Faustoper „Margarethe“ Schwerin : Ergreifender Opernabend

Margarethe (Tijana Grujic) in der Kirche
Margarethe (Tijana Grujic) in der Kirche

Trotzdem gab es für die Faustoper „Margarethe“ von Charles Gounod im Großen Haus des Staatstheaters in Schwerin nur matten Applaus

svz.de von
15. Mai 2017, 12:00 Uhr

Am Freitagabend rundete Operndirektor Toni Burkhardt seine erste Spielzeit in Schwerin mit der Premiere der Faustoper „Margarethe“ von Charles Gounod ab, einer der vielgespielten großen romantischen Opern. Der Beifall im Großen Haus des Staatstheaters war am Ende nur mäßig. Warum?

Die Geschichte aus Goethes Faust I beginnt mit dem alten Faust, den der puerto-ricanische Tenor Lázaro Calderón überzeugend als schlurfenden, parkinsonkranken Mann darstellt. Sein Leben hat er damit vertan, Wissen wie einen Turm aus Büchern anzuhäufen. Nun bedauert er den versäumten Lebensgenuss.

Da erscheint Méphistophélès (Florian Kontschak). Weiß gekleidet wie der Opernchor (Kostüme von Udo Herbster), löst er sich aus dem Volk von der Straße wie einer von uns. Den Fortgang der Story kennen wir: der verjüngte Faust verführt Margarethe und verlässt sie. Als er sieht, dass die von ihm geschwängerte Margarethe ihr Kind getötet hat und nun im Kerker ihren eigenen Tod erwartet, reut ihn sein Verhalten, doch retten kann er sie nicht. Bei dem stark religiös orientierten Gounod geschieht die Rettung durch den auferstandenen Christus.

Das Weiß der Kostüme nimmt Bühnenbildner Wolfgang Kurima Rauschning auch für geometrisch einfach konstruierte Häuser und Zimmer auf. Der Text, mit dem Faust Margarethes Zimmer betritt, führt uns auf die Spur: „Ich grüße dich, du Ort der Unschuld“.

Das ist das Problem, um das der Regisseur seine Aufführung kreisen lässt: das Böse, das in uns selbst steckt, das sich mit „weißer Weste“ überzieht und nicht sehen lässt, was wir im Leben an Schuld, was die Menschheit an Ungeheuerlichkeiten unter dem Unschuldskleid mit sich herumträgt. Und wie ein reizvoller Punkt im allumfassenden Weiß liegt auf dem Tisch neben Margarethes Bett knallrot der Apfel der Verführung.

Das sind klare und wirkungsvolle Bilder, in denen Toni Burkhardt sich mitteilt. Warum allerdings die Walpurgisnacht so starr und unbewegt bleibt, erschließt sich nicht sogleich.

Die Staatskapelle unter der Leitung des 1. Kapellmeisters Gregor Rot schenkt den Zuhörern einen herrlichen Abend, voll schwelgenden Klanges und reich an schönen Melodien. Der stark präsente Chor in der Einstudierung von Ulrich Barthel singt kraftvoll und präzise.

Dazu bietet das Solistenensemble schöne Stimmen auf. Tijana Grujić ist eine ergreifend dramatisch sich entwickelnde Margarethe, der Koreaner Yoontaek Rhim mit großartigem Bariton deren Bruder Valentin. Souverän auch Florian Kontschak, während Calderón als Faust stimmlich zuweilen etwas blass blieb.

Ein Opernabend, den zu genießen sich lohnt!´

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