zur Navigation springen

Dreister Tierklau in Greifswald : Entführtes Äffchen in Gefahr

vom
Aus der Onlineredaktion

Unbekannte stehlen Lisztaffen aus dem Tierpark in Greifswald. Tierpfleger bittet um anonyme Rückgabe

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2017 | 20:55 Uhr

Ein Papagei verriet ein Verbrechen im Greifswalder Tierpark. Die grüne „Blaustirnamazone“ saß am Dienstag auf einem Ast und krächzte vor sich hin, als eine Gassigängerin sie entdeckte. Die Anwohnerin wusste, dass das Tier normalerweise in einem Gehege des örtlichen Tierparks lebte, der zurzeit wegen der Vogelgrippe geschlossen ist. Sie benachrichtigte Cheftierpfleger Frank Tetzlaff per E-Mail über den Fluchtversuch. Tetzlaff schaute sich umgehend das Gehege des Papageien an und entdeckte gegen 8 Uhr früh ein aufgeschnittenes Gitter. Täter hatten sich mit Gewalt Zugang zu dem Außengehege verschafft. Doch nicht der Papagei war der Grund des Einbruchs: ein Lisztäffchen war verschwunden.

Den Papagei fingen die Pfleger wieder ein, doch einer der fünf Affen wurde entführt. „Lisztaffen leben ausschließlich in Gruppen zusammen und sind standorttreu. Ein einzelnes Tier würde nicht wegrennen“, so Tierpfleger Tetzlaff.

Dem gestohlenen Lisztäffchen droht Gefahr. Das Tier benötigt spezielles Futter, damit es überleben kann. Die Affen leben außerdem in engen Gruppen zusammen und brauchen ihre Artgenossen. „Ohne Futter und die Gruppe könnte der Lisztaffe schnell eingehen. Wir bitten die Täter daher, das Tier so schnell wie möglich zurückzugeben. Wenn nötig auch anonym in einem Karton vor unserer Tür“, so Tetzlaff.

Um zu den Affen zu gelangen, arbeiteten sich die Entführer über das Außengehege zum Gebäude vor. Sie kletterten über einen Zaun auf das Tierparkgelände und zerlegten daraufhin mit einem Seitenschneider das Außengitter. Danach brachen sie die Tür zum Gehege der Affen auf. „Die Einbrecher überraschten die Tiere im Schlaf, deswegen konnten sie sich eines der Männchen schnappen. Ansonsten ist es äußerst schwer, einen Lisztaffen einzufangen“, sagt Tetzlaff.

Lisztaffen sind von kleiner Statur und nach dem berühmten Komponisten Franz Liszt benannt. Nicht wegen ihrer Körpergröße von maximal 30 Zentimetern, sondern wegen ihrer weißen Haarpracht. Was der oder die Täter nicht ahnten: Die Äffchen verteidigen aggressiv ihre Gruppe. „Sie schreien, sie springen umher und beißen zu“, so Tetzlaff.

Die Täter dürften daher nicht nur wegen der 25 Grad warmen Anlage ins Schwitzen gekommen sein. Nicht weit vom Affengehege entfernt fanden Mitarbeiter neben dem Werkzeug auch Gummihandschuhe. „Es war die beherzte Verteidigung der fünf Männchen, derentwegen die Täter nur ein Tier stehlen konnten und die Entführung panisch abbrachen. Dafür sprechen auch die dilettantisch zurückgelassenen Werkzeuge“ vermutet der Tierpfleger.

Hinweise aus der Bevölkerung zum Affenklau können an jede Polizeiinspektion abgegeben werden. „Der Affe wird vermutlich viel kreischen, weil er nach seinen Artgenossen ruft“, erklärt Frank Tetzlaff.

Ein vergleichbarer Fall ist in den Zoos und Tierparks Mecklenburg-Vorpommerns nicht bekannt. Traurige Berühmtheit erlangte ein im Februar entführter Pinguin aus dem Mannheimer Zoo, der Tage später tot gefunden wurde. In den 90er-Jahren war in Greifswald Vandalismus ein Problem. Ein blutiger Vorfall, bei dem Hundebesitzer ihre Tiere in einen Meerschweinchen-Stall setzten, sorgte damals für Aufregung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen