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Kompetente Unterstützung : Eltern behinderter Kinder machen anderen Mut

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Eltern behinderter Kinder haben eine Sonderstellung in unserer Gesellschaft. Ihre Sorgen und Nöte sind für Nicht-Betroffene kaum vorstellbar. Oft sehen sie sich mit Ignoranz, Vorurteilen, sogar Beschimpfungen konfrontiert.

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erstellt am 13.Jan.2012 | 10:08 Uhr

Dobbertin/ Lübz | Sie sind unsere Nachbarn, unsere Kollegen oder Bekannte und doch sind sie oft ganz allein. Eltern behinderter Kinder haben eine Sonderstellung in unserer Gesellschaft. Ihre Sorgen und Nöte sind für Nicht-Betroffene kaum vorstellbar. Oft genug sehen sie sich mit Ignoranz, Vorurteilen, ja sogar Beschimpfungen konfrontiert. Nicht zuletzt aus Schamgefühl flüchten sich viele in die Isolation. Mit ihren alltäglichen Problemen, die ihnen ein Leben mit einem behinderten Kind aufbürdet, bleiben sie für sich.

Diese Barriere wollen die Eltern der Kinder der Schule zur individuellen Lebensbewältigung in Dobbertin jetzt aufbrechen. Mit einem Gesprächsnachmittag wollen sie anderen Betroffenen Mut machen, über ihre Probleme zu reden, sich bei anderen Rat und Trost zu holen.

Sicher, auch bei nichtbehinderten Kinder gebe es hin und wieder Probleme und Sorgen, sagt die Dobbertiner Schulleiterin Dagmar Stubbe. Doch die Eltern von Kindern mit Handicap stehen tagtäglich vor einer immensen Herausforderung, die ein Leben lang Opfer von ihnen abverlangt. Einfach mal für ein paar Tage in den Urlaub oder ein spontaner Kinobesuch - für Eltern schwerst mehrfach Behinderter ist das undenkbar. Rund um die Uhr brauchen ihre Kinder eine individuelle Betreuung.

Für Außenstehende ist kaum zu ermessen, was das für die Familien bedeutet. Gerade deshalb wollen die Elternvertreter der Dobbertiner Schule ihre Hilfe anbieten. Am 2. Februar werden sie ab 16 Uhr einen Gesprächsnachmittag im Lübzer Mehrgenerationenhaus veranstalten. Hier wollen sie anderen Betroffenen Mut machen, ihnen beratend zur Seite stehen und ihnen zeigen, das sie eben nicht allein sind.

Hilfe zur Selbsthilfe - das will die Elternschaft erreichen. Gerade aus der eigenen Erfahrung heraus können sie bei allen Fragen zum Leben mit einem behinderten Kind viel eher helfen als so manche Behörde. "Sie haben die gleichen Sorgen und Probleme", bringt es Dagmar Stubbe auf den Punkt.

Bei einer einmaligen Veranstaltung soll es nach Willen der Initiatoren nicht bleiben. "Es könnte sich zu einem regelmäßigem Stammtisch entwickeln", sagt Dagmar Stubbe. Ausschlaggebend dafür ist die Resonanz beim ersten Treffen Anfang Februar.

Die Veranstaltung soll in erster Linie Betroffene zusammenbringen, aber auch auf die Dobbertiner Schule aufmerksam machen. Für die Einrichtung ist Imagepflege wichtig, schließlich hängt ihr nach wie vor die Vergangenheit als Heilanstalt für Geisteskranke nach - unbegründet, wie die Schulleiterin unterstreicht. Heute präsentiert sich das Haus als offene, freundliche Schule, in der Kinder individuell entsprechend ihrer Bedürfnisse gefördert werden. 55 Kinder werden derzeit in der auf 60 Plätze ausgelegten Bildungseinrichtung unterrichtet. Wie einfühlsam das Kollegium mit ihren Schützlingen umgeht, davon können sich Eltern jederzeit selbst bei einem Besuch ein Bild machen, sagt Dagmar Stubbe. "Wenn sich die Eltern dann entscheiden, ihr Kind auf eine andere Schule zu schicken, ist das auch völlig in Ordnung", sagt die Schulleiterin.

Die Unterstützung, die für die Eltern eine immense Erleichterung bedeutet, ist für Dagmar Stubbe und ihr Kollegium eine Selbstverständlichkeit. "Das ist doch unsere Arbeit", sagt die Schulleiterin bescheiden. Doch die liebevolle Fürsorge geht weit über die Pflichterfüllung hinaus: Ob bei der Antragstellung von Fördermitteln, Problemen oder Sorgen - das Schulteam ist stets für die Eltern da. Doch auch untereinander ist der Zusammenhalt groß - nicht nur in Problem- sondern auch bei Trauerfällen. Als kurz vor dem Weihnachtsfest eine Schülerin plötzlich verstarb, war es für die Elternvertretung eine Selbstverständlichkeit, zur Beerdigung zu gehen und der trauernden Familie Hilfe anzubieten. "Das macht mich sehr stolz", sagt Dagmar Stubbe. Diese Art der Unterstützung in allen Lebenslagen soll so vielen Eltern behinderter Kinder wie möglich zuteil werden. Das wünschen sich die Veranstalter des Gesprächsnachmittages. Zur Veranstaltungen am 2. Februar können die Eltern selbstverständlich ihre Kinder mitbringen. Lehrkräfte aus Dobbertin werden sich während der Diskussionsrunde um sie kümmern, versichert Dagmar Stubbe.


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