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Brandenburger Kartellbehörden ermitteln : Energieversorger im Visier

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Bei den Preisen für Fernwärme gibt es erhebliche Unterschiede im Land. Zudem haben viele Versorger diese zuletzt deutlich angezogen. Die Kartellbehörden haben nun Ermittlungen eingeleitet.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 08:31 Uhr

Frankfurt/Pritzwalk | Bei den Preisen für Fernwärme gibt es erhebliche Unterschiede im Land. Zudem haben viele Versorger diese zuletzt deutlich angezogen. Die Kartellbehörden haben nun Ermittlungen eingeleitet.

Die großen Preisunterschiede lassen sich in einer aktuellen Datenbank des Landesverbandes der Wohnungsunternehmen BBU ablesen. Die für ein Mehrfamilienhaus modellhaft errechneten Kosten für eine Megawattstunde bewegen sich zwischen 84 Euro und 133 Euro. Hinzu kamen teils drastische Erhöhungen zwischen den Jahren 2011 und 2012. Preissenkungen gab es nur in wenigen Kommunen.

Bundeskartellamt ermittelt gegen sieben Anbieter

"Wir wollen mit dem Vergleich Transparenz herstellen", sagt BBU-Sprecher David Eberhardt. Die Wärmeversorgung sei oft in der Hand monopolistischer Anbieter. Dazu gebe es vor Ort nur wenige Alternativen. Hinzu kommt: Die Einsparpotenziale seien bereits ausgereizt. "Energie muss für Mieter bezahlbar bleiben", kritisiert Eberhard die hohen Kosten. Die gewaltigen Unterschiede bei den Tarifen haben nun das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Seit Frühjahr ermittelt die Behörde bundesweit gegen sieben Anbieter, darunter die Danpower Energie Service aus Potsdam. Die Verfahren sollen auch dazu führen, "dass Bewegung in den Markt kommt", sagt Sprecher Kay Weidner. Laut Kartellamt werden in Deutschland rund fünf Millionen Haushalte mit Fernwärme versorgt - vor allem in Ostdeutschland. Auch die brandenburgische Kartellbehörde plant nach 2009 eine weitere Untersuchung des Marktes, die nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bis Jahresende starten soll. Im Ergebnis der Recherche vor vier Jahren wurde ein Verfahren gegen ein Stadtwerk eingeleitet. Es senkte daraufhin deutlich die Preise, und wurde im Gegenzug öffentlich nicht genannt.

Die Stadtverwaltung Beeskow, wo Fernwärme landesweit am teuersten ist, verwies auf längerfristige Verträge mit einem privaten Betreiber, der Energie in einer Biogasanlage produziert. "Wir wollten diesen ökologischen Aspekt", sagt Amtsleiter Steffen Schulze. Die Kosten seien an die Entwicklung des Gaspreises gekoppelt. Die Stadtwerke Pritzwalk, die laut BBU-Tabelle die Preise binnen Jahresfrist um 44 Prozent auf 130 Euro angezogen haben, wollten die Erhebung nicht kommentieren.

Die Preise könne man nicht so einfach vergleichen, sagt Helmut Preuße, Vorsitzender des Landesverbandes Kommunaler Unternehmen. Es gebe unterschiedliche Vertriebsmodelle sowie unterschiedliche Energieträger. Langfristig rechnen sich aus seiner Sicht gemeinschaftliche Fernwärme-Anlagen - auch wenn die Versorger seit der Wende bereits zweimal in die Anlagen investieren mussten.

Kritik kommt von Verbraucherschützern sowie vom Deutschen Mieterbund (DMB). Oft gebe es schon Fehler bei der Kalkulation der Grundpreise, sagt Sepp Träthner, Vizelandesvorsitzender des DMB. "Mieter können kaum Einfluss nehmen."

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