Eiskalte Ostern: "Jill" lässt uns zittern

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28. März 2013, 11:06 Uhr

Ostereiersuchen im Schnee? Das könnte in diesem Jahr leicht passieren. "Für Ostern ist kein frühlingshaftes Wetter in Sicht", sagt Meteorologe Wolfgang Harno vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam. Stattdessen prognostiziert der Wetterexperte neuen Schnee und Frost: "Karfreitag wird es in Mecklenburg-Vorpommern und in Nordbrandenburg zwischen einem und fünf Zentimetern Neuschnee geben". Dazu werden die Temperaturen tagsüber um den Gefrierpunkt bleiben, nachts wird es mit bis zu Minus fünf Grad richtig kalt.

Auch wenn der Schneefall am Ostersamstag nachlassen wird, bleibt der Frühling weiter aus. "Am Sonnabend und Sonntag haben wir leichten Frost und die Sonne lässt sich kaum blicken, ab Montag wird es dann nasskalt", so der Meteorologe. Grund für den eiskalten März sei das Kältehochdruckgebiet "Jill". Diese eisige Lady hat das Gebiet von Grönland über das Nordmeer bis nach Skandinavien fest im Griff. Und die eisigen Massen verhindern, dass wärmere Luft aus dem Süden hier für Frühlingswetter sorgen kann. "Milde Tiefdruckgebiete kommen nicht gegen diese Kältemassen an und werden abgedrängt", erklärt Wolfgang Harno vom DWD.

"Jill" ist auch dafür verantwortlich, dass der März in diesem Jahr deutlich zu kalt gewesen ist. Und das in einem nicht unerheblichen Maße. "Wir sprechen hier von Rekordwerten", sagt der Meteorologe. Im Schnitt sei es zwischen fünf und zehn Grad zu kalt gewesen. "Wir haben hier Messwerte seit dem Jahr 1896 vorliegen", fügt der Wetterexperte hinzu. Aber der letzte Sonnabend sei der kälteste Märztag seit über 100 Jahren gewesen. In Schwerin lag die Tiefsttemperatur an diesem Tag bei Minus acht Grad. Ähnlich kalt sei es nur 1917 gewesen: Damals wurden in der Landeshauptstadt Minus 6,2 Grad gemessen.

Während die Dauerkälte vielen Menschen aufs Gemüt schlägt, bringt sie auch in der Tier- und Pflanzenwelt einiges durcheinander. So sind zum Beispiel im Vogelpark Marlow viele der Vögel schon in Balzstimmung. "Das wird bei den Tieren durch das Licht und nicht durch die Wärme gesteuert", erklärt Matthias Haase, Leiter des Parks. Mittlerweile sei es ja wieder länger hell. Deshalb kämen die Tiere in Paarungsstimmung. Da aber immer noch Minustemperaturen herrschen, würden sich viele Vögel, die draußen brüten, nicht raus wagen. "Sie finden wegen des Schnees auch kein Niestmaterial und können ihre Nester nicht bauen", bedauert der Parkleiter. Problematisch wäre das aber nicht. "2006 war auch ein ähnliches Wetter und es war schneereich", fügt er hinzu. Das hätte den Tieren aber nicht geschadet.

Währenddessen sorgt das Wetter bei den Zugvögeln für einige Verwirrung. "Es ist ein richtiger Zugstau zu beobachten", berichtet Anja Kureck vom Naturschutzbund (Nabu) MV. Die Vögel, die zum Überwintern in wärmere Gefilde geflogen sind, wurden auf der Rückkehr zu ihren Brutplätzen im Norden von der Kälte überrascht. " Viele haben deshalb einen Stop in Süd- und Mitteldeutschland eingelegt und rasten dort, bis es wärmer wird", so Kureck. Tierliebhaber müssten sich aber keine Sorgen machen: "Auch wenn es einzelne, geschwächte Individuen nicht schaffen, sind hier keine ganzen Populationen bedroht", sagt sie.

Ähnlich sähe es auch bei den heimischen Vogelarten wie der Kohlmeise aus, die nicht wegziehen. "Auch wenn einzelne Vögel wegen der Kälte und des Schnees sterben, sind keine ganzen Populationen durch die Kälte gefährdet", so Anja Kureck. Wer die Tiere füttern möchte, könne das gerne tun: "Winterfütterungen sind ein schönes Naturerlebnis, aber dadurch rettet man keine Vögel", sagt die Fachfrau. Laut Nabu sollte man eher dafür Sorge tragen, dass der eigene Garten für Vogelarten zu einem attraktiven Lebensraum wird. Das könne man zum Beispiel mit Nistkästen und einem umfangreichen Pflanzenangebot. Denn: "Winterverluste sind in der Natur einkalkuliert", sagt Anja Kureck. Statt kalter Temperaturen würden eher "ausgeräumte Landschaften" zur Bedrohung der Artenvielfalt werden.

Die Wetterkapriolen bringen aber nicht nur Flora und Fauna durcheinander. Mancherorts stehen traditionelle Osterbräuche auf der Kippe. So trudeln zum Beispiel Familien in der Uckermark traditionell Eier. Bei dem Brauch lässt man farbige Ostereier einen Berg herunterrollen. "Familien machen es, es ist ein geselliges Beisammensein und ein sportlicher Wettkampf in der Natur", sagte der Museologe und Volkskundler Lutz Libert vom Angermünder Heimatmuseum. Noch ist fraglich, ob bei dem Wetter das Eiertrudeln stattfinden kann. Wer sich vom Schnee nicht abschrecken lässt, sollte in jedem Fall Handschuhe und eine dicke Wollmütze einpacken.

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