zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 16:14 Uhr

Erfolgsbranche im Schatten

vom

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2013 | 12:33 Uhr

Stell Dir vor, es ist Wahljahr, die Erfolgsbranche eines Bundeslandes startet in die Saison – und kein einziger Minister, schon gar kein Ministerpräsident lässt sich sehen. Das wäre für Politiker äußerst atypisch. Aber so ist es beim gestrigen Saisonstart der Tourismusbranche – veranstaltet vom Tourismusverband, dem Hotel- und Gaststätten- sowie dem Golfverband des Landes – geschehen. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) schickte einen Staatssekretär. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) lässt sich schon seit Jahren nicht sehen. Und dass Angela Merkel kommt, die ihren Wahlkreis zwar in Stralsund hat, das war mehr eine vage Hoffnung der Veranstalter, die ihren Saisonauftakt gezielt in die Stralsunder Brauerei legten. Sie kam nicht.


In der Branche sollte man sich Gedanken darüber machen, ob man auf dem Weg ist, die politische Lobby zu verlieren. Sieht man sich die Agenda der Landesminister in dieser Woche an, dann gibt es durchaus unwichtigere Anlässe, die sich die Spitzenpolitiker von CDU und SPD nicht entgehen lassen. Umso mehr gerät das Ignorieren des Saisonauftakts im Tourismus zum politischen Affront.
Einst galt die Branche mit 170 000 Beschäftigten, einem Umsatz bis zu sieben Milliarden Euro (laut Landes-Tourismuskonzeption) und einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von neun Prozent – so viel wie Bau- und Landwirtschaft zusammen – als die Boombranche schlechthin. Geht es darum, im Wettbewerb mit Bayern zu brillieren, dann sind die Väter des Erfolges zahlreich. Aber der Tourismus hat nicht nur eine Außenwirkung, sondern ist auch strukturerhaltend im Land selbst. Tourismus ist nicht exportierbar, seine Erfolge und seine Wertschöpfung bleiben im Land. Umso mehr gebührt der Branche Beachtung.


Aber es gibt auch Probleme, denen mancher Politiker in einem Wahljahr allzu gerne aus dem Wege gehen möchte. Hier tummeln sich die schwarzen Schafe in Sachen Mindestlohn. Die Senkung der Mehrwertsteuer durch die FDP hat dem Ansehen der Branche geschadet. Und es gibt Fragen zur Finanzierung des Tourismusmarketings. Der Veranstaltung kann man aus dem Weg gehen, den Problemen nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen