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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 03:12 Uhr

Elektro-Nase erschnüffelt Brände

vom

svz.de von
erstellt am 06.Mär.2012 | 10:56 Uhr

Rostock | Die riesige Tür des Airbus A 380 ist fest geschlossen, als der Probealarm losgeht. Jetzt gilt es, die mehr als 800 Passagiere so schnell es irgendwie geht von Bord der Maschine zu bekommen. Systemingenieurin Katrin Gutt reißt einen Hebel nach oben, mit einem gewaltigen Rums bewegt sich die Tür und schwingt auf. Dieser Albtraum aller Flugbegleiter kommt extrem selten vor, dennoch muss er oft geübt werden, damit im Notfall jeder Handgriff sitzt. "Genau dafür sind unsere Simulatoren da", sagt Manfred Lehde, Geschäftsführer der RST Rostock System-Technik GmbH in Warnemünde. Die Entwicklung dieser Simulatoren in Originalgröße für Flugzeugcrews ist eines der vielen Standbeine der Firma, die an diesem Freitag ihr 35-jähriges Bestehen feiert. Dann wird auch der 38-jährige Ulrich Scheib die Nachfolge von Geschäftsführer Lehdes antreten. "An dem breiten Portfolio wird nichts geändert", kündigt er an.

Verbesserte Verpflegung für Airbus-Passagiere

Dazu gehören riesige Kabinentrainer, die sich wie Flugsimulatoren hydraulisch bewegen, um etwa Turbulenzen nachzuahmen. Eben sei der Auftrag gewonnen worden, für den neuen Airbus A 350 einen Trainer zu entwickeln. Auch die Mitarbeit am europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo gehört zum Firmenprogramm. Im Rostocker Hafen läuft ein Pilotprojekt: Schiffe sollen punktgenau an- und ablegen sowie effizienter be- und entladen werden.

Die Firmenpolitik mit mehreren Säulen habe sich ausgezahlt. Die Technikschmiede mit rund 140 Mitarbeitern hat die Krisen der vergangenen Jahre unbeschadet überstanden. Auch von der gegenwärtigen Krise sei nichts zu spüren: "Im Gegenteil, wir können uns gerade vor Aufträgen nicht retten", sagt Lehde. Inzwischen ist der Umsatz auf jährlich 14 Millionen Euro gewachsen.

Hervorgegangen ist RST aus dem 1977 in der DDR gegründeten Institut für Schiffbautechnik, wo mehr als 200 Mitarbeiter die Schiffe der Volksmarine entwickelten. Nach dem Zusammenbruch der DDR kam dann zehn Jahre lang die Raumfahrt-Ära mit rund 40 Beschäftigten, bevor RST als EADS-Tochter an der Airbus-Entwicklung beteiligt war. "Schwerpunkt ist die Forschung zur Verbesserung des Catering-Systems und die Frage, wie die Versorgung der Passagiere verbessert werden kann", sagt Lehde. Alles soll automatisch, schnell und platzsparend gehen. "Knopf drücken und nach spätestens zwei Minuten soll das Gewünschte aus einem Container in der Bordküche sein."

Jüngst sei eine asiatische Fluglinie an RST herangetreten mit der Frage, wie sie ihre Passagiere mit Speisen versorgen kann, die frisch in einem Wok zubereitet wurden. "Da müssen wir noch drüber nachdenken", sagt Lehde.

RST ist für Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) zu einem der Vorzeigeprojekte für die Entwicklung des Landes geworden. "Satellitennavigation, Simulatoren, Brandfrüherkennung - RST steht für anspruchsvolle Hard- und Software von der Entwicklung bis zur Produktion", sagt er. Dabei sei die Firma längst über den Status des "verborgenen Champions" hinaus. "Wir sind ein bisschen stolz auf solche Firmen ,made in Mecklenburg-Vorpommern’."

Mit den "elektronischen Nasen" lieferte RST ein gutes Stück Technologietransfer zwischen Weltraum- und ziviler Technik. Denn für die Raumstation MIR wurde in den 1990er-Jahren ein Gerät eingebaut, das Geruchsveränderungen feststellen konnte. Dieses Gerät konnte dann auch rechtzeitig auf einen Kabelbrand hinweisen - prompt war die Idee entstanden, daraus ein Brandmeldesystem zu entwickeln.

Stockholmer U-Bahn mit Meldesystem ausgerüstet

Vor einem Jahr war es soweit, in der Stockholmer U-Bahn wurden die intelligenten Brandmelder eingebaut. Im Schnitt wöchentlich einmal meldet eine der 680 Nasen im 60 Kilometer langen Tunnelsystem eine Brandgefahr. "Es geht darum, Brände frühzeitig zu entdecken. Durch die Änderung der Gasstruktur ist uns das möglich", sagt Scheib.

Kernstück der Nase ist ein etwa fünf Zentimeter großer, mit Elektronik vollgestopfter Würfel, in dem bei einer Dauertemperatur von 400 Grad Celsius die Luftmoleküle untersucht werden.

"Das Stockholmer System ist unser großes Demonstrationsobjekt", sagt Scheib. Weltweit gibt es 80 U-Bahnen, bei denen das Brandmeldesystem noch nicht befriedigend funktioniert. Doch einfach ist das Geschäft nicht, man müsse da schon einen langen Atem haben, so Scheib.


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