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115 : Einheitliche Behördennummer lässt auf sich warten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Behördenrufnummer 115 gibt es derzeit nur in zwei Landkreisen und der Schwerin. Wann auch der rest des Landes davon profitiert, ist offen.

Wer in Schwerin und in den Landkreisen Vorpommern-Rügen und Ludwigslust-Parchim eine Frage an die Verwaltung hat, muss nicht lange nach der Telefonnummer suchen oder grübeln, welches Amt zuständig ist. Dort gibt es die einheitliche Behördenrufnummer 115. Der Anrufer landet in einem Service-Center, dessen Mitarbeiter mit Informationen aus dem Computer die Fragen beantworten. Das soll Wartezeiten am Telefon verkürzen und die Mitarbeiter in den Ämtern entlasten. Der Bürger muss bei seinen Anfragen die Öffnungszeiten der jeweiligen Behörde nicht im Kopf haben, denn die 115 ist von Montag bis Freitag zwischen 8 und 18 Uhr erreichbar.

Vor knapp zwei Jahren, am 31. März 2014, ging der landesweit erste telefonische Bürgerservice unter der 115 im Landkreis Ludwigslust-Parchim an den Start. Inzwischen wählen rund 10 000 Menschen im Jahr die 115, wenn sie etwas vom Landkreis wollen - 65 000 nutzen weiter die herkömmliche Einwahl der Kreisverwaltung und werden von dort in das Service-Center Westmecklenburg weitergeleitet, wie eine Landkreis-Sprecherin sagte.

Die 115 gibt es in Deutschland schon seit 2009 - doch noch lange nicht flächendeckend. Auch Mecklenburg-Vorpommern ist weit davon entfernt. Am 1. Dezember 2014 eröffnete im Landkreis Vorpommern-Rügen das dortige 115-Service-Center, Ende März 2015 trat Schwerin dem Verbund bei. Es wird vom Servicecenter Westmecklenburg mit bedient.

Das war es bislang. Klaus-Michael Glaser vom Städte- und Gemeindetag sagte, den Kommunen fehle noch der entscheidende Impuls, sich der 115 anzuschließen. Vielen sei unklar, wo der Vorteil für sie liegt. Auch könnte der Bekanntheitsgrad der 115 besser sein, meinte er.

Das zuständige Innenministerium kündigte ein Projekt an, das die flächendeckende Verfügbarkeit der 115 im Nordosten sicherstellen soll. „Ziel ist es, dass jeder Einwohner unseres Bundeslandes diesen Service künftig nutzen kann“, sagte Ministeriumssprecherin Marion Schlender. Einen Zeitplan nannte sie nicht. Eine der größten Herausforderungen werde die Aktualisierung der notwendigen Wissensdatenbank durch die Kommunen und das Land sein, räumte Schlender ein. Die Hansestadt Rostock gab zu bedenken, dass diese Zusatzarbeit neben der Regeltätigkeit gestemmt werden müsse.

Glaser sieht auch Probleme beim Verhältnis von Aufwand und Nutzen für die Kommunen. Eine Kleinstadt könne vielleicht eine Zehntelstelle einsparen, weil Anrufe vom Servicecenter beantwortet werden, sagte er. Doch dafür müsse die Datenbank mit allen Angaben von der Friedhofsgebühr bis zur Hundesteuer gefüttert und aktuell gehalten werden. Außerdem wird ein finanzieller Beitrag für die Nutzung des 115-Service-Centers fällig. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim hat für dieses Jahr 363 000 Euro für das Service-Center Westmecklenburg im Haushalt eingeplant, wie die Sprecherin sagte.

Ein Testanruf beim Service-Center Westmecklenburg ergab ein Qualitätsproblem. Die Auskunft zur Beantragung eines Kinderreisepasses war nicht korrekt, eine Nachfrage direkt in der Meldestelle wurde nötig. Ein größeres Problem bei der Qualität sieht der Landkreis jedoch nicht. „Die Anzahl der Beschwerden ist sehr gering“, sagte Sprecherin Susan Koch. „Im Jahr 2015 wurden zirka zehn Beschwerden aufgenommen und geprüft.“

Iris Leithold

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