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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 15:29 Uhr

"Er ist ein Menschenfischer“

vom

svz.de von
erstellt am 19.Mär.2012 | 05:40 Uhr

Über die Erwartungen an den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck sprach Andreas Herholz mit Professor Gerd Langguth, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn.

Ist der neue Bundespräsident Joachim Gauck eine gute Wahl? Und was ist von seiner Präsidentschaft zu erwarten?

Gerd Langguth: Joachim Gauck ist eine gute Wahl. Er genießt großes Vertrauen und eine breite Unterstützung in der Bevölkerung. Er wird sehr schnell die Sympathien der Menschen in Deutschland erobern.

Seine Kritiker werfen ihm vor, er habe nur das Thema Freiheit und vertrete zudem einen sehr verengten Freiheitsbegriff. Ein Handicap?

Er wird sein Spektrum sicher verbreitern. Aber es ist schon erstaunlich, dass es diese Vorwürfe nicht bereits vor zwei Jahren bei seiner ersten Kandidatur gegeben hat.

Ist das Amt durch die Affäre von Christian Wulff und seinem unfreiwilligen Rücktritt beschädigt?

Nein. Es lebt sehr stark von den Personen, die es innehaben. Joachim Gauck wird dem Amt des Bundespräsidenten sehr schnell die Würde wieder zurückgeben.

Wird man sich an dem pastoralen Ton seiner Reden womöglich sehr schnell satt hören?

Das kann gut sein. Das Pastorale hat bei ihm ein sehr starkes Gewicht. Es gibt bereits Stimmen, unter anderem aus der SPD, denen das schon zuviel ist. Jeder Redner, jeder Präsident hat seine Eigenheiten. Das Pastorale kommt bei vielen gut an. Joachim Gauck ist nah bei den Menschen. Er ist ein Menschenfischer. Er könnte ein echter Bürgerpräsident werden.

Könnte Gauck ein unbequemer Partner für die Kanzlerin werden, die sich zunächst gegen ihn ausgesprochen hat?

Das glaube ich nicht. Auch wenn Merkel nicht für ihn war, so ist das Verhältnis zwischen beiden doch gut. Sie werden vernünftig miteinander auskommen. Er wird bessere Reden halten, er ist intuitiv-emotional, sie intuitiv-rational. Das ergänzt sich.

Gauck ist kein Parteipolitiker. Ist das von Vorteil oder von Nachteil?


Es ist bei den täglichen Amtsgeschäften ein nicht zu unterschätzender Nachteil, aber bei der Bevölkerung ein großer Vorteil.
Und politische Erfahrungen hat er schon: Er war immerhin in der letzten Volkskammer der DDR und gleich zehn Jahre lang Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde.

Bei jeder Wahl eines Bundespräsidenten wird über die Zukunft des Amtes debattiert. Die einen fordern mehr Macht für das Staatsoberhaupt und eine Direktwahl durch das Volk, die anderen würden das Amt lieber abschaffen.

Das Amt des Bundespräsidenten und die Wahl durch die Bundesversammlung haben sich bewährt. Wenn einmal etwas schief läuft, wird sehr schnell alles in Frage gestellt. Ich sehe keinen Änderungsbedarf.


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