In Schwerin gibt es bisher keinen Erinnerungsort. Der Schweriner Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Hacker (SPD) schlägt vor, an der Schule eine Tafel anzubringen. "Die Menschen, die damals auf so tragische Weise ums Leben gekommen sind, sollten nicht vergessen werden", sagt er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen