Bauarbeiten A24 : Endlich freie Fahrt bis Hamburg

Noch müssen die Autos langsam fahren. Doch das ist spätestens Ende Dezember vorbei.
Noch müssen die Autos langsam fahren. Doch das ist spätestens Ende Dezember vorbei.

Tausende Pendler atmen auf: im Dezember werden die Bauarbeiten auf der A24 beendet. Zeitgleich soll Autobahnkreuz Schwerin fertig werden

svz.de von
29. November 2015, 19:18 Uhr

Spätestens am 21. Dezember soll es dann soweit sein. Dann wird die letzte Großbaustelle auf der A 24 in Schleswig-Holstein Geschichte sein. Und zum ersten Mal wird es im kommenden Jahr dann keine neue Stauzone geben. Tausende Pendler, die die Autobahn allein zwischen Mecklenburg und Hamburg nutzen, haben damit zum ersten Mal wirklich freie Fahrt auf einer komplett sanierten Autobahn - und zwar von Gudow bis zum Kreuz Hamburg Ost.

Damit geht die scheibchenweise Sanierung der einst viel zu schmalbrüstig gebauten Autobahn zu Ende. Seit 2001 hatten die zuständigen Behörden Stück für Stück die völlig maroden Betonbahnen sanieren lassen, abhängig von der jeweiligen Geldlage.

Aktuell muss noch zwischen den Kilometern 31,2 bis km 37,2 im Bereich zwischen den Anschlussstellen Hornbek und Schwarzenbek/Grande mit 60 km/h geschlichen werden. Ursprünglich sollte die Sanierung dieses letzten Abschnittes schon längst Geschichte sein, doch wieder kam etwas dazwischen. Die Pleite der zunächst beauftragten Baufirma (SVZ berichtete). Es wurde neu ausgeschrieben, vergeben, und nun steht Dezember 2015 als Termin der Fertigstellung. Bereits am 11. Dezember, so erfuhr es die Schweriner Volkszeitung vom verantwortlichen Lübecker Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr, wird die bisherige Baustelle schrittweise aufgelöst, um dann noch die Restarbeiten zu erledigen. Darunter sind vor allem der Bau der Leitplanken und die Beseitigung der Behelfsüberfahrten zu verstehen.

Wenige Tage später ist dann im Bereich der Raststätte Gudow der historische Akt geplant, wahrscheinlich mit ranghohen Politikern aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Etwa zeitgleich soll ja das Kreuz Schwerin im Zuge der A 24 und der Teilabschnitt der A 14 bis zur Anschlussstelle Grabow an der B 5 erfolgen. Die freie Fahrt auf sanierter Autobahn wäre dann zumindest von Hamburg bis zur brandenburgischen Landesgrenze immerhin möglich.

Die heutige A 24 war als Transitautobahn am 20. November 1982 eröffnet worden und musste nur einen Bruchteil des heutigen Verkehrs aushalten. Die damalige BRD war nur ganz knapp fertig geworden. Umweltschützer und Grundstückseigentümer hatten den Bau mit Klagen verzögert. Die gut 45 Kilometer in Schleswig-Holstein wurden dann in Rekordzeit betoniert, denn blamieren wollte man sich im damaligen Westen vor der DDR auch nicht.

Geplant war die Autobahn für maximal 15 000 Fahrzeuge pro Tag in beiden Richtungen. Heutzutage sind an manchen Tagen im Bereich Hamburg-Ost bis zu 60 000 Fahrzeuge gezählt worden. Warum die mit 20 Zentimetern Beton viel zu dünne Autobahn bröselt, zeigt noch ein anderer Vergleich. Der ehemalige westdeutsche Autobahnpolizeichef Jürgen Nadzeika erinnert sich: „Vor der Wende hatten wir hier 700 Lkw am Tag, jetzt sind es geschätzte 10  000, und nicht wenige haben ihre 40 Tonnen. Kein Wunder, dass der alte Beton förmlich zerfahren wurde.“

Es gab viele Sanierungspläne, erst wollte man 2013 fertig sein, dann war lange von 2014 die Rede. Zuvor hatte es im Jahr 2006 wegen der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland ein Jahr lang keine Baustellen gegeben.

Doch eines haben die Sanierungsplaner immer geschafft, die zerbröselnde Bahn befahrbar gehalten. Dennoch kam es immer wieder zu sehr langen Staus, vor allem beim Einrichten der Baustellen.

Im Zuge der Sanierung ist aber auch vieles Gutes entstanden. So gibt es erst seit wenigen Monaten die Anschlussstelle Gudow, die zuvor nur in alten Planungen aus dem Jahr 1937 existierte. Diese Abfahrt ist für den grenznahen Verkehr im Bereich Zarrentin und Büchen enorm wichtig geworden.

Auch die halbe Anschlussstelle Gallin direkt an der früheren Grenze wäre früher undenkbar gewesen. Zustande kam sie letztendlich auch auf Druck der Unternehmen im Megapark Valluhn-Gallin, die eine vernünftige Anbindung von und in Richtung Hamburg gefordert hatten. Statt der früheren 20 Zentimeter Beton sind es heute 27 Zentimeter bei besserer Gründung. Es gibt neue und bessere Parkplätze, eine verbesserte Verbindung in Richtung Kiel und auch ein durch saniertes Kreuz Hamburg- Ost, das vor wenigen Jahren auch noch in einem ziemlich erbärmlichen Zustand war. Was fehlt, ist eine mehrspurige Anbindung in Richtung A 20 und Kiel, es fehlt eine direkte Abfahrt zur A 1. Hier muss man sich immer noch über eine Schlängelspur von der Abfahrt Reinbek aus durchmogeln.

Trotz sanierter A 24 bleiben die Hamburger Staus für die Pendler bestehen, vor allem rund um den Horner Kreisel und Hamburg-Jenfeld.

Und Jens Sommerburg, der Leiter des Lübecker Landesbetriebes hat noch zwei kleine Wermutstropfen. Zwei Brückenbauten stünden dann doch noch an. Zum einen der Neubau der einst nahe Reinbek abgerissenen Ziegelbogenbrücke. Zum anderen muss die bereits mit Netzen gesicherte Ziegelbrücke nahe am Kreuz Hamburg-Ost abgerissen und neu gebaut werden. „Angesichts der Baustellen, die wir in den vergangenen Jahren sonst gewohnt waren, werden das jedoch nur geringfügige Einschränkungen sein, die den durchgehenden Verkehr nicht weiter stören.“

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