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Einsturzgefahr: Landkreis schließt Einkaufszentrum

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erstellt am 08.Aug.2012 | 08:17 Uhr

gadebusch/schwerin | Mitten in der Einkaufszeit bricht am Gadebuscher Einkaufszentrum gestern Vormittag Hektik aus: Der Sky-Markt schließt, Kunden dürfen Post, Bäcker, Döner-Imbiss und Textilmarkt nicht mehr betreten - das gesamte Gebäude ist nicht mehr sicher und muss geräumt werden. Ursache: Innerhalb von nur einer Woche haben sich Stützen um zwölf Millimeter verschoben, entdeckte ein Statiker, der das Gebäude vor Sanierungsarbeiten überprüfte, und warnte vor einer akuten Gefährdung der Standfestigkeit des Gebäudes. Im Klartext: Einsturzgefahr. Der Landkreis sprach gestern ein Nutzungsverbot aus. Wann das Zentrum wieder öffnet, ist unklar.

Überall in MV leiden großen Hallen unter Statikproblemen. Erst 2011 musste in Waren ein Supermarkt gesperrt werden. Und immer wieder kommt es zu Horrorunfällen in Supermärkten und Hallen. In Düsseldorf stürzt 2010 eine Betondecke ein und verletzt 15 Kunden. In Falkensee (Brandenburg) bricht 2009 das 1000-Quadratmeter-Dach eines Rewe-Marktes nahezu komplett ein - 20 Minuten nach Geschäftsschluss. Rewe muss die Hälfte der seiner 3300 Läden überprüfen. Auch andere Handelsketten haben reagiert.

Bei Kontrollen seien Prüfer "in Größenordnungen fündig geworden", sagte Peter Otte, Präsident der Ingenieurkammer MV gestern. Durch den steigenden Kostendruck und die Computergläubigkeit der Planer würden die Konstruktionen immer filigraner, Fehler durch mangelnde Kontrollen der Behörden bei der Bauausführung übersehen. Aus "Kostengründen wird an der Praxis vorbei geplant" und "Grenzen überschritten, die man nicht überschreiten sollte", sagte Otte.

Auch in anderen Gebäuden in MV gibt es immer wieder Probleme mit der Statik. Das Alpincenter in Wittenburg musste der Landkreis wegen erheblicher statischer Probleme von August 2010 bis Oktober 2011 komplett schließen. Durch Fehler bei der Isolation hatte sich metertiefer Dauerfrost entwickelt. Der gefrorene Boden hob einen Teil der Halle an, Verbindungen rissen, Träger verformten sich.

Wie verheerend die Folgen von Statikproblemen sein können, zeigte sich 2004 in Goldberg. Arbeiter rissen bei Sanierungsarbeiten eine tragende Wand der Plattenbauschule ein, zehn Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben, fünf starben - das bisher schwerste Unglück dieser Art in MV.

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