Russische Betreiber beschuldigen Veterinäramt : Ende in der Kaviar-Farm: Produzent gibt auf

Schwarzes Gold aus Demmin: 33 Tonnen Rogen sollte die Kaviar-Farm jährlich liefern, erreicht hat sie die Produktion nie.  Stefan Sauer
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Schwarzes Gold aus Demmin: 33 Tonnen Rogen sollte die Kaviar-Farm jährlich liefern, erreicht hat sie die Produktion nie. Stefan Sauer

Die weltweit größte Anlage zur Störzucht in Demmin sollte tonnenweise Kaviar und Geld bringen. Aber erst musste der Erbauer in Haft, nun geben die russischen Nachfolger auf. Schuld sollen deutsche Veterinäre sein.

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21. Mai 2013, 06:57 Uhr

Demmin | Aus im Fischbecken: Die Kaviarproduktion in Demmin (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) wird aufgegeben. Ein Grund sei der Druck deutscher Veterinäre, teilte das Betreiberunternehmen Russian Sturgeon GmbH gestern mit. Schon seit zwei Jahren hätten mehr die Veterinärämter die Störzuchtanlage geführt als das Unternehmen selbst, erklärte ein Firmensprecher und beklagte die angeblich zu hohen Auflagen. Das Kreisveterinäramt war mehrfach eingeschritten, weil die Störe tagelang nicht gefüttert worden waren. Die Störfarm - nach Angaben der Erbauer die weltweit größte überdachte Kaviarproduktion - hatte von 2005 an unter dem Namen Caviar Creator Inc. immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.

Der Verkauf der Störe laufe schon seit Längerem, hieß es vom Betreiber. Russian Sturgeon hatte dem Veterinäramt ein Konzept vorgelegt, um mit weniger Futter die Störzucht betreiben zu können. Es gebe einen großen Unterschied zwischen reiner Fischzucht und Kaviar-Fischzucht, hieß es vom Betreiber. Fischzucht sei - wegen hoher Auflagen - in Deutschland nicht kosteneffektiv möglich.

"Das Konzept für die Anlage Demmin haben wir nach Rücksprache mit mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen aus Tierschutzgründen aber abgelehnt", sagte eine Amtssprecherin. Experten zufolge hätte die vorgeschlagene Futtermenge nicht einmal für den Erhalt der Störe ausgereicht. In der Anlage waren zuletzt noch rund 100 Tonnen Störe, das sind mehrere zehntausend Fische.

Der Firma droht nach dem letzten Fütterungsausfall Ende April derzeit ein Bußgeldbescheid in Höhe von mehreren tausend Euro. Die 15 Mitarbeiter hatten Ende April ihre Kündigungen bekommen, die bis August wirksam werden sollen, einige Mitarbeiter klagen dagegen. Den Angestellten war laut Gewerkschaft Ende August 2013 als Auslauftermin für die Störzucht genannt worden.

In der Demminer Anlage hatten die Erbauer unter Gewährleistung von idealen Lebensbedingungen für die Störe jährlich bis zu elf Tonnen Kaviar gewinnen wollen. Mit enormen Gewinnversprechen hatte der Initiator rund 50 Millionen Euro von Anlegern einwerben lassen. Er wurde nach der Insolvenz von Caviar Creator 2009 wegen Anlagebetrugs in Düsseldorf zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er Anleger um 13 Millionen Euro geprellt haben soll. Nach der Insolvenz hatte 2010 die russische Firma die Anlage übernommen, aber wie schon die Vorgänger immer nur einen Bruchteil der avisierten Kaviarmenge gewinnen können.

Die Störfarm hatte einst große Pläne: Neben Demmin sollte 2007 auch in den USA eine Störfarm errichtet werden - ebenso wie in Russland und China. Den ursprünglichen Plänen zufolge wollte Caviar Creator jährlich 33 Tonnen Rogen liefern - die doppelte Menge des 2002 nach Deutschland importierten Kaviars. Für die 30 Millionen Euro teure Anlage hatte das Land einst Fördermittel von insgesamt 3,35 Millionen Euro zugesagt, war dann aber doch wieder von der Förderzusage abgerückt: Caviar Creator hatte nicht alle Förderbedingungen erfüllt. Eine Klage des Unternehmens gegen das Land blieb allerdings bislang erfolglos.

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