Ehrenamtsstiftung : Endlich zur Sacharbeit übergehen

Jan Holze, Geschäftsführer der Ehrenamtsstiftung
Jan Holze, Geschäftsführer der Ehrenamtsstiftung

Der Geschäftsführer der Ehrenamtsstiftung Jan Holze über Anerkennungskultur, Bürokratie und seine Prioritäten für die nächsten Monate

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09. August 2015, 09:00 Uhr

Der aus Neubrandenburg stammende parteilose Jurist und Betriebswirt Jan Holze leitet seit gut zwei Monaten die Geschäfte der „Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement in Mecklenburg-Vorpommern“. Karin Koslik sprach mit ihm.

Als die Ehrenamtsstiftung am 1. Juni ihre Arbeit aufnahm, war außer der des Geschäftsführers noch keine Personalie geklärt. Wie sieht es inzwischen aus?

Holze: Mittlerweile sind sechs von sieben Stellen besetzt. Da sich einige meiner Mitarbeiter aber aus Arbeitsverhältnissen heraus beworben haben, waren und sind noch nicht alle in Güstrow anwesend.

Wie sieht Ihre Prioritätenliste für die nächsten Monate aus?

Ganz oben steht, die Ehrenamtsstiftung als relevanten, vertrauensvollen Ansprechpartner für Ehrenamtler zu etablieren – und nach den langen politischen Diskussionen jetzt endlich zur Sacharbeit überzugehen und mit unseren Angeboten zu überzeugen. Der Bedarf wurde in den Werkstattgesprächen ja klar definiert. In Thüringen, wo es schon länger eine Ehrenamtsstiftung gibt, gab es übrigens am Anfang ähnliche Diskussionen. Jetzt ist das alles kein Thema mehr.

Gibt es noch andere Bundesländer, die eine vergleichbare Stiftung haben?

Es gibt in der Tat in mehreren Ländern solche Stiftungen. Das Modell, das Mecklenburg-Vorpommern gewählt hat, gibt es aber nur in Thüringen. In Hessen zum Beispiel gibt es eine Stiftung öffentlichen Rechts, sie hat eine weitaus größere Nähe zu staatlichen Institutionen als unsere Stiftung privaten Rechts hier in Mecklenburg-Vorpommern. Wir dokumentieren diese Unabhängigkeit übrigens auch dadurch, dass wir mit Güstrow an einem anderen Ort unseren Sitz haben als die Landesregierung.

Vor kurzem hat die Stiftung in Neubrandenburg ihre Arbeit vorgestellt. Wird es weitere derartige Veranstaltungen im Land geben?

Auf jeden Fall werden wir noch mehr solcher Veranstaltungen im Land organisieren. Das Team der Stiftung will mit den Akteuren vor Ort ins Gespräch kommen. Wir sind aber auch offen für Einladungen, nicht nur von landesweiten Initiativen wie dem „Netzwerk freiwilliges Engagement“, wo ich unsere Arbeit Ende des Monats vorstellen werde, sondern auch von kleinen, ländlichen.

Was kann und will die Stiftung – und was nicht?

Unsere Aufgaben legt die Satzung fest: Da wäre zum einen die Beratung und Information zu rechtlichen Problemen, zum Beispiel im Umgang mit Finanzämtern. Im Vorfeld von vielen Ehrenamtlern gewünscht war auch, dass wir uns um den Austausch zwischen bzw. die Weiterbildung von Ehrenamtlern kümmern. Im Moment sind wir dabei, das erste Programm aufzulegen, die ersten Veranstaltungen wird es dann nach der Sommerpause geben.

Und die finanzielle Förderung?

Ja, wir haben bereits aus unterschiedlichsten Bereichen Anfragen und Anträge bekommen. Die Stiftung hat Mittel, um die ehrenamtliche Arbeit vor Ort konkret zu unterstützen und wird sie dahin ausreichen, wo sie gebraucht werden. Aber die finanzielle Unterstützung ist nur eine Aufgabe der Stiftung, nicht die Hauptaufgabe. Und was ich auch ganz klar sagen muss: Was wir nicht wollen, ist Doppelförderung. Wir wollen nicht in das Geschäft der Verbände reinregieren. Das heißt, wenn es ureigenste Aufgabe eines Verbandes ist, bestimmte Dinge anzubieten, dann werden wir uns da nicht einmischen.

Was sicher viele Ehrenamtler interessiert: Wie ist das Förderverfahren?

Die Stiftung zielt darauf ab, ein möglichst unbürokratisches Förderverfahren zu etablieren - was aber auch mit sich bringt, dass die Fördersummen relativ klein sind. Für Beträge bis 1000 Euro gibt es unter www.ehrenamtsstiftung-mv.de ein einfaches, selbsterklärendes Antragsformular. Antragsfristen sind nicht einzuhalten. Bis 3000 Euro müssen Antragsteller mit etwas größerem Begründungsaufwand rechnen. Der Verwendungsnachweis ist ebenfalls einfach gehalten. Unser Ziel ist nicht, das Formular zur Verfügung zu stellen, es dann ausgefüllt zurückzubekommen und irgendwann einen Brief zurückzuschreiben mit einer Fördervereinbarung. Uns ist wichtig, die Menschen kennenzulernen, die in diesen Initiativen sind. Wir sind schließlich Dienstleister der Ehrenamtler und der bürgerschaftlich Engagierten in MV.

Die Ehrenamtskultur ist hier noch lange nicht so ausgeprägt wie in den alten Bundesländern. Kann und will die Stiftung das ändern?

Mecklenburg-Vorpommern hat ein unheimlich großes Spektrum an ehrenamtlichen Initiativen. Gleichwohl ist MV in der Tat eines der Schlusslichter unter den Bundesländern, was die Gesamtzahl der bürgerschaftlich Engagierten angeht. Insofern stellt sich natürlich die Frage, ob da nicht noch mehr Potenzial vorhanden ist. Es wäre somit ein schöner Effekt, wenn die Stiftung dazu beitragen könnte, dass das bürgerschaftliche Engagement im Land steigt.

Was hemmt Ehrenamtler, und was wünschen sie sich besonders?

Ein ganz klares Hemmnis ist der bürokratische Aufwand. Schließlich verrichten diese Menschen eine bestimmte Tätigkeit ehrenamtlich, ohne dass sie etwas dafür bekommen. Wenn ihnen dann Schranken in den Weg gelegt werden, hemmt das. Ein ganz klarer Stiftungsauftrag besteht deshalb darin, einerseits selbst unbürokratisch zu sein. Das kann sich darin ausdrücken, dass wir als Ansprechpartner wirklich ansprechbar sind und konkrete Hilfestellung geben. Wir wollen unsere Förderverfahren pragmatisch handhaben, Formate zum Austausch und zur Weiterbildung schaffen, damit das Rad nicht immer neu erfunden werden muss. Wir wollen aber auch darauf hinwirken, dass dritte Institutionen unbürokratisch vorgehen.
Ein anderer Wunsch sind die Finanzen. Ich weiß, dass an allen Ecken und Enden diskutiert wird, was man mit dem Geld für die Stiftung alles machen könnte. Deshalb ist mir auch daran gelegen, dass wir einen möglichst großen Anteil des Geldes, das der Stiftung zur Verfügung steht, auch wirklich den Ehrenamtlern zur Verfügung stellen.

Viele Ehrenamtler wünschen sich auch einfach mehr Anerkennung. Was halten Sie zum Beispiel von einer Ehrenamtskarte?

Grundsätzlich halte ich viel von einer Anerkennungskultur. Da gibt es auch in anderen Bundesländern viele schöne, allerdings auch sehr unterschiedliche Ansätze, von denen wir lernen können. Welches da der Idealweg ist, kann ich noch nicht sagen, aber die Stiftung wird ihn suchen.
 

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