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Mecklenburg-Vorpommern

21. Oktober 2017 | 12:34 Uhr

Einmalige Kreuzworträtsel aus Parchim

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erstellt am 27.Sep.2013 | 08:11 Uhr

Parchim | Manchmal macht sich Jürgen Schmidt einen Spaß mit jenen, die ihn danach fragen, was er als Rentner nun eigentlich mit all seiner freien Zeit anfange. "Ich antworte dann stets, dass ich rätselhaftes Fitnesstraining mache. Dann überlegen alle erst einmal, was das sein könnte", erzählt Schmidt und lacht. Doch es stimme, sagt der Parchimer, sein Hobby halte ihn fit: Seit 21 Jahren entwirft Jürgen Schmidt Kreuzworträtsel - seit dem Sommer 1992, als er, nach Jahrzehnten als Lehrer an der Schule, in den Vorruhestand gehen musste. Exakt 937 Kreuz- und Schwedenrätsel hat Schmidt seitdem in Magazinen und Zeitungen veröffentlicht - jedes einzelne ein Unikat.

"Ich habe unterschiedliche Raster ausgedruckt, die ich je nach Größe des Rätsels auswähle", erzählt Schmidt. Zunächst setze er per Hand Blindkästchen in einem optisch ansprechenden Muster, dann fange er mit den längsten Wörtern an, die Kästchen zu füllen. Normalerweise, sagt Schmidt, brauche er dafür nach all den Jahren weder Lexikon noch Duden. "Nur im Notfall schlage ich nach oder suche ein passendes Wort im Internet", so Schmidt. Am längsten, sagt er, dauere es, die Umschreibungen für seine Rätselbegriffe zu finden. "Jedes Wort zu umschreiben - und in den meisten Fällen noch sehr kurz - das hält schon auf", sagt der gebürtige Parchimer. Jedes fertige Rätsel wird zuerst einmal probeweise gelöst - praktischerweise von Ehefrau Erika, wie ihr Mann begeisterte Rätslerin. "Ich schaue, ob die Pfeile da sind, schlage nach, ob es bestimmte Begriffe wirklich gibt, prüfe, ob Abkürzungen nachvollziehbar sind", sagt Erika Schmidt. "Bisher", sagt die gebürtige Lübzerin und lacht, "gab es noch kein Rätsel meines Mannes, das ich nicht lösen konnte."

Die Rätsel macht Jürgen Schmidt schließlich am Computer druckfertig und verschickt sie per E-Mail an seine Kunden - vorwiegend lokale und regionale Verlage, die seine Rätsel regelmäßig in ihren Ausgaben veröffentlichen. "Meistens arbeite ich zwei bis drei Monate im Voraus. Die Rätsel, die dieses Jahr noch gedruckt werden sollen, habe ich fertig. Jetzt arbeite ich für Januar bis Mai kommenden Jahres vor", so Jürgen Schmidt. Seine Werke hat er akribisch archiviert: In dutzenden Ordnern abgeheftet und von 1 bis 937 durchnummeriert, füllen sie gleich mehrere Regale im Arbeitszimmer. Rätsel, sagt Jürgen Schmidt, begleiten ihn schon fast sein ganzes Leben lang. "Ich habe immer Rätsel gelöst, seit Ende der 50er-Jahre, als ich als Student lange Bahnfahrten von Parchim nach Weimar und Erfurt machen musste. Rätsel haben mir immer Spaß gemacht, da lag das einfach nahe, selbst welche zu machen", erzählt Schmidt. Es gehe ihm nicht darum, mit seinen Rätseln Geld zu verdienen - sondern um Kopfarbeit, darum, aktiv zu bleiben, ein Hobby zu haben, das ihm Spaß bereite.

Dabei war der Anfang vor 21 Jahren alles andere als Spaß: "Es ging nie auf, ich war richtig verzweifelt und dachte schon, das wird doch nie was", erinnert sich Schmidt. Und fügt hinzu: "Meine ersten Rätsel waren Knüllrätsel. Kennen Sie nicht? Zusammengeknüllt - und ab in den Papierkorb." Von Mal zu Mal sei es dann jedoch besser geworden, irgendwann ging es doch auf, "man muss das System verinnerlichen", so Schmidt.

Seine ersten Rätsel, berichtet er, seien ausschließlich in Handarbeit entstanden: Mit einem feinen schwarzen Stift und einem Lineal zeichnete er akribisch Raster, fügte die kurzen Beschreibungstexte mit der Schreibmaschine ein, druckte Formen für die Blindkästchen aus und klebte sie Rätsel für Rätsel per Hand ein, bevor er das Rätsel im Copy-Shop kopierte und schließlich per Post an seine Auftraggeber sandte. "Alles Einzelstücke, keines meiner Rätsel gibt es noch mal", sagt Jürgen Schmidt. Das ist auch heute noch so - wenn auch der technische Fortschritt seine Arbeit deutlich erleichtert hat.

Genug von Rätseln hat Jürgen Schmidt auch nach all den Jahren nicht - weder vom Rätsel-Lösen, noch vom Rätsel-Erfinden. "Beides hält fit, natürlich ist das eine Art Gedächtnistraining. Ich mache immer noch jedes Rätsel, das mir in die Finger kommt. Am liebsten solche, die nicht zu groß sind, die man in 10 bis 20 Minuten lösen kann." Und auch für sein Hobby kann sich Schmidt nach wie vor begeistern. Eines seiner ganz besonderen Werke: Ein Riesenrätsel mit einer stolzen Länge von mittlerweile 5,21 Metern, das Schmidt alleine in den vergangenen sechs Monaten um fast drei Meter verlängert hat. Um es sicher aufzubewahren, hat er es auf ein Nudelholz gedreht. "Länger soll es jetzt wirklich nicht mehr werden. Aber ich habe es geschafft, nur sehr wenige Worte doppelt zu verwenden", so Schmidt.

Im kommenden Jahr wird er ein ganz besonderes Jubiläum feiern: "Dann werde ich 1000 Rätsel veröffentlicht haben." Ans Aufhören verschwendet der Vater zweier erwachsener Töchter dennoch keinen Gedanken - im Gegenteil: "Ich habe mir eine Rätsel-Weltneuheit ausgedacht, die ich hoffentlich bald veröffentlichen kann. Derzeit prüfe ich den Umgang mit den Urheberrechten."

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