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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 17:18 Uhr

MV : Erdgasautos – die Exoten der Straße

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Stadtwerke haben fast 100 Prozent der Fahrzeugflotte auf Gas umgestellt / Verbreitung der Technologie vollzieht sich noch schleppend

von
erstellt am 25.Aug.2014 | 16:20 Uhr

Karl-Heinz Dobbertin ist  schon   von Berufs wegen überzeugter Erdgas-Fahrer. Der Dienst-Passat, mit dem der Geschäftsführer  der Stadtwerke Lübz unterwegs  ist, schluckt   viereinhalb bis fünf Kilogramm Erdgas pro 100 Kilometer, erzählt er. Kosten an der Tankstelle: rund fünf Euro. Auch privat schwört  der Lübzer  auf Erdgas, selbst  bei den Fahrten zu seinem Sohn, der in München lebt. Tankstellen an den Autobahnen    seien überhaupt kein Problem, dafür aber die  Tankkosten  nicht  zu toppen.

Der Fuhrpark der Lübzer Stadtwerke  tankt zu fast  hundert  Prozent  Erdgas.  „Einzig unsere großen Fahrzeuge haben wir noch nicht gewechselt“, sagt Dobbertin.  

Trotz Dominanz bei den  Stadtwerken gehören Erdgasfahrzeuge allerdings auf unseren Straßen   immer noch zu den Exoten. Weniger als 2000   sind nach einer Übersicht der Branche  in Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. Das ist gerade einmal 0,15 Prozent des gesamten Fahrzeugbestandes.

„Für mich ist  nicht nachvollziehbar, warum die Erdgasautos  nicht viel mehr boomen“, sagt Karl-Heinz Dobbertin.  Zumal  sein Unternehmen  schon 2004  in Lübz  Zeichen setzte: Mit der  Umrüstung des Fuhrparks einerseits,  mit  der Finanzierung einer Erdgastankstelle, die  in die  Raiffeisentankstelle integriert ist  und auch von ihr mitbetrieben   wird, andererseits.  

Auch in der Kreisstadt sind die Voraussetzungen gegeben. Die dortigen Stadtwerke haben ebenfalls eine   Tankstelle finanziert, die  Aral in der Ludwigsluster Chaussee betreibt.  Joachim Stark, Parchims  Leiter   für Netzbetrieb,  ist sich bewusst, dass sich damit kein Geld verdienen lässt. „Wir als Stadtwerke werden nach der Investition in die Tankstelle mit den geringen Margen niemals ,auf einen grünen Zweig’ kommen. Es war seinerzeit unsere Entscheidung  für die Energiewende“, betont er. Das klinge zwar abgedroschen, sei aber durch die Beimischung von Biogas wirklich der Fall.  „Es war eine Entscheidung für den Umweltschutz“, so Stark. Erdgas habe mit Abstand die geringsten Emissionen bei Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Stickstoffoxiden.

Auch beim  Energiegewinn   schlägt das Erdgasauto  die Konkurrenz um Längen.  „Ein Kilo Erdgas  entspricht  hier in etwa anderthalb Liter Super  Benzin“, erklärt  Karl-Heinz  Dobbertin, kommt aber nicht  umhin,  die          (momentan) mangelnde Wirtschaftlichkeit seiner „Tanke“ zu bedauern. „Zwar sind von Jahr  zu Jahr  mehr Ergasautos unterwegs. Von der Rentabilität sind  wir aber noch weit  entfernt.“

Erdgasfahrzeuge sind in der Anschaffung teurer als Benzin-Autos. Allerdings stehen dem die günstigen Betriebskosten entgegen. Auch die KFZ-Steuer   sei günstig – bei einem kleinen VW sind es  jährlich 20 Euro und bei Dobbertins  Gas-Passat  gerade einmal 28 Euro im Jahr.

Dass trotz des  Kostenvorteils nicht weit mehr Erdgasautos gekauft werden, ist aus der Sicht  von Joachim Stark nicht rational zu erklären. Argumente, die er gegen diese Technologie hört, seien meist aus der Luft gegriffen. Etwa, dass diese Autos mehr Instandhaltung benötigen. Dabei verbrenne Erdgas viel sauberer als Benzin und so seien keine zusätzlichen Wartungen nötig.

Entsprechende Zapfsäulen sind auch in unserer Region nicht übermäßig gesät. Erdgas tanken kann man  in  Parchim, Lübz, Neustadt-Glewe,   Schwerin, Pritzwalk, Malchow, Wittenberge. Keine Tankstelle gibt es aber beispielsweise in Ludwigslust.

 Die geringe Nachfrage  sei   der Grund, warum die Stadtwerke Ludwigslust-Grabow   keine Infrastruktur für Erdgasfahrzeuge schaffen werden, erfuhr SVZ. Wie Geschäftsführer Wulf-Peter Bosecke  erklärt, gebe es keinerlei Verpflichtung, sich an Förderprogrammen für Erdgasautos zu beteiligen.

 

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