Platschow : Elefantenreiten in Mecklenburg

Kinder entdecken auf dem Rücken der Elefanten den Tierpark
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Kinder entdecken auf dem Rücken der Elefanten den Tierpark

Seit zehn Jahren können Touristen die großen Dickhäuter im europaweit einzigartigen Elefantenhof anfassen und streicheln

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16. April 2015, 12:00 Uhr

„Rangu!“ Sonni Frankello hebt die Arme und fordert damit die 36-jährige afrikanische Elefantenkuh „Sandra“ auf, selbiges mit ihrem Rüssel zu tun. Dickhäuter-Sprache. Das gelehrige Tier reagiert sofort, das Training macht offenbar Spaß. Auf „lift“ hebt es einen Fuß, „down“ bedeutet hinlegen. Der Elefantenhof im mecklenburgischen Platschow ist Europas einzige Farm dieser Art, wie Frankello berichtet.

Vor zehn Jahren hatte die ursprünglich aus Mecklenburg kommende Zirkusfamilie das Tourneegeschäft an den Nagel gehängt und sich samt ihrer riesigen Haustiere in dem kleinen Dorf nahe der Landesgrenze zu Brandenburg niedergelassen. Schilder an der Hauptstraße weisen Platschow heute als „Elefantendorf“ aus. Der lütte Ort hält die letzten Dickhäuter Mecklenburg-Vorpommerns, nachdem Ende 2013 der Rostocker Zoo die Haltung wegen strengerer EU-Vorschriften aufgab.

Sonni Frankello (56), Enkel des Zirkusgründers, fühlt sich wohl mit Familie und Tieren in dem abgelegenen 33-Seelen-Dorf, wie er sagt.„Manchmal vermisse ich das Glitzern der Großstädte, den Glanz des ganz großen Zirkus“, gesteht er. Doch schon als Kind habe er eine eigene Elefantenfarm haben wollen - in Afrika freilich, nicht in Mecklenburg. Nun seien sie halt hier gelandet und würden auch nicht mehr fortziehen wollen, sagen die Frankellos.

Zu dem exotischen Tierpark von Platschow gehören inzwischen acht afrikanische Elefanten, davon ein Bulle und sieben Kühe, sowie zwei asiatische Elefantendamen. Außerdem gibt es Seelöwen, Kamele, Pferde.

Auch die Kinder der Frankellos - Erwin (30), Jennifer (27) und Marlon (17) - sind beim Füttern und Ausmisten, beim Training sowie den Vorführungen und Shows im großes Zirkuszelt dabei. Therapiestunden auf und mit Elefanten gibt eine freischaffende Heilpraktikerin.

Dennoch: Eigentlich seien die Besucherzahlen mit rund 30 000 Gästen pro Jahr zu wenig für den Elefantenhof, sagt Sonnis Ehefrau Lilian Kröplin. Der Grund sei die Abgeschiedenheit der Farm, vermutet sie.

Dafür treffe sich viel internationales Publikum in Platschow, wahre Fans reisen aus Nah und Fern an. Familien kommen in den Ferien aus ganz Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Spanien oder Skandinavien, um die Elefanten hautnah zu erleben.

Willig folgen die großen Grauen ihrem menschlichen „Herdenchef“ Sonni über Wiese und Reitplatz. „Elefanten sind richtige Sensibelchen, zarte Wesen, die gern schmusen und sich regelrecht anlehnen“, verrät der Dompteur. Elefanten anfassen, streicheln, Leckerli zustecken, den ruhigen Riesen ganz nah sein, das könnten Tierfreunde heute weder im Zoo noch im richtigen Zirkus, sagt er.

Selbst wenn die Haut der grauen Riesen vor Falten nur so strotzt, sind die Schwergewichte aus Platschow immer wieder gefragte Stars in Film- und Fernsehproduktionen. So spielten drei der Dickhäuter 2006 in der BBC-Dokumentation über den antiken Feldherrn „Hannibal“ (247-183 v.

Chr.) mit. Auch bei der ARD-Sendung „Das unglaubliche Quiz der Tiere“ hatten die Mecklenburger Elefanten schon mehrfach ihren ganz großen Bühnenauftritt.

Den Dorfbewohnern von Platschow sind die grauen Rüsseltiere inzwischen ebenso ans Herz gewachsen, wie Sonni erzählt. Bei den Bauern kaufe er tonnenweise Heu und Stroh, bei einem Bäcker Brot für seine Elefanten. Schließlich benötige eins der Tiere allein jeden Tag gut 100 Kilogramm Futter und mindestens 150 Liter Wasser.

Großzügige Ställe mit Fußbodenheizung und 10 000 Quadratmeter Außengehege bieten Unterkunft und Auslauf. Der Tourismusverband des Landes sieht den Platschower Elefantenhof als „wichtiges Überraschungsmoment“ im küstenfernen Binnenland, wie Verbandssprecher Tobias Woitendorf sagt.

Inzwischen verbringe jeder vierte Feriengast in Mecklenburg-Vorpommern seinen Urlaub abseits der Ostseeküste. Der ländliche Tourismus zähle mehr als sieben Millionen Gästeübernachtungen pro Jahr.

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