Bis zu 125 Euro im Monat : Entlastung für Pflegende schwer gemacht?

Einfach mal die Hand halten: Pflegebedürftige brauchen viel Zuwendung.
Einfach mal die Hand halten: Pflegebedürftige brauchen viel Zuwendung.

Nachbarschaftshilfe bei Pflegebedürftigen wird bislang nicht vergütet. Entsprechende Landesverordnung soll noch 2018 geändert werden

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09. März 2018, 05:00 Uhr

Der Appell von Sozialministerin Stefanie Drese (SPD), nicht auf Entlastungsleistungen zu verzichten, die allen zu Hause betreuten Pflegebedürftigen seit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II Anfang 2017 zustehen, war ganz bestimmt gut gemeint. Rund 70 Prozent der Anspruchsberechtigten würden auf die monatlich 125 Euro von der Pflegekasse verzichten, hatte die Ministerin vor einigen Tagen beklagt – und Behörden sowie Kassen zu einer intensiveren Bewerbung des Entlastungsbeitrags geraten.

Tatsächlich aber ist es nur eine Seite der Medaille, dass, wie die Ministerin vermutet, längst noch nicht alle Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen den Anspruch auf Entlastungsleistungen kennen. Vielmehr fehlt es schlicht an entsprechenden Leistungserbringern, wie uns eine Reihe von Lesern mitteilten. Pflegedienste und Sozialstationen würden die Hände heben, weil sie so schon nicht wüssten, wie sie alle Pflege-Aufträge abarbeiten sollen. Dazu kommt: Bei Stundensätzen der professionellen Anbieter von um die 30 Euro würde das zusätzliche Geld von der Pflegekasse gerade einmal für vier Stunden Entlastung im Monat reichen.

In vielen Fällen würden Pflegebedürftige und ihre Angehörigen die 125 Euro aber auch gar nicht an Profis, sondern zum Beispiel an den hilfsbereiten Nachbarn zahlen wollen, der eine Fahrt zum Arzt übernimmt oder der sich um einen Demenzkranken kümmert, während dessen Frau zum Frisör geht. In Sachsen beispielsweise ist das möglich. In MV lässt es die Betreuungangebotelandesverordnung allerdings nicht zu, rügten Leser.

>> Hier können Sie eine Liste anerkannter Entlastungsangebote in MV downloaden (Quelle: LAGuS MV; Stand 8.2.2018)

Doch das soll sich noch in diesem Jahr ändern, erklärte der Sprecher des Sozialministeriums, Alexander Kujat: „Im Rahmen der im Laufe dieses Jahres vorgesehenen Änderung der Betreuungsangebotelandesverordnung sollen maßgeblich Regelungen für die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe als ein weiteres niedrigschwelliges Angebot aufgenommen werden.“ Neben den derzeit 108 durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales anerkannten professionellen Entlastungsangeboten sollen so weitere Möglichkeiten geschaffen werden, Pflegepersonen zu entlasten und Pflegebedürftige besser zu versorgen. Mit der Rechtsänderung werde zudem dem Umstand Rechnung getragen, dass sich die Pflege durch Angehörige durch sich verändernde Rahmenbedingungen weiter erschweren wird, so der Ministeriumssprecher.

Vorgesehen ist, dass ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer sich in einem achtstündigen Kurs für diese Tätigkeit schulen und bei den Pflegekassen registrieren lassen müssen. Sie dürfen nicht mehr als zwei Pflegebedürftige gleichzeitig betreuen und maximal 25 Stunden monatlich mit einem Stundensatz von höchsten acht Euro abrechnen. So sei gewährleistet, dass ein Betrag in Höhe von 2400 Euro jährlich nicht überschritten wird, betont Alexander Kujat.

Nachbarschaftshelfer sollen insbesondere solche Leistungen erbringen, die Pflegebedürftige im Rahmen der selbstständigen Haushaltsführung sowie bei der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel die Begleitung zu Arzt- und Behördengängen, Unterstützung in Haus und Garten sowie bei der Wäschepflege, Einkaufshilfen, vorlesen oder spazieren gehen.

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