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Mecklenburg-Vorpommern

14. Dezember 2017 | 09:26 Uhr

Er steigt und steigt und steigt...

vom

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erstellt am 08.Dez.2011 | 10:59 Uhr

Hamburg | Als der Barrel-Preis für Rohöl im Februar die 100-Dollar-Marke durchbrach, sahen die meisten Experten darin nur ein Strohfeuer. Doch sie haben sich geirrt: Hartnäckig verharrte der Preis das gesamte Jahr über im dreistelligen Bereich und stieg zeitweise über 120 Dollar. Zwar wurden die Rekordwerte von fast 150 Dollar aus dem Sommer 2008 nicht wieder erreicht. Doch damals folgte das Platzen der Preisblase, der Ölpreis drittelte sich. Das ist bislang nicht der Fall: 2011 wird das Jahr mit den höchsten durchschnittlichen Ölpreisen überhaupt, mit bitteren Konsequenzen für Autofahrer und Mieter.

Der ADAC hat errechnet, dass Autofahrer im Durchschnitt 1,52 Euro für einen Liter Superbenzin bezahlen müssen. Marktführer Aral kommt für sein Netz bis Oktober sogar auf mehr als 1,54 Euro. Im vergangenen Jahr waren es knapp über 1,41 Euro - also muss der Autofahrer durchschnittlich 13 Cent mehr für jeden Liter bezahlen.

Beim Diesel beträgt der Aufschlag zum Vorjahr sogar 19 Cent je Liter.

Der Durchschnittspreis im Aral-Netz für die ersten zehn Monate liegt hier bei knapp 1,42 Euro, nach 1,23 Euro im Jahr 2010.

Das macht sich richtig bemerkbar in der Geldbörse. Für einen durchschnittlichen Autofahrer mit einem Mittelklasse-Auto liegt die Mehrbelastung gegenüber dem Vorjahr bei mehr als 100 Euro. Und damit nicht genug: Heizöl kostet bis zu 90 Euro je 100 Liter, im Vorjahr waren es meistens 65 bis 70 Euro gewesen.

Mieter müssen sich auf kräftige Nachzahlungen einstellen, Hausbesitzer mit Ölheizung horrende Rechnungen ihres Heizölhändlers bezahlen. Und weil das Öl eine Art Leit-Energieträger ist, verteuern sich tendenziell ebenso Gas und Strom und sogar Holzpellets zum Heizen.

Linderung ist für die geplagten Verbraucher nicht in Sicht. "Das ist der langfristige Trend", sagt der Hamburger Ölexperte Steffen Bukold. "Die Ölpreise steigen seit sieben Jahren, abgesehen von dem Ausreißer 2008." Seit 2010 sei eine echte Verknappung an den Märkten zu beobachten. Die Lager in Asien, Europa und den USA liefen leer, zusätzlich habe die Krise in Libyen die Lage in diesem Jahr verschärft. "Der Markt ist sehr eng genäht. Jedes Öl, das gefördert wird, wird sofort verbraucht."

Freie Förderkapazitäten hat nur Saudi-Arabien, das aus innenpolitischen Gründen auf hohe Einnahmen angewiesen ist. "Ich glaube nicht, dass der Ölpreis noch einmal nachhaltig unter 100 Dollar fällt", sagt Bukold. Der Ausbau der Ölförderung und des Angebots halte mit der wachsenden Nachfrage nicht Schritt.

"Es sieht ganz so aus, dass die geopolitischen Unsicherheiten die Ölpreise weiter hoch halten werden", sagt auch Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID in Hamburg. Dies mache angesichts der schwächelnden Konjunktur und der Finanzkrise besonders Europa zu schaffen. Für Ölimporte muss Europa in diesem Jahr 400 Milliarden Dollar bezahlen, nach 280 Milliarden Dollar im Vorjahr. Ein Teil davon kommt dank Aufträgen aus Russland und der Golfregion wieder zurück. Doch die Nachfrage der privaten Haushalte wird durch den Entzug von Kaufkraft geschwächt.

Allerdings sind die Benzinpreise nach Wieks Ansicht keineswegs überhöht, auch nicht beim Diesel: "Am Rotterdamer Markt wird seit Wochen mehr für Diesel bezahlt als für Benzin", sagt der Experte.

"Diese Situation ist nicht ungewöhnlich und tritt immer dann auf, wenn die winterliche Nachfrage nach Heizöl und Diesel auf ein knappes Angebot trifft." In ganz Europa sei Diesel ohne Steuern teurer als Benzin. Der ADAC hält dagegen Diesel für deutlich überteuert und wirft den Ölkonzernen einen tiefen Griff in die Taschen der Autofahrer vor.

Im europäischen Vergleich steht Deutschland nicht einmal schlecht da. Ohne Steuern liegt der Benzinpreis auf Platz 24 von 27 Ländern, beim Diesel ist es Platz 17 und damit immer noch die untere Tabellenhälfte. Tatsache ist aber auch, dass die Raffinerien in Deutschland gegenwärtig mit der Produktion von Dieselkraftstoff gut verdienen.

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