Einmal Walhalla und zurück

Oberkommissarin Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff (Verena Altenberger, l.) packt zu…
Oberkommissarin Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff (Verena Altenberger, l.) packt zu…

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06. Dezember 2019, 16:02 Uhr

Schon das Debüt von Oberkommissarin Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff (Verena Altenberger) im September hatte es in sich. Denn „Der Ort, von dem die Wolken kommen“ zelebrierte nicht nur die Geschichte eines traumatisierten Jungen nach seiner Flucht aus einem Kellerloch, sondern auch eine exzentrische Bildsprache voll grausiger Schatten und spukhafter Allegorien.

Regie-Magier Dominik Graf ging nun gestern Abend noch einen Schritt weiter und hetzte Bessie in ihrem zweiten Fall durch einen wahren Sturm aus verzerrten und zerschnippelten Bildern. Und als würde er damit nicht schon genug die Film-Realität ins Absurde treiben, ließ er seine Protagonisten auch noch in ihrem Ur-Bayerisch ratschen, dass uns tatsächlich Hören und Sehen vergehen konnte. Aber warum?

Nun, verrückt genug, sie ins künstlerische Koma zu versetzen, war die Geschichte allemal (Buch: Günter Schütter). Bessies Polizei-truppe überwachte eine Münchner Firma, die im Verdacht stand, an der Börse illegalen Insiderhandel zu betreiben. Und prompt wollten die Beamten dabei selbst ihr Walhalla finden und abkassieren. Natürlich ging die Sache ordentlich schief und aus der Harmonie im Team wurde schnell ein tödlicher Existenzkampf. Mord und Blut inklusive.

Einmal mehr wurde so ein „Polizeiruf“ zum Labor für Experimental-TV. Krimi-Muster? Sehgewohnheiten? Innere Logik? Fehlanzeige! Manch einer dürfte sogar Mühe gehabt haben, der schrill illuminierten Tragödie zu folgen.

Andererseits, wer sich auf die irre Ästhetik des Dominik Graf einließ, belohnte sich womöglich mit einem neuen Kunstgenuss: der Tele-Osmose. Also der Aufnahme eines Krimis durch Haut und Sinne, statt über Augen und Ohren. So konnte, wer nix kapierte – von den Bildern, von den Figuren, vom Dialekt oder von der ganzen verdammten Story – dennoch selig werden. Weil aus dem scheinbar sinnlosen Rauschen im Fernseher doch noch – ein Rausch der Sinne ward. Gott Graf sei Dank!

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