Weihnachten in der JVA : Ente und Rote Grütze hinter Gittern

Festlich geschmückt: der Weihnachtsbaum in Bützow
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Festlich geschmückt: der Weihnachtsbaum in Bützow

Für viele der 1300 Gefangenen in MV gibt es Weihnachtsgeschenke aus Spenden- Pakete sind nicht erlaubt.

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17. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Von den 1300 Gefangenen in MV können in diesem Jahr 27 das Weihnachtsfest komplett zuhause verbringen. 2013 wurden so viele Anträge auf Weihnachtsbegnadigung bewilligt wie seit drei Jahren nicht mehr. „Bei diesen Inhaftierten gehen wir davon aus, dass sie die vorzeitige Entlassung dafür nutzen, um auf die richtige Bahn des Lebens zurückzukehren. Sie haben jetzt Zeit, ihre Behördengänge zu absolvieren, um zum Weihnachtsfest im Kreise der Familie dankbar den Weg in eine straffreie Zukunft zu feiern“, sagte Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU). Weihnachtsgnade bekommen aber auch nur jene Gefangene, die nicht so lange einsitzen, sich in der Zeit nichts zu Schulden kommen ließen und bis zum 2. Januar sowieso regulär entlassen worden wären.

Für die verbliebenen Inhaftierten wird es dennoch auch ein Weihnachtsfest geben. Allerdings hinter Gittern. In der JVA Bützow sitzen 440 Menschen, in der JVA Waldeck 280. Wie jedes Jahr wurden die Anstalten mit Lichterbäumen geschmückt. Viele Gefangene haben Plätzchen gebacken und Schmuck gebastelt. Die Bediensteten haben Weihnachtsveranstaltungen organisiert. Die Besuchszeiten wurden etwas gelockert. Dank Spenden werden fast überall Geschenke verteilt. In Stralsund hat der Verein zur Betreuung Straffälliger „Neuer Weg“ 600 Euro für kleine Geschenke gespendet. Mitgebracht werden dürfen Geschenke jedoch nicht, können aber in der Haftanstalt im Wert von 20 Euro gekauft werden. „Mir ist wichtig, dass diese Gesten von den Gefangenen genutzt werden, um sich zu besinnen. Für die Strafgefangenen ist das eine Gelegenheit, sich noch einmal intensiv mit ihrer Tat auseinanderzusetzen, denn es ist schon schlimm, zu Weihnachten von Angehörigen und Freunden getrennt zu sein“, sagte Justizministerin Kuder.

Eine Neuerung gibt es allerdings bei den Paketen. Pakete, die mit Nahrungs- und Genussmitteln gefüllt sind, wurden dieses Jahr verboten. Grund: Das Risiko, dass mit Nahrungs- und Genussmitteln verbotene Substanzen eingeschmuggelt werden, ist zu hoch, so ein Sprecher. Der Aufwand nach der Feile im Stollen zu suchen sei einfach zu hoch. Mit Inkrafttreten des Strafvollzugsgesetzes des Landes MV am 1. Juni wurden Päckchen verboten. Im normalen Vollzug werden Pakete im Beisein des Gefangenen geöffnet und kontrolliert. Essen, Getränke und Genussmittel können ohnehin in der Anstalt gekauft werden. In der JVA Bützow können Angehörige kleine Aufmerksamkeiten während der Besuchszeit für Inhaftierte kaufen.

In nahezu allen Anstalten gibt es zum Heiligabend Kartoffelsalat und Bockwurst. Es folgen Entenkeule mit Kartoffelklöße und Rotkohl sowie gefüllter Mecklenburger Rippenbraten mit Salzkartoffeln an den Weihnachtstagen in der Haftanstalt Waldeck. Entenkeule mit Rotkohl und Klößen sowie Wildgulasch mit Waldpilzen werden es in der Gefängnis in Bützow sein. In Stralsund ist geschmorte Kaninchenkeule, Rosenkohl, Kartoffeln und Rote Grütze geplant. Die Jugendanstalt in Neustrelitz wird Hähnchenkeulen und Wildgulasch an den Feiertagen austeilen. Darüber hinaus bekommt jeder Jugendliche eine Weihnachtstüte mit Schokolode, Lebkuchen, Apfel und Orangen.

Zu Weihnachten gehören auch Gottesdienste. In der JVA Bützow sind sieben Gottesdienste angesetzt, zwei allein an Heiligabend. In der JVA Waldeck werden am 22. Dezember zwei Gottesdienste abgehalten. Aber mehr noch. In der Jugendanstalt Neustrelitz wurde seit dem Frühjahr das Highlight des Jahres vorbereitet: Das Krippenspiel. „Die Weihnachtsgeschichte“ wurde prominent unterstützt vom Berliner Regisseur und Schauspieler Patric Tavanti. Ihm zur Seite stand Theaterpädagogin Almut Staude. Die Generalprobe ist unter anderem vor Angehörigen der jungen Gefangenen am vierten Advent. Am 23. Dezember ist dann Premiere.

Justizministerin Kuder dankte auch den 800 Mitarbeitern im Justizvollzug in MV für ihren Einsatz. „Die Arbeit mit den Gefangenen ist eine der wichtigsten überhaupt. Sie sorgen für die Sicherheit der Bevölkerung“, sagte Ministerin Kuder.


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