Glosse : Eingelocht und versenkt

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19. März 2014, 21:16 Uhr

Jetzt ist es passiert. Die Krim verschwindet aus der Ukraine. Nach 60 Jahren! Sandy Island östlich von Australien verschwand vor zwei Jahren. Das Eiland zwischen der australischen Küste und der Inselgruppe Neukaledonien war sogar auf Wetterkarten verzeichnet – und bei Google Earth als schwarzer Fleck! Und jetzt ist auch noch Hiddensee weg.

Auf der offiziellen MeckPomm-Karte des Golfverbandes MV im Internet – kein Hiddensee nirgends. Gesunken im Meer? Aufgelöst in Luft? Abgeschleppt von Putin? Nicht mal ein winziger weißer Golfball findet sich da, wo sonst das „söte länneken“ war. 1001 Einwohner, 19 Kilometer im Quadrat – eingelocht und versenkt. Erst kürzlich hat Ministerpräsident Sellering 13 Hektar an Niedersachsen verschenkt und nur neun zurückbekommen. Hat jetzt der Präsident des Landesgolfverbandes, Rüdiger Born, Hiddensee an die Schweden... Zuzutrauen wäre es ihm. Ist ja sowieso kein Golfplatz auf der Insel. Kein Golf, keine Insel. Weg damit.

Ich habe erst mal bei Google nachgesehen. Dort ist Hiddensee noch da. Gott sei Dank. Die Insulaner sind trotzdem sauer: Der Verband soll sich einen ordentlichen Grafiker suchen, schimpft Kurdirektor Alfred Langmeyer. Ach, der meint, die Insel wurde aus Versehen ausradiert? Kann in der Hitze des Golf-Gefechts schon mal passieren? Bei ganzen 16 Golfplätzen in MV – wie soll man da auch noch den Überblick über jede Insel behalten? Aber Herr Born hat Hiddensee gar nicht ausradiert. Es war niemals da, klärt eine Verbandssprecherin auf.

Die Karte ist schon alt. Und Hiddesee hat es nie darauf geschafft. Wie sagt der Golfer, der mit seinem Putter übers Grün hetzt: Putt gegangen.

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