Flüchtlingstagebuch Teil 15 : Eingelegte Auberginen und Schokolade zum Frühstück

Syrisches Frühstück: Moha noch ganz verschlafen in seiner neuen Küche
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Syrisches Frühstück: Moha noch ganz verschlafen in seiner neuen Küche

Unsere Redaktion begleitet den Syrer Moha: Flüchtlingstagebuch Teil 15

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02. Juni 2016, 12:00 Uhr

Moha war über ein Jahr auf der Flucht. Vergangenen September erreichte er Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern hat er ein neues Leben begonnen. Redakteurin Lisa Kleinpeter begleitet ihn.

Moha hält mir einen Schokoriegel entgegen. „Warum machst du das? Ich werde fett“, sage ich. Trotzdem greife ich zu. „Ich kenn dich eben inzwischen ein bisschen“, sagt Moha und grinst hinter seinem Kaffeebecher hervor. „Stimmt“, antworte ich. Immerhin wohnt Moha nun seit zwei Monaten in Schwerin. Heute hat er mich zum Frühstück in seine neue Wohnung eingeladen. Vor mir auf dem Tisch stehen eingelegte Auberginen, Quark, Schafskäse, Gewürze. Aus Mohas Handy dudelt orientalische Musik. Während er Fladenbrot ins Olivenöl tunkt, beiße ich von meinem Riegel ab.

„Wie läuft es mit dem Integrationskurs?“, frage ich. „Oh – lustige Geschichte“, sagt Moha. „Ich sollte mich in der Schule registrieren. Also bin ich hingefahren.“ – „Und?“, frage ich. „Ich habe ewig nicht den richtigen Eingang gefunden. Schließlich habe ich eine Frau gefragt. Sie nahm mich mit. Brachte mich aber nicht ins Sekretariat, sondern direkt in den Unterricht.“ – „Also hattest du deine erste richtige Deutschstunde?“ – „Ja, aber ich war ja noch gar nicht registriert. Plötzlich fragte mich der Lehrer auf Deutsch ab.“ Moha lacht. „Warum ist immer alles so kompliziert? Das Jobcenter sagt, es fehlen mal wieder irgendwelche Dokumente.“

Ich nicke. Ich kenne diese Geschichten. Zwei Mal hat das Jobcenter Moha die Leistungen streichen wollen. Beide Male war es ein Missverständnis. „Ich bin jede Woche im Jobcenter. Ich habe langsam das Gefühl, ich arbeite da“, sagt Moha. Er gießt sich noch einmal Kaffee nach. Der süßlich herbe Geruch von Kardamom verbreitet sich in der Küche. „Aber ich bin beeindruckt“, sagt er schließlich. „Warum?“ – „Mir helfen so viele Menschen. Nicht nur einer. Sondern ein ganzer Berg an Menschen.“ – „Ja. Du hattest Glück.“ – „Ja. Ich frage mich, wie die anderen Flüchtlinge das machen. Die vielleicht keine Hilfe bekommen.“ – „Was meinst du?“ – „Es gibt so viel zu erledigen. Ständig kommt etwas neues dazu. Mir platzt da manchmal echt der Kopf.“

Nun tunke auch ich Brot ins Olivenöl und anschließend in die Gewürzmischung. „Sehr gut. Was heißt lecker auf arabisch?“, frage ich. „Ladhidh“, sagt Moha. „Weißt du, ich will den Menschen hier etwas zurückgeben.“ – „Was schwebt dir vor?“ – „Die Menschen haben Angst vor Sachen, die sie nicht kennen. Und viele haben Angst vor uns Syrern. Ich organisiere mit Freunden eine Ausstellung. Wir wollen zeigen, wie Syrien vor dem Krieg war. Dass die Menschen keine Angst zu haben brauchen vor uns.“ – „Schöne Idee. Eine Fotoausstellung?“ – „Ja, genau. Ich habe das Gefühl, ich kann etwas Gutes tun.“ – „Bei der Vernissage musst du aber zu den Menschen sprechen.“ – „Ja, ich weiß.“ – „Das heißt, du musst Deutsch lernen.“ – „Ja, ich hoffe, der Integrationskurs beginnt bald.“

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