Atommüll in MV : Endlagersuche vor der Haustür

Bei Standortsuche sehen Experten auch Potenzial in MV und Brandenburg

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08. Januar 2018, 12:00 Uhr

Wird es ein Atommüll-Endlager im Nordosten Deutschlands geben? Eine Vorselektion im Sinne einer Auflistung „geeigneter Orte“ existiere bisher noch nicht, teilte die Sprecherin von MVs Energieministerium, Renate Gundlach, mit. „Auch nicht für Mecklenburg-Vorpommern.“ Im September hat die Endlager-Kommission mit ihrer Suche begonnen.

Nach dem neuen Standortauswahlgesetz sollten erst Teilgebiete ermittelt und obertägig untersucht werden. Anschließend erfolge bei einer engeren Auswahl eine untertägige Erforschung, gefolgt von umfassenden vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen, Umweltverträglichkeitsprüfungen und schließlich einem Standortvergleich. Ein geeigneter Ort soll bis 2031 gefunden sein, die Lagerung kann demnach ab 2050 beginnen.

Atommüll in Deutschland
Atommüll in Deutschland
 

Die Standortsuche in Deutschland wurde dabei von Salzbergwerken auf Gebiete mit Kristallinen und Tongesteinsformationen ausgeweitet. Dadurch kommen bundesweit Gebiete in Betracht und nicht nur in wenigen Regionen Norddeutschlands. Allerdings rücken so auch hier weitere mögliche Standorte für ein atomares Endlager in den Blickpunkt. Unter anderem stufen Experten den Salzstock von Gülze-Sumte auf der Ostseite der Elbe – Amt Neuhaus – als „untersuchungswürdig“ ein. In Untersuchungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) kämen außerdem riesige Tongesteinsformationen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt in Frage. Darunter auch Gebiete in der Prignitz, östlich des Schweriner Sees bis in die Region Bützow/Güstrow, aber auch westlich von MVs Landeshauptstadt zwischen Zarrentin und Gadebusch.

Mecklenburg-Vorpommerns Grünen-Vorsitzender Johann-Georg Jaeger befürchtet derweil, dass das Zwischenlager Lubmin östlich von Greifswald schleichend als Atommülllager für andere Bundesländer ausgebaut werden könnte. Das EWN (Entsorgungswerk für Nuklearanlagen) will dort als Schutz vor Terrorangriffen bis 2024 ein Ersatzlager für hoch radioaktiven Müll errichten. Die Zahl der 74 in Lubmin gelagerten Castoren wie auch die Aufbewahrungsfrist bis 2039 sollen nach EWN-Angaben jedoch unverändert bleiben. 2011 waren alle Betreiber von Zwischenlagern vom Bundesamt für Strahlenschutz aufgefordert worden, die Sicherheitsstandards der veränderten Gefahrenlage anzupassen.

Das Akw Lubmin ging 1973 in Betrieb und erzeugte etwa elf Prozent des in der DDR benötigten Stroms. Bis Ende der 2020er-Jahre soll der Rückbau der radioaktiv belasteten Areale abgeschlossen sein, danach beginne der Abriss. Die Demontage der Kraftwerke in Lubmin und Rheinsberg kostet nach Angaben des EWN rund 6,6 Milliarden Euro.

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