Kulturforum Pampin : Er suchte Refugium und fand Herausforderung

Prof. Dr. Wolfgang Vogt holt Kunst und Künstler in die Region. Foto: Wolfried Pätzold
Prof. Dr. Wolfgang Vogt holt Kunst und Künstler in die Region. Foto: Wolfried Pätzold

Auf der Suche nach einem Refugium entdeckten der Hamburger Friedensforscher Prof. Dr. Wolfgang Vogt und seine Frau vor mehr als zehn Jahren ein leer stehendes Gehöft in Pampin. Hier fanden sie nicht nur den Rückzugsort.

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25. Mai 2012, 08:52 Uhr

Pampin | Auf der Suche nach einem Refugium entdeckten der Hamburger Friedensforscher Prof. Dr. Wolfgang Vogt und seine Frau Ortrun Venth-Vogt vor mehr als zehn Jahren ein leer stehendes Gehöft in Pampin nahe der Landesgrenze zu Brandenburg. Hier fanden sie nicht nur den Rückzugsort, sondern schufen mit dem Kulturforum Pampin eine Ideenschmiede, von der längst die ganze Region profitiert. An diesem Wochenende sind sie erneut Gastgeber für "Kunst offen" und präsentieren zwei hochkarätige Ausstellungen. SVZ-Redakteur Wolfried Pätzold stellt Prof. Dr. Wolfgang Vogt die 20 Fragen.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?

Das ist zur Zeit eindeutig der Skulpturenpark in Pampin auf der Bank unter dem Apfelbaum mit Blick auf die neu aufgestellte Skulptur von Rainer Fest, einem der herausragenden Bildhauer in M-V, die den Titel "JERICHO - oder irgendwo anders" trägt. Sie war schon im Anhalter Bahnhof und auf dem Alex in Berlin aufgestellt. Die Arbeit mutet, wie eine Besucherin aus Ludwigslust es formulierte, ein wenig wie eine verkleinerte Fassung von "Stonehenge" - der archaischen Kultstätte in Südengland - an. Sie besteht aus acht großen Gehwegplatten, die aus Granit sind und aus Berlin-Kreuzberg stammen. Ich freue mich jeden Tag aus Neue über diese neue Attraktion in unserem Skulpturenpark.

Wären Sie Bürgermeister, was würden sofort ändern?

Ich würde eine Reihe von Workshops zu den Themen Arbeit und Wirtschaft, Freizeit und Kultur, Sport und Gesundheit, Infrastruktur und Umwelt einberufen, um neue Ideen und umsetzbare Projekte von Experten/-innen entwickeln zu lassen und mit den Bürger/-innen der Stadt zu diskutieren. Wir brauchen in Parchim so etwas wie eine Aufbruchstimmung, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen und unsere gemeinsame Zukunft positiv zu gestalten. Wie ich weiß, denkt auch unser jetziger Bürgermeister über eine solche Veranstaltungsreihe nach.

Wo kann man Sie in der Region am ehesten antreffen?

Am ehesten unterwegs im Auto auf der B 191 zu neuen Terminen in Dömitz, Grabow, Ludwigslust, Neustadt-Glewe, Parchim, Lübz und Plau am See, weil ich zur Zeit versuche, eine engere Kooperation zwischen diesen Städten - die alle an der Elde oder dicht daneben liegen - auf den Weg zu bringen. Nach meinem Eindruck gurken diese kleinen Provinzstädte - wenn auch bemüht - jede für sich vor sich hin. Dadurch haben ihre Bemühungen eine sehr begrenzte Reichweite. Durch eine planvolle und zukunftsorientierte Planung könnte eine historisch, kulturell und landschaftlich sehr ansprechende Reiseroute entlang der Elde - von der Elbe bis zur Seenplatte - entstehen und Touristen aus ganz Deutschland und Europa angesprochen werden. Im Übrigen könnte ein solches Projekt die noch immer schwierige Zusammenarbeit zwischen den beiden Altkreisen Parchim und Ludwigslust befügeln. Eigentlich ein Projekt, das etwas für den neuen Landrat, Rolf Christiansen ist, der sich für eine identitätsstiftende Zusammenarbeit zwischen den beiden Altkreisen Parchim und Ludwigslust einsetzt.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Ich habe als Hafenarbeiter im Schichtdienst in Bremerhaven sauschwere Bananenstauden auf der Schulter vom Schiff in den Eisenbahnwagon geschleppt, um mir Geld für mein Studium zu verdienen. Besonders einträglich waren Anschluss-Schichten an Feiertagen - wie z.B. Pfingsten - weil es hierfür eine doppelte Bezahlung und Feiertagszuschläge gab.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Mein größter Wunsch war damals, mir eine schicke, silbergraue Sport-Vespa aus Italien leisten zu können. Natürlich mit Rücksitz für die damalige Freundin, um zum Baden an eine Baggerkuhle in der Nähe hinaus in die Natur fahren zu können. Der Kauf hat dann auch geklappt, doch die erste Fahrt endete in den Büschen - ich war offenkundig an diesem Tag zu sehr abgelenkt.

Was würden Sie gerne können?

Ich würde sehr gerne ein Instrument spielen können - und zwar Saxophon. Vielleicht habe ich in den nächsten Jahren etwas mehr Zeit, um mich bei der Kreismusikschule als später Schüler einzuschreiben und feststellen zu lassen, wie weit es mit meiner bisher nicht erprobten Musikalität her ist.

Was stört Sie an anderen?

Am meisten kann ich mich über Menschen erregen, die rücksichtslos nur ihre eigenen Interessen durchsetzen, nichts für die Entwicklung des Allgemeinwohls tun und sich dann noch über die Missstände und Fehlentwicklungen mit dem Fingerzeig auf die anderen beklagen.

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Gestern Abend hatten wir befreundete Künstler aus Berlin bei uns in Pampin zu Besuch, um über neue Projekte zu diskutieren und den schönen Sommerabend zu genießen. Beate Bendel, eine Malerin und Keramikerin, hat zu vorgerückter Stunde aus dem Stegreif irische Limmeriks vorgetragen, die ich wegen ihres eigensinnigen, skurrilen Humors sehr schätze. Einer ging so: "Es war ein Pfarrer aus Kamen, der machte gerad sein Fahrschulexamen, da überfuhr den Paster samt Auto ein Laster. So kommt man durch Laster um - AMEN.!"

Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?

Mir gestern Abend im Kreis der Freunde zu viel irischen Wiskey nachschenken zu lassen, obwohl am nächsten Tag der Endspurt für die Vernissage der Ausstellung von Rainer Fest angesagt war, die am Pfingstsonnabend stattfindet. Heute morgen fühlte sich mein Kopf doppelt so groß, leer und quadratisch an.

Wer ist Ihr persönlicher Held?

Meine Heldinnen und Helden sind die vielen Menschen, die das Leben anderer Menschen in extremen Situationen (Unfall, Feuer, Erdbeben, Chaos, Krieg) unter Gefährdung ihres eigenen Lebens zu schützen oder zu retten versuchen.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Den ersten Roman von James Joyce "Ein Porträt des Künstlers als junger Mann", durch den der begnadete Schriftsteller bekannt geworden ist. Dieser Roman ist nicht zuletzt als ein Kommentar von Joyce über seine eigene Entwicklung als Schriftsteller zu begreifen. Er ist für mich deutlich zugänglicher als seine späteren Werke ("Ulysses" oder "Finnegans Wake")

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Herausragende Fußballspiele - am liebsten wenn Borussia Dortmund spielt oder Bayern München nicht so dusselig gegen Chelsea verliert.

Wo trifft man Sie eher: Auf dem Sportplatz oder bei einer Sportübertragung vor dem Fernseher?

Beim Joggen durch die Ruhner Berge, die uns die letzte Eiszeit als eine sehr schöne Hügellandschaft zum Geschenk gemacht hat.

Wen würden Sie gerne mal treffen?

Den lieben Gott, aber das hat noch Zeit.

Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?

Gar nichts. Ich essen zwar mit Lust und Genuss, kann und mag aber nicht kochen. Die Küche ist für mich eine "No go area".

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?

Mit dem Song der kraftvollen Sängerin Adele "One and only" und in Gedanken an meine jetzige Frau.

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne, und von wem haben Sie es bekommen?

An ein sehr sensibles Bild, das mir meine Tochter Kristine zum letzten Geburtstag geschenkt hat.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Dass ich in fünfzehn Jahren noch die Kraft zum Träumen habe. Wenn Sie mich dann nochmals interviewen, dann verrate ich Ihnen meinen Traum.

Wo machen Sie am liebsten Urlaub?

In den Ländern rund um das Mittelmeer zusammen mit Freunden unterm Olivenbaum mit einem Glas Rotwein in der Hand, den Sonnenuntergang vor Augen und in der Nähe alter Kulturstätten, die man am nächsten Tag aufsuchen kann.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Britta und Carsten Kremke

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