Neue Studie : Einwohnerzahlen schöngerechnet

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20 Ost-Städte haben statt des amtlichen Zuwachses Rückgang

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17. März 2015, 20:45 Uhr

Dass viele Städte im Osten seit 1990 dramatisch geschrumpft sind, das ist bekannt. Aber jetzt belegt eine Untersuchung, dass die Bevölkerungsentwicklung selbst in vielen Städten negativ ist, die von amtlichen Statistiken längst eine positive Entwicklung als Wachstumskerne bescheinigt bekommen.

Beispiel Neuruppin: Die Stadt in der Ostprignitz hat laut offizieller Statistik seit 1990 ein beachtliches Wachstum von 12,7 Prozent auf über 30  000 Einwohner zu verzeichnen. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) dokumentiert jetzt ein Minus von 10,6 Prozent. Hintergrund ist, dass die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung ein entscheidendes Detail berücksichtigt haben, das bei amtlichen Erhebungen oft unberücksichtigt bleibt: Eingemeindungen infolge von Gemeindegebietsreformen. Neuruppin ist seit der Gebietsreform 1993 mit 13 Ortsteilen eine der flächengrößten Städte Deutschlands.

„Die Wachstumsraten in den Städten Ostdeutschlands gründen in den meisten Fällen auf Gebietsvergrößerungen“, so Dr. Albrecht Kauffmann vom IWH. Tatsächliche Zuwächse habe es nur im Speckgürtel der Metropolen gegeben, rund um Berlin und Dresden. Das IWH hat die Einwohnerentwicklung von 1990 bis 2013 in 132 ostdeutschen Städten analysiert, darunter auch in zehn Kommunen in MV.

Albrecht Kauffmann gibt jedoch Entwarnung für den Nordosten: „Außer in Neustrelitz hat es bei den Kommunen über 20  000 Einwohnern, die wir untersucht haben, keine Gebietsreformen gegeben. Insofern sind die Zahlen ehrlich.“ Dennoch ist auch das kein Grund zu reiner Freude. Denn alle zehn untersuchten Städte haben gegenüber 1990 deutliche Einwohnerverluste hinnehmen müssen, selbst wenn – wie in den Unistädten Rostock und Greifswald – seit Anfang der 2000er die Einwohnerzahlen wieder steigen. Die größten Verluste verzeichnen Neubrandenburg (28,9 Prozent), Schwerin (28,1) und Parchim (25,2). Es folgen Wismar, Güstrow und Neustrelitz (23,9 und 23,3 Prozent). In Waren, Schwerin und Stralsund ist der Verlust zum Erliegen gekommen.

Die Einwohnerentwicklung einer Stadt ist für Unternehmen interessant, die oft ihre Standortentscheidungen davon abhängig machen. Wachstum steht für die Zukunftsfähigkeit einer Kommune. 20 ostdeutsche Städte haben statt des amtlich ausgewiesenen Zuwachses einen Bevölkerungsrückgang.

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