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Spendenaktion des medienhaus:nord : Endlich kompetente Ernährungsberatung für Kinder

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dank der Spendenbereitschaft unserer Leser gibt es an der Rostocker Uni-Kinderklinik jetzt eine auf die jungen Patienten spezialisierte Ernährungsberaterin

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Acht Kilo hat Johanna Peters in den letzten Monaten abgenommen. Nicht, weil sie gehungert hat, sondern weil ihre Verdauung aus dem Ruder gelaufen ist, wie die Gymnasiastin erzählt: „In den Schüben liege ich komplett flach und kann nicht aufstehen.“ Beschwerden hat die 17-jährige Rostockerin schon seit sechseinhalb Jahren. „Lange dachten alle, dass das psychisch bedingt ist. Deshalb war ich auch schon bei ganz vielen Psychologen in Behandlung“, erzählt sie. Gebracht hat es nichts. Im Mai wurde Johanna dann an die Universitäts-Kinder- und Jugendklinik überwiesen – und hier kristallisierte sich heraus, dass neben anderen Ursachen auch eine Fructose-Unverträglichkeit hinter ihren Beschwerden stecken könnte.

Auch wenn die Diagnose noch nicht eindeutig gestellt ist, rät Dana Stypmann Johanna doch zu einigen Veränderungen bei der Ernährung: Weniger oder am besten gar keine Fertiggerichte, statt Süßigkeiten Nüsse knabbern, Softdrinks und Apfelsaft durch Schorlen oder Obstwasser ersetzen – und ein Tagebuch führen, aus dem die Therapeuten im Idealfall ablesen können, wodurch die Schübe von Johannas Krankheit ausgelöst werden. „Das geht auch online, auf der Seite nahrungsmittel-intoleranz.com findest du zum Beispiel die App nmi für dein Handy, die finde ich ganz praktisch“, gibt sie ihrer Patientin mit auf den Weg.

Dass Dana Stypmann seit dem 22. Mai als Ernährungsberaterin der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik arbeiten kann, ist unseren Leserinnen und Lesern zu verdanken. Wir hatten sie vor Weihnachten um Spenden gebeten, mit denen die Stelle einer auf Kinder spezialisierten Ernährungsberaterin finanziert werden sollte – denn eine solche gab es bislang in der Rostocker Klinik nicht. „Weder im System der Krankenhausfinanzierung in Deutschland, noch im Bereich der ambulanten Medizin wird eine wissenschaftlich basierte Ernährungsberatung ausreichend berücksichtigt“, hatte Klinikdirektor Prof. Dr. Michael Radke seinerzeit beklagt.

Dabei ist eine entsprechende Stelle aus medizinischer Sicht immens wichtig. „Ernährung ist nicht alles, aber ohne Ernährung ist alles nichts!“, so Prof. Radke. In besonderem Maße gelte das für chronisch kranke Kinder und Jugendliche. Denn ihre Erkrankung entzieht dem sich noch in der Entwicklung befindlichen Organismus auf Dauer Baustoffe, die er für das Wachstum dringend braucht. Ob Krebs, Diabetes, Zöliakie, Fructose- oder Nahrungsmittelunverträglichkeit, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Nieren-, Lungen- oder Herzleiden: „Jedes Kind mit einer chronischen Krankheit profitiert von einer medizinisch begründeten Hilfestellung bei der Ernährung“, betont Prof. Radke.

Und noch etwas spricht für die Ernährungsberatung bei Kindern und Jugendlichen: Bei ihnen lässt sich Fehlernährung, vor allem Übergewicht, noch vorbeugen – und damit auch den gravierenden Folgeschäden wie Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Argumente, denen auch viele Leser folgen konnten: Bis zur symbolischen Scheckübergabe durch die Schirmherrin unserer Spendenaktion, die damalige Bundesfamilienministerin und heutige Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), hatten sich bereits 56 817 Euro auf dem Spendenkonto angesammelt, bis zum Jahresende waren es dann sogar 62 000 Euro.

Die Klinikleitung schrieb daraufhin im Februar die Stelle einer Ernährungsberaterin aus – vorerst halbtags und auf zwei Jahre befristet. „Ich bin aber sicher, dass wir diese Stelle nach zwei Jahren verstetigen können“, betont der Klinikdirektor. Auch AOK-Nordost-Landesgeschäftsführer Frank Ahrend hatte schon im Dezember beim offiziellen Abschluss unserer Spendenaktion erklärt, dass die Kasse nach einem Jahr prüfen wolle, wie das Projekt weiter unterstützt werden kann.

Doch ob es nun die Befristung oder die Teilzeitbeschäftigung war: Die Kinderklinik hatte anfangs Mühe, die Stelle der Ernährungsberaterin zu besetzen. „Es gab nicht allzu viele und fast nur fachfremde Bewerbungen“, erinnert sich Prof. Radke. Dana Stypmann hätte erst im April ihre Unterlagen eingereicht – konnte dann aber im Vorstellungsgespräch auf ganzer Linie überzeugen, fachlich und menschlich, wie der Klinikchef betont.

Die 32-Jährige stammt aus Rostock, hatte dort auch ihre Ausbildung zur Diätassistentin gemacht, war dann aber der Liebe wegen nach Hessen gegangen, wo sie in einer psychosomatischen Klinik arbeitete. „Im letzten Jahr sind wir dann wieder hochgekommen“, erzählt die sympathische junge Frau. Seitdem arbeitet sie als selbstständige Ernährungsberaterin im ehemaligen Landkreis Nordvorpommern – überwiegend mit Erwachsenen. „Mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten , ist aber ganz besonders reizvoll – allerdings ist es auch etwas, das in der Ausbildung nur marginal vorkommt“, gesteht sie. In den ersten Arbeitswochen und -monaten stehen deshalb jetzt jede Menge Fortbildung in ihrem Kalender.

Dennoch hat sich Dana Stypmann in der Klinik bereits gut vernetzt. Auf den Stationen nimmt sie an Teambesprechungen teil, auch in den Fachambulanzen hat sie sich schon vorgestellt – und so bekommt sie von Woche zu Woche mehr Patienten zur Beratung zugewiesen. „Wir müssen aufpassen, dass sie nicht überfordert wird, weil jetzt alle an ihr zerren“, meint Prof. Radke augenzwinkernd. Für Dana Stypmann ist das kein Problem. Gerade hat sie ihr Büro und den angrenzenden Beratungsraum „auf Ernährung umgerüstet“ – in der Uni-Kinderklinik sieht sie offenkundig ihre Zukunft.

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