Zugvögel legen Rast in Rumänien ein : Eisiger Frühling: Störche stoppen Anflug auf MV

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Die ersten Weißstörche sind zurück. Doch viele der etwa 800 Brutpaare mit Ziel Mecklenburg-Vorpommern haben wegen des anhaltendes Winterwetters einen unplanmäßigen Zwischenstopp auf dem Balkan eingelegt.

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29. März 2013, 06:31 Uhr

Schwerin/Rostock | Die ersten Weißstörche sind zurück. Doch viele der etwa 800 Brutpaare mit Ziel Mecklenburg-Vorpommern haben wegen des anhaltendes Winterwetters mit Minusgraden und Schnee einen unplanmäßigen Zwischenstopp auf dem Balkan eingelegt, berichten Ornithologen. "Seit Tagen warten die Störche in Rumänien auf den Weiterflug", sagte Stefan Kroll, Weißstorchbetreuer für den Altkreis Bad Doberan beim Naturschutzbund Nabu, im Gespräch mit unserer Redaktion. Naturschützer haben die Zugvögel mit Peilsendern ausgestattet, um mehr über den Zug der Tiere zu erfahren. Kalte Luft, schlechte Thermik und die Schneedecke am Boden hätten die Frühlingsboten zum Zwischenstopp gezwungen.

Dennoch sind die Vögel gezwungen, bald wieder in Richtung Norden aufzubrechen. "Mitte April müssen die Eier in den Nestern liegen, damit die Jungstörche bis August und September stark genug sind, um die Reise nach Afrika durchzustehen", erklärt Stefan Kroll. In manchen Jahren waren die Großvögel bereits Mitte März in ihren Brutgebieten angekommen.

Die meisten Störche nehmen von ihren Winterquartieren in Afrika aus die Ostroute über den Nahen Osten und der Türkei nach Norddeutschland. In Mesekenhagen bei Greifswald und im Storchenhof Kuhlrade seien die ersten Vögel in diesem Jahr eingetroffen, so Naturschützer Kroll. Am Osterwochenende werden weitere Brutpaare ihr Ziel erreichen. Kritisch könnte die Nahrungssuche für Störche, Kraniche und andere Zugvögel werden, wenn der Frost noch lange Zeit anhält, und es eine geschlossene Schneedecke gibt. "Ansonsten müssen wir uns keine Sorgen machen, die Vögel sind sehr anpassungsfähig und trotzen der Kälte", meinte auch Hemut Eggers, Landesstorchenbeauftragter des Nabu in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Ehrenamtlich hat er unzählige Vögel in ihren Nestern beringt - mittlerweile seit 40 Jahren.

Mecklenburg-Vorpommern hat hinter Brandenburg den zweithöchsten Anteil am gesamtdeutschen Brutbestand des Weißstorchs. Allerdings sind die Zahlen rückläufig. 2004 hielten sich 1142 Paare dauerhaft im Nordosten auf. Im vergangenen Jahr wurden nur noch 817 Brutpaare gezählt.

Im Jahre 2005 verringerte sich die Anzahl der Störche dramatisch um 27 Prozent. Nach Meinung von Experten waren es Nahrungsprobleme in den afrikanischen Winterquartieren dafür die Ursache. "Von diesem Einbruch konnte sich der Bestand in den letzten sieben Jahren nicht mehr erholen", sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD).

"Offensichtlich sind die Lebensbedingungen für den Weißstorch nicht mehr so gut wie noch vor zehn Jahren", meinte der Storchenbetreuer Helmut Eggers. Immer mehr Saatgras-, Mais- und Rapskulturen führten zu einem schlechteren Nahrungsangebot. Storchenschutz dürfe sich nicht im Bau von Nisthilfen erschöpfen, sondern müsse vor allem auf die Erhaltung einer vielfältigen Landschaft ausgerichtet sein.

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