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Nabu gegen Offshore-Windkraft : „Energiepolitischer Wildwuchs“

vom

Mit dem Nabu spricht sich erstmals ein Umweltverband gegen küstennahe Offshore-Anlagen aus. Das Land plane im Alleingang an den EEG-Zielen vorbei.

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erstellt am 18.Jan.2015 | 19:13 Uhr

Die Reihe der Kritiker an den Ausbauplänen des Landes zur Windkraft wird länger. Mit dem Nabu spricht sich erstmals ein Umweltverband gegen küstennahe Offshore-Anlagen aus. Das Land plane im Alleingang an den EEG-Zielen vorbei.

Der Umweltverband Nabu hat vor einem ungezügelten Ausbau der Offshore-Windkraft in der deutschen Ostsee gewarnt. Besonders kritisch sieht der Umweltverband die Pläne des Landes zum Bau von Offshore-Anlagen in küstennahen Gewässern.„Mecklenburg-Vorpommern plant gerade für sich an den Zielen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes vorbei“, sagte der Leiter Meeresschutz des Nabu, Kim Detloff, der Deutschen Presse-Agentur. Das Land verfolge einen Alleingang, der energiepolitisch und naturschutzfachlich nicht durchdacht sei und auch  nicht koordiniert sei mit den bundespolitischen Ausbauzielen. „Das ist energiepolitischer Wildwuchs.“ Nach Auffassung des Nabu, der grundsätzlich den Ausbau der erneuerbaren Energie begrüßt, sind die EEG-Vorgaben von 6,5 Gigawatt Offshore-Strom bis 2020 und 15 Gigawatt bis 2030 ohne küstennahe Anlagen zu erreichen. Bereits jetzt seien mehr Projekte für die Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) in Nordsee und Ostsee in der Pipeline, als zur Erfüllung der EEG-Ziele notwendig. „Es muss zu einer Bereinigung kommen“, forderte Detloff.

Ein Bau von küstennahen Anlagen wäre nur sinnvoll, wenn man im Gegenzug kritische Standorte in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen aus den Planungen nimmt. Allerdings nur, wenn es dafür naturschutzfachlich geeignete Küstenräume gebe. Zudem sieht der Verband ein weiteres Problem: Die Ostsee sei im Vergleich zur Nordsee klein, ökologisch sehr sensibel und durch den Schiffsverkehr bereits stark belastet.

Die Landesregierung treibt die Planungen zum Ausbau der Windenergie gegen wachsenden Widerstand voran. Tourismuswirtschaft und Bürgerinitiativen kritisieren das neue Landesraumentwicklungsprogramm, dem zufolge unter anderem bis zu sechs Kilometer vor der Küste Offshore-Windparks entstehen dürfen.„Nach Meinung des Nabu verbietet sich der großflächige Ausbau der Offshore-Windkraft in der Ostsee aus naturschutzfachlichen, raumplanerischen, aber auch energiepolitischen und wirtschaftlichen Gründen“, heißt es in der Stellungnahme des Nabu zum Entwicklungsprogramm.

Auch den vom Land geplanten Onshore-Ausbau der Windenergie kritisiert der Nabu als zum Bedarf „überdimensioniert“. Es sei nicht zielführend, die Windenergie als einzig heilbringende Energiequelle anzusehen und über alle anderen alternativen Energieformen und raumplanerischen Zielsetzungen zu stellen, schreibt der Verband in seiner Stellungnahme zum Landesprogramm.

Problematisch sind die küstennahen Anlagen nach Auffassung des Nabu vor allem für den Vogelzug. Vögel orientierten sich an Küstenlinien. Viele Arten hätten in den Küstenbereichen wichtige Rastgebiete, sagte Detloff. „Wenn man dort einen Riegel durch große Windkraftanlagen aufbaut, dann behindert man den Nord-Süd- und Ost-Westzug der Vögel“, sagte der Meerschutz-Experte. Die Risiken wie massenhafte Kollisionen oder Änderungen der Vogelzuglinien seien bislang nicht absehbar.

Zudem wirkten Baulärm in nahegelegene Flora-Fauna-Habitat-Gebiete hinein. Nicht nur Meeressäuger sondern auch Fisch reagierten schallempfindlich auf den Baulärm.Verständnis zeigte Detloff für die Tourismusbranche, die wirtschaftliche Einbußen durch den Ausbau der Windkraft befürchtet. Der Erhalt des Landschaftsbildes stehe in der Argumentation des Umweltverbandes nicht an erster Stelle, sei aber auch im Bundesnaturschutzgesetz verankert.

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