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Mecklenburg-Vorpommern

19. August 2017 | 20:31 Uhr

Umschulung : Endlich die Berufung gefunden

vom
Aus der Onlineredaktion

Frauen und Männer der Generation 40 plus lassen sich zu Altenpflegern und Erziehern ausbilden

„Auch wenn ein Lamm nicht in die Herde passt, es wird gut behütet.“ Matthias Völschow, 48 Jahre alt, war in seinem ersten Leben Schäfer, im zweiten nach 1990 wurde er Kaufmann und nebenher Mitarbeiter im Jugendklub Niepars. Jetzt entschied er sich, einen dritten Anlauf zu wagen und noch einmal die Schulbank zu drücken. „Ich kann eben gut auf Schafe aufpassen“, sagt er schmunzelnd. Sein Ehrenamt wolle er zum Beruf machen und Erzieher werden, weil ihm das mehr Erfüllung bringe. Den berufsbegleitenden Unterricht besucht er im Diakonischen Bildungszentrum Bad Sülze.

Umschulen liegt im Trend. Bewerber braucht es vor allem in sozialen Berufen wie der Kinder- und Jugendbetreuung sowie der Alten- und Krankenpflege. In M-V geht laut Sozialministerium jeder vierte der rund 11 000 Erzieher in den nächsten zehn Jahren in Rente. Das Land plant daher ab August eine neue Ausbildung zur staatlich geprüften Fachkraft für Kindertageseinrichtungen als Ergänzung zur herkömmlichen Erzieherschule.

Gefragt seien Quereinsteiger, Männer, Ältere, die mit Null- bis Zehnjährigen – also nicht mit älteren Kindern und jungen Erwachsenen bis 27 – und ausschließlich in Krippen, Kitas, Horten im Land arbeiten wollen, erklärt ein Ministeriumssprecher. Die Bewerbungsfrist für die ersten 125 Stellen der dualen Ausbildung, die in Kitas und staatlichen Berufsschulen stattfinden und drei statt vier Jahre dauern soll, endete am 14. Juni. Der Andrang sei nicht riesig, so der Sprecher. Zum Start sollen nun zwei Klassen in Rostock und Schwerin gebildet werden.

In MV gibt es derzeit 31 staatliche  Schulen für Gesundheitsfachberufe, in denen unter anderem Altenpfleger und Altenpflegehelfer ausgebildet werden. Die Zahl der Bewerber ist  aber  zu niedrig, sodass regelmäßig Plätze frei bleiben.

Eine abgespeckte, auf Jüngere fokussierte und nur im Land geltende Erzieherlaufbahn kam für Völschow und seine Mitschüler in Bad Sülze nicht infrage. Die Teilnehmer, 25 Frauen und sechs Männer, sind zwischen 22 und 55 Jahren alt. Bisher waren sie Schäfer, Schlosser, Verkäuferin oder Hotelfachfrau. Seit letztem Herbst lassen sie sich zu – bundesweit – staatlich anerkannten Erziehern ausbilden und bezahlen dafür 145 Euro Schulgeld im Monat. Eine zweite Klasse solle diesen Herbst in Schwerin starten, sagt die Geschäftsführerin des Diakonie-Bildungszentrums, Heike Harder.

In der Altenpflege sind im Land derzeit mehr als 400 Stellen unbesetzt, vor einem Jahr waren es noch 350. Zugleich entscheiden sich immer mehr Ältere für eine pflegerische Ausbildung. Antje Kraffzick ist im ersten Lehrjahr an der Evangelischen Altenpflegeschule Schwerin, auch sie bezahlt für den Kurs des privaten Anbieters Schulgeld. Die 42-Jährige hat zwei Kinder und auch schon zwei Berufe, sie ist Hotelfach- und Industriekauffrau. Die praktische Ausbildung absolviert sie im Pflegeheim Marnitz bei Parchim. „Ich habe endlich meine Berufung gefunden. Man gibt viel, und bekommt viel zurück“, sagt sie.

Die meisten Auszubildenden an der Schweriner Schule sind jünger als Kraffzick. Die Einrichtung der Diakonie gehe gezielt auf Schüler zu, sagt ein Sprecher. So gebe es eine Kooperation mit dem Gymnasium Crivitz zur Berufsorientierung. Björn Eidmann (20) entschied sich nach dem Abitur für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Altenpflege und schließlich für die Ausbildung. „Es macht super viel Spaß, Leute mit so interessanten Lebensgeschichten kennenzulernen.“ Lisa Burmeister erlebte mit 15 ein Schulpraktikum im Altenheim. „Ich möchte nichts anderes mehr machen. Denn was ist denn, wenn wir mal alt sind?“

 

 

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