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Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 13:52 Uhr

Boizenburg : Elbe-Staffel nähert sich Ziel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Früher war die Elbe an ihrem Mittellauf ein unüberwindbarer Grenzfluss: Jetzt kann man dort schwimmen

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Weit schweift das Auge über das Tal der Elbe, die gleich hinter dem mecklenburgischen Städtchen Boizenburg einen kräftigen Schwenk nach Westen macht. „Das ist einfach ein traumhafter Blick von hier oben“, schwärmt Harald Eggert, der zusammen mit seiner Frau Isolde die Stufen hinaufgestiegen ist zur hölzernen Aussichtsplattform „Elwkieker“ am 60 Meter hohen Elbberg.

An gleicher Stelle stand früher ein Turm aus Beton, errichtet auch wegen der guten Sicht auf den Fluss. Doch den Betrachtern von damals ging es nicht um die Naturschönheiten. Sie richteten den Blick allein auf das östliche Ufer, um sofort einschreiten zu können, wenn jemand über den Fluss nach Westen gelangen wollte. Vier Jahrzehnte lang war die Elbe auch Grenzfluss – bis zum Herbst 1989 streng bewacht und nach Recherchen der Stasi-Unterlagenbehörde in Mecklenburg-Vorpommern für etwa 20 DDR-Flüchtlinge auch Todesfluss.

Eggert, der Mitte der 1950er-Jahre in Boizenburg geboren wurde, heute in Berlin lebt und regelmäßig seinen Vater in der Elbestadt besucht, zeigt hinunter zur Flussbiegung. Dort war er als kleiner Junge mit Freunden in die Elbe gesprungen. „Doch 1961 war damit Schluss, der Zugang zum Fluss tabu“, erinnert sich der 63-Jährige. Die Sperrzone reichte fast 100 Kilometer den Fluss entlang nach Südosten, bis vor die Tore der Lutherstadt Wittenberg in Brandenburg. Gitterzäune am Elbdeich verhinderten bis zum Mauerfall den Zugang.

Heute bietet die Elbe auch dort wieder alle Freiheiten. Am Mittwoch führt die letzte Etappe der Ende Juni in Bad Schandau in Sachsen gestarteten Elbeschwimmstaffel vorbei an Boizenburg zum Ziel im holsteinischen Geesthacht. Etwa 200 Teilnehmer waren und sind dabei, die mehr als 500 Kilometer lange Strecke abschnittsweise zu bewältigen. Anlass ist das Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane. Die Schwimmstaffel soll darauf hinweisen, dass der Schutz der Meere mit dem Schutz ihrer Zuflüsse beginnt und so den Wert sauberer Flüsse unterstreichen.

Den weiß auch Ingo Valentin zu schätzen, beruflich wie privat. Der Ranger im länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe führt fast täglich vom neu errichteten Informationszentrum in Boizenburg aus Besuchergruppen durch die Elbaue mit ihrer großen Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Kaum ein anderer Flusslauf in Europa sei noch so naturnah, verweist der 52-Jährige auf eine der wenigen positiven Folgen der strengen Abriegelung, die der Wasserqualität indes nicht genutzt habe.

„Da floss doch einiges an Industrieabwässern und Rückständen aus der Landwirtschaft in den Fluss. Aal, der sich ja vorwiegend am schlammigen Grund aufhält, war wegen der Schwermetallbelastung ungenießbar“, berichtet der passionierte Angler. Die Schadstoffe am Grund würden wohl noch länger ein Problem sein. Doch strengere Vorschriften und der Bau neuer Kläranlagen trügen merklich zur Gesundung des Flusses bei, was sich auch am wachsenden Fischreichtum zeige. „Jetzt beginnt wieder die Zanderzeit. Und die Chancen auf einen guten Fang stehen gut wie nie“, meint Valentin.

Auf der einst gesperrten Deichkrone führt heute ein viel befahrener Radweg durch die Flusslandschaft. Am Steilhang westlich von Boizenburg weicht der Weg auf die Landstraße aus, vorbei am „Checkpoint Harry“. Der ehemalige Kontrollpunkt an der alten B5, einst wichtigste Straßenverbindung zwischen Hamburg und Westberlin, ist heute eine Raststätte.

Alte Warnschilder und eine Schaufensterpuppe in DDR-Polizeiuniform erinnern an die frühere Nutzung und geben nach Angaben von Kellnerin Simone Harder oft Anstoß zu Fragen und Diskussionen.

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