Letzter Bauabschnitt beginnt nach jahrelanger Verzögerung : Endlich Hochspannung auf der Stromautobahn

Ein Freileitungsmonteur arbeitet  bei Gudow an der Autobahn A24 beim Ziehen der Vorseile auf einem Starkstrommast.Jens Büttner, dpa
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Ein Freileitungsmonteur arbeitet bei Gudow an der Autobahn A24 beim Ziehen der Vorseile auf einem Starkstrommast.Jens Büttner, dpa

Die 88 Kilometer lange und 95 Millionen Euro teure Stromautobahn zwischen MV und Schleswig-Holstein soll zum Winter in Betrieb gehen. Gestern wurden an der Autobahn 24 nahe Gudow Leitungsseile per Helikopter gezogen.

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13. September 2012, 06:30 Uhr

Gudow | Zirkusartisten gleich klettern Monteure in die gut 50 Meter hohen Strommasten. Geschickt angelt einer der Steiger das Seil, das der über ihm schwebende Hubschrauber von Mast zu Mast trägt. Gestern wurden an der Autobahn 24 nahe Gudow (Kreis Herzogtum Lauenburg) für die 380-Kilovolt-Leitung zwischen Schwerin und Geesthacht bei Hamburg Leitungsseile per Helikopter gezogen. Mit diesen Vorseilen erfolge von Montag an das Einziehen der Starkstromkabel, erklärt Projektleiter Jürgen Siefert vom Netzbetreiber 50Hertz.

Die 88 Kilometer lange und 95 Millionen Euro teure Stromautobahn zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein soll zum Winter in Betrieb gehen. Bei 50 Hertz wird von einem Termin Anfang Dezember ausgegangen. Avisierter Gast zur Freischaltung der Leitung in Schwerin-Görries soll sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel sein.

Die Nordleitung werde die vierte Ost-West-Verbindung auf Höchstspannungsebene. Als "Windsammelschiene" solle die neue Freileitung den vielen Windstrom aus dem Norden und Nordosten transportieren, sagt Siefert. Insbesondere der Großraum Hamburg, aber auch Ballungszentren im Süden könnten so sicher mit Öko-Strom versorgt werden.

Der Lückenschluss für die "Windsammelschiene" allerdings dauerte Jahre. Ursprünglich sollte die Gesamtleitung längst in Betrieb sein. Bis Ende 2010 war das Vorhaben in Mecklenburg mit großem Nachdruck und Eile vom Umspannwerk Görries bei Schwerin bis zur Landesgrenze getrieben worden. Doch beim "Mast 111" war dann für mehr als ein Jahr Schluss, weil man in Kiel neue Gesetze zum Anlass nahm, nahezu das gesamte Genehmigungsverfahren noch einmal neu aufzurollen. "Mast 111", der direkt auf der früheren Staatsgrenze stand, wurde als neues Mahnmal deutscher Teilung berühmt. Prominentester Besucher war Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Die Nordleitung wurde zum Synonym für das Stocken der Energiewende und den schleppenden Netzausbau. Jetzt ist die letzte Bauphase der Riesenleitung eingeläutet. Ganze 19 Kilometer Leitung fehlen nun noch bis zum Hauptabspannwerk Krümmel in Geesthacht bei Hamburg. Erst im April dieses Jahres kam der nötige Planfeststellungsbeschluss aus Kiel. Im Mai begannen die Arbeiten am grenzüberschreitenden Lückenschluss, um die Stromtrasse - ein Teil davon steht direkt auf dem Korridor, der einmal dem Transrapid vorbehalten sein sollte - nun in Windeseile zu vollenden.

"Wir stehen unter enormem Zeitdruck", erklärt ein Sprecher von 50Hertz. Die letzten 20 von 167 Masten der nördlichen Stromautobahn müssen in den kommenden drei Wochen in Schleswig-Holstein noch hochgezogen werden. Ein Grund für den zweijährigen Zeitverzug an der Nord-Trasse seien auch die Umweltauflagen gewesen, so Projektchef Siefert. Für 80 Hektar gefällten Kiefernwald etwa mussten 240 Hektar Ausgleichsflächen neu angepflanzt werden.

Laut Entwicklungsplan der Übertragungsnetzbetreiber sollen in Deutschland 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen gebaut werden, um den Atomausstieg bis 2022 zu schaffen. Dem Entwurf zufolge müssen zudem 4400 Kilometer im bestehenden Höchstspannungsnetz so optimiert werden, dass sie die schwankende Ökostromeinspeisung aus Windrädern und Solaranlagen aufnehmen können. Insgesamt werden Kosten von 20 Milliarden Euro veranschlagt.

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