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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 01:46 Uhr

Polizei : Einsätze: Anstieg um zwei Drittel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wilfried Kapischke – der Neue im höchsten Polizeiamt in MV – über Belastung der Polizei, Hilfspolizisten und eigene Vorhaben

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 07:45 Uhr

Seit dem 1. Mai ist Wilfried Kapischke neuer Polizeiinspekteur Mecklenburg-Vorpommerns und damit verantwortlich für 5800 Polizisten im Land. Thomas Volgmann sprach mit ihm.

Herr Kapischke, die Aufgabenfülle der Polizei im Land wächst mit hohen Flüchtlingszahlen, vermehrten Demonstrationen und der Terrorgefahr. Die Gewerkschaft der Polizei sagt, das Limit ist erreicht. Teilen Sie diese Ansicht?
Kapischke: Ja. Die Gewerkschaft und auch der Innenminister haben wiederholt darauf hingewiesen, dass die Belastungsgrenze bei der Polizei erreicht ist. Allein durch die vielen Demonstrationen hatten wir im vergangenen Jahr einen Anstieg der Einsatzzahlen um etwa zwei Drittel.

Wo ist die Belastung am schmerzhaftesten spürbar?
In den Revieren selbst. So müssen Abstriche beispielsweise beim Streifendienst oder bei Verkehrskontrollen gemacht werden, weil Leute einfach nicht zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass Veranstalter ihre Demonstrationen und Versammlungen in der Regel relativ kurzfristig anmelden und dadurch in den Revieren immer wieder Einsatzplanungen über den Haufen geworfen werden müssen. Das hat erhebliche Auswirkungen auch auf das Privatleben der Kollegen.

Die CDU wird wohl mit der Forderung nach 555 zusätzlichen Polizeistellen in den Wahlkampf ziehen. Was sagen Sie dazu?
Die Zahl will ich nicht kommentieren. Wir haben eine Projektgruppe des Innenministeriums und Finanzministeriums eingerichtet, der auch ich angehöre und die dabei ist, den Personalbedarf bei der Polizei zu ermitteln. Die Ergebnisse sollen bis Ende September vorliegen. Bis dahin haben wir Stillschweigen vereinbart.

Wären freiwillige Polizeihelfer, wie die AfD sie in ihrem Wahl-Programm fordert, eine Lösung?
Nein. Wir brauchen gut ausgebildete professionelle Fachkräfte.

Immer wieder wird auch eine Aufgabenreduzierung diskutiert: Beispielsweise keine Begleitung mehr von Schwertransporten oder keine Aufnahme von Bagatellunfällen. Was wäre realistisch?
Eine Aufgabenkritik ist von Zeit zu Zeit notwendig. Ich denke, durch eine Aufgabenübertragung bei der Begleitung von Schwerlasttransporten könnte die Polizei entlastet werden. Aber die Diskussion ist noch nicht beendet. Anders ist die Sache bei Bagatellunfällen. Die Unfallaufnahme ist ein Bereich, wo die Polizei vom Bürger positiv als Dienstleister wahrgenommen wird. Zudem kann bei einem Rechtsstreit zwischen Unfallgegnern eine polizeiliche Unfallaufnahme sehr hilfreich sein.

In welchen Bereichen müsste die Polizei dennoch besser werden?
Nimmt man die Kriminalitätsstatistik oder die Verkehrsunfallbilanz sind die Werte im Bundesvergleich nicht schlecht. Verbessern können wir uns in der Bekämpfung von Kontrolldelikten wie der Rauschgiftkriminalität durch mehr Personaleinsatz und Ermittlungsarbeit und bei den relativ neuen Deliktsbereichen wie der Internetkriminalität.

Sie sind seit 1992 der vierte Polizeiinspekteur des Landes. Worin werden Sie sich von ihren Vorgängern unterscheiden?
Mein Vorgänger Rudolf Springstein war 16 Jahre im Amt und hat durch sehr gute Arbeit große Fußstapfen hinterlassen. Wir haben aber neue Herausforderungen beispielsweise bei der Bekämpfung der Terrorgefahr, denen wir uns stellen müssen. Dazu müssen bisherige Konzepte auf den Prüfstand. Mein Ziel ist es außerdem für gute Arbeitsbedingungen in der Polizei zu sorgen. Das heißt für mich, oft vor Ort zu sein und ein offenes Ohr für die Kollegen zu haben.





 

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