zur Navigation springen

17-jähriger Winstongolf-Clubmeister durfte sich einen Traum erfüllen : Einmal einlochen mit den Profis

vom

Die Luft zischt, wenn Andreas Lörup den Golfschläger mit einer Drehung durchzieht und den Ball in den Himmel schlägt. Der 17-Jährige folgt dem kleinen weißen Punkt bis dieser auf dem kurz gestutzen Rasen aufkommt.

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2013 | 10:50 Uhr

Vorbeck | Die Luft zischt, wenn Andreas Lörup den Golfschläger mit einer Drehung durchzieht und den Ball in den Himmel schlägt. Mit zusammengekniffenen Augen folgt der 17-Jährige dem kleinen weißen Punkt bis dieser auf dem kurz gestutzen Rasen aufkommt - viele hundert Meter vom Abschlag entfernt. "Very good", kommt kurz und knapp der Kommentar des Profi-Golfspielers Steve Cipa, der Andreas Lörup bei den Winstongolf Senior Open zur Seite steht.

Dann nickt der Profi dem Caddie zu, der seine große Tasche mit den Schlägern über den Golfplatz zieht. Dieser nickt zurück, greift einen der 14 Schläger, die der Cipa dabei hat, und reicht ihn weiter. Stille. Der Wind rauscht vernehmlich. Cipa begutachtet den Rasen. Jede noch so kleine Unebenheit wird mit kritischem Blick studiert. Er rupft etwas Gras aus, wirft es in die Höhe und prüft den Wind. Dann geht er in Position: Die Beine in lockerer Schrittstellung, die Knie leicht gebeugt. Konzentration. Die anderen drei Spieler des Teams und ihre Caddies verstummen abrupt. Es zischt und knallt vernehmlich, als der Golfschläger den Ball in den Himmel schießt.

Bei glühender Hitze geht es sofort in schnellem Schritt weiter, - zum nächsten Abschlag. "Der Golfplatz hier ist fantastisch", sagt Cipa. Der Engländer spielt bereits seit 33 Jahren professionell Golf. Er ist einer der 72 Profis, die am Wochenende beim internationalen Golfturnier in Vorbeck antraten und um den Siegespreis von 60 000 Euro spielten.

Bis zu 1000 Euro werden für eine Runde fällig

Andreas Lörup wurde von seinem Club eingeladen, an den Senior Open teilzunehmen. Normalerweise hätte er sich für das Turnier einkaufen müssen. 1000 Euro kostet es für Amateure, einmal mit den Profis zu spielen. Der Reinerlös von 5000 Euro geht an die Hilfsorganisation "Herzenswünsche", die sich um sterbenskranke Kinder kümmert. Für Club-Mitglieder kostet eine Runde normalerweise 500 Euro. Doch Lörup ist in diesem Jahr Clubmeister in Vorbeck und darf deshalb kostenlos gegen die Profis antreten. Der 17-Jährige spielt bereits seit seinem siebten Lebensjahr Golf. "Er ist wirklich sehr gut", sagt Cipa und nickt in Richtung des jungen Mannes.

Andreas Lörup macht sich für seinen nächsten Schlag bereit. Jetzt geht es da rum, den Ball in das Loch zu befördern, das etwa zehn Meter entfernt durch eine weiße Fahne markiert wird. Cipa wendet sich seinem jungen Kollegen zu und flüstert ihm einen Tipp ins Ohr. Andreas Lörup nickt, geht in Position und schlägt ab.

Eyko Ewers, wie Lörup Mitglied des Winstongolf, hat sich bei diesem Turnier eingekauft. Er marschiert in strammem Schritt bei glühender Sonne den anderen Golfern seines Teams hinterher. Der Hochschullehrer schiebt seine Tasche heute selbst. "Es steht ja im Verdacht, dass Golf ein Altherren-Sport sei", sagt er und lacht. "Aber wenn man das Bag 18 Löcher getragen hat und stramm gelaufen ist, dann weiß man schon, was man getan hat." Bei seinem Ball angekommen, hebt er ihn auf und poliert ihn kräftig, während seine Profi-Begleitung Steve Bennet den Abstand zum Loch genau begutachtet. "Der Ball muss blank sein, damit er sauber fliegt", erklärt Ewers. Er bückt sich und legt dort, wo sein Ball gelandet ist, ein kleines Plättchen auf die Erde. Dies markiert die Stelle an der er abschlagen muss. Dann zieht der Lehrer seinen Handschuh über. Nur über die linke Hand, denn Ewers ist Rechtshänder. "Mit der Linken gebe ich den meisten Schwung in den Schlag", erklärt er. "Damit ich beim Schlag nicht abrutsche, habe ich den Handschuh." Er greift sich einen Putter, den Schläger, der sich am besten zum Einlochen eignet, und geht in Position. Ewers Ball liegt nicht weit entfernt vom Loch. Absolute Stille. Konzentration. "Pock", und der Ball ist eingelocht. Ewers strahlt. "Ich bin zufrieden mit meinem Spiel heute. Es gibt Tage, an denen es funktioniert", sagt er. Dann geht der Lehrer zu seinem Bag, greift in die Seitentasche, holt ein Käsesandwich heraus und beißt ab. Stärkung, bevor es zum nächsten Abschlag geht.

18 Löcher umfasst der Turnierplatz. Gestartet ist das Team um neun Uhr morgens. "Eine Runde kann schon gut mal vier bis fünf Stunden dauern", sagt Eyko Ewers. Da braucht der Magen zwischendurch Nahrung. Bei Andreas Lörup gibt es eine Banane. Steve Bennett hat Weingummis dabei - und viel Wasser. Cipa verzichtet heute auf eine Zwischenmahlzeit.

Andreas Lörup ist am Schlag. Sein Ball liegt im Dickicht, irgendwo abseits des Rasens. Der junge Clubmeister kneift die Augen zusammen, visiert das Loch an und schlägt zu. Sand spritzt in einer hohen Fontäne auf. Der Ball wird zum weißen Punkt im blauen Himmel. Es macht "Klong" - "Unglaublich, der ist drin", rufen Cipa und Ewert begeistert. Lörup schmunzelt. "Wenn ich mich auf den Schlag konzentriere, dann mache ich meinen Kopf leer und singe Rap", erzählt der 17-Jährige. Am liebsten Tupac und 50 Cent. "Dann bin ich locker."

Nach dem Turnier verrät Eyko Ewers: "Andreas war heute besser als die Profis." Cipa brauchte 78 Schläge, Bennett 72. Lörup lächelt nur bescheiden. Dann gibt er zu, bei diesem Turnier seine persönliche Bestmarke von 69 erreicht zu haben. "Das Turnier mit den Profis hat viel Spaß gemacht", fügt er an und schaut zu Steve Cipa. Der drückt den 17-Jährigen einmal kräftig. Dann geht es zum gemeinsamen Essen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen