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Energiekosten: Viele Haushalte in Bedrängnis

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erstellt am 18.Mär.2012 | 07:16 Uhr

Potsdam | Energie sparen ist nicht nur der Umwelt zuliebe in den vergangenen Jahren ein wichtiges Thema geworden. Angesichts ständig steigender Preise, haben gerade Geringverdiener mit ihren Strom- und Gasrechnungen zu kämpfen. Immer öfter drohen sogar Sperrungen. "Die Zahl der Anfragen zum Thema Energie ist in den vergangenen drei bis vier Jahren unheimlich in die Höhe gegangen", sagt Evelyn Dahme, Sprecherin der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. Laut Statistikamt in Potsdam sind die Preise für Gas und Strom in 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 und rund sechs Prozent gestiegen.

Derzeit gibt es nach Auskunft der Potsdamer Stadtwerke etwa 500 Stromsperrungen in der Landeshauptstadt. Auch bei der EnviaM, Ostdeutschlands größtem Energielieferanten, fallen die säumigen Zahler auf. Im vergangenen Jahr habe man rund 8000 der 1,2 Millionen Privat- und Gewerbekunden den Strom sperren müssen, heißt es. Dies seien etwa 1800 mehr gewesen als in 2010. Die Zahl der monatlich verschickten Mahnungen sei indes konstant bei 59 000 geblieben. Welchen Anteil brandenburgische Haushalte und Firmen daran hatten, kann Sprecher Stefan Buscher nicht angeben.

Wird die Rechnung nicht bezahlt, flattern laut Buschner eine Zahlungserinnerung, Mahnungen und Sperrandrohungen ins Haus. Bis zur Sperrung vergingen in der Regel 65 Tage - nach Meinung der enviaM genügend Zeit, um sich Hilfe vom Sozialamt, Jobcenter oder der Schuldnerberatung zu holen. Auch gebe es "die Möglichkeit, mit uns eine Ratenzahlung zu vereinbaren."

Ganz so einfach sieht Peter Haese, Beratungsstellenleiter der Deutschen Insolvenz- und Schuldnerberatung in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) nicht. "Die Energieversorger sind rigoros", kritisiert er das Vorgehen. Zwar stellten Strom- und Gasschulden seiner Klienten einen vergleichsweise geringen Posten unter den Gesamtschulden dar, die Auswirkungen seien aber enorm. Da Energiekosten nicht durch Sozialleistungen gedeckt würden, würde "manch einer jahrelang bei Kerzenschein" zubringen, berichtete Haese. Es dürfe nicht sein, dass auch dort der Strom abgeklemmt werde, wo Kleinkinder und Kranke leben. Er fordere daher Einzelfallprüfungen.

Dass Unternehmen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr hinterherkommen, konnte Burghard Seibold von der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg in Frankfurt (Oder) bislang nicht feststellen. Er vermisse gar ein gewisses Problembewusstsein. "Es herrscht eine Gottergebenheit, dass man um die anfallenden Kosten eben nicht herumkomme", sagte der Energiereferent. Dabei gebe es ein Programm der staatlichen Förderbank KfW, des Bundeswirtschaftsministeriums und der Caritas, das 80 Prozent der Kosten für eine Beratung übernehme. Auch für einkommensschwache Haushalte gibt es Hilfe: Im Rahmen des deutschlandweiten Projekts "Aktion Stromspar-Check" von Bundesumweltministerium, Energieagenturen und der Caritas sind fünf sogenannte "Stromsparhelfer" in Frankfurt (Oder) und Fürstenwalde (Oder-Spree) im Einsatz. Seit über zwei Jahren führen sie vor Ort Analysen durch, geben Ratschläge und installieren kostenfrei Energiesparlampen, wie Koordinator Siegfried Ulrich berichtete. Die Resonanz sei positiv: "20 bis 30 mal im Monat rücken die Teams aus."


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