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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 20:54 Uhr

Sommertour : Einwanderer auf dem Darß

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Nationalpark helfen asiatische Wasserbüffel beim Naturschutz / Teil 7 unserer Sommerserie

von
erstellt am 01.Aug.2014 | 11:42 Uhr

Das Boot erreicht den Barther Bodden, es ist heiß. Kurz hinter der Mündung des Prerow-Stroms liegt Schmidt-Bülten, eine kleine Insel. Und genau dort ragen massige Köpfe mit Hörnern aus dem Wasser. Was den Touristen merkwürdig vorkommen mag, kann Thomas Möhring leicht erklären: „Das sind asiatische Wasserbüffel, die dort den Sommer verbringen. Die Tiere fressen das alte Schilf – das ist wichtig, denn ansonsten würde das Eiland zuwachsen, und eine Brutstätte für seltene Vögel würde verlorengehen.“

Der 44-Jährige ist gelernter Schäfer und Leiter der Tierproduktion auf dem Gut Darß in Born. Er und seine Kollegen betreuen über 4000 Rinder, außerdem Pferde, Schafe, ein paar Ziegen und eben die Büffel, die sich auf nassen Wiesen wohlfühlen und gern bis zum Bauch im Schlamm stehen. Wie mögen die sich im norddeutschen Klima fühlen?

„Unsere hier sind schon eingemeindet, sie können auch im Winter draußen bleiben, bekommen ein richtiges Winterfell“, beruhigt Möhring. „Schon im Mittelalter gab es in Europa welche, die wurden aber durch Rinder zurückgedrängt und später durch die Einführung des Pferdes auch für die Feldarbeit uninteressant.“

Doch heutzutage werden die Büffel wieder gebraucht: Immer mehr Flächen werden renaturiert, müssen aber gepflegt werden. Dafür sind die Wasserbüffel bestens geeignet. Besonders auch: Sie haben eine feste Bindung zu ihrem Pfleger.

„Sie wollen gestreichelt werden, folgen einem fast wie ein Hund. Aber man muss den Kontakt aufrechterhalten.“
Deshalb sehen die Büffel-Betreuer regelmäßig nach ihren Tieren, auch wenn die gerade auf Sumpfwiesen oder auf Schmidt-Bülten im Bodden stehen. Wer die Büffel aus der Nähe sehen möchte, findet sie auch in Born - auf einer Weide, die Badestrand genannt wird. Ein Wanderweg führt zu ihnen. Wenn es nicht zu heiß ist, sind sie neugierig und kommen zum Zaun.
Insgesamt bewirtschaftet das Gut Darß 4600 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, knapp die Hälfte davon liegt im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

„Das bedeutet für uns unter anderem, dass wir weder Mist noch Gülle noch Kunstdünger aufbringen dürfen und bei der Wiesenpflege bestimmte Bedingungen einhalten müssen“, erklärt der Fachmann.

Doch das Gut Darß ist nicht nur ein biologisch arbeitender Betrieb, sondern auch ein Ziel für Touristen. Der Kletterwald direkt auf dem Gelände zieht jedes Jahr mehr Besucher an. Und wenn sie schon da sind, können sie sich im Hofcafé einen Büffel-Burger gönnen und im Laden hier erzeugte Fleischprodukte kaufen.

In der Saison gibt es zweimal pro Woche Führungen über den gesamten Hof, im Juli und August sogar viermal. Interessenten gibt es immer, sogar bei Strandwetter.„Wir erklären, wie bei uns die Bio-Landwirtschaft funktioniert“, sagt Möhring. „Das dauert etwa ein bis zwei Stunden – je nachdem, wie viele Fragen gestellt werden.“ Nachmittags gibt es eine spezielle Führung für Kinder.

    

  www.gut-darss.de


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